Letztes Update am Mi, 07.03.2018 09:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Apothekertagung

Virus-Hepatitis sollte kein Problem mehr sein

Hepatitis B sei durch eine Impfung verhinderbar, bei Hepatitis A gebe es einen Anstieg der Ausbrüche unter homosexuellen Männern. Auch die C-Version ließe sich mittlerweile einigermaßen gut behandeln, weltweit können aber nur 1,5 Prozent der Betroffenen Hilfe in Anspruch nehmen.

© Getty Images/iStockphotoLangsam stirbt die Leber ab: Eine Chronische Hepatitis kann zu Zirrhose und Krebs führen.



Schladming – Die häufigsten Virus-Leberentzündungen sollten kein Problem mehr sein. Hepatitis A und B sind durch Impfung fast hundertprozentig zu verhindern, Hepatitis B wird besser therapierbar. Die Hepatitis C könnte weltweit mit neuen Medikamenten eliminiert werden, hieß es am Dienstag bei der Wissenschaftlichen Fortbildungstagung der Österreichischen Apothekerkammer in Schladming (bis 7. März).

An sich, so Hermann Laferl vom Kaiser Franz Josef-Spital in Wien, dürften die häufigsten durch Viren hervorgerufenen akuten (Hepatitis A) oder chronischen Leberentzündungen (Hepatitis B und C) kein Problem mehr darstellten. „Die Hepatitis A („Reisehepatitis“; Anm.) sollte es gar nicht mehr geben. Wir haben seit Jahrzehnten einen hervorragenden Impfstoff“, sagte der Infektionsspezialist. Allerdings würden in jüngerer Vergangenheit wieder mehr Ausbrüche unter Männern, die mit Männern Sex haben, registriert. Zumeist wird in Österreich der Kombinationsimpfstoff gegen Hepatitis A und Hepatitis B angewendet.

Impfungen schützen vor Hepatitis B

Die vor allem sexuell und über Blutkontakte übertragbare Hepatitis B, die im Falle einer chronischen Infektion zu Leberversagen und Leberkarzinomen führen kann, wäre gleichfalls durch Impfung verhinderbar. Personen, die durch eine chronische Hepatitis B in eine Leberschädigung hineinrutschen, sollten langfristig behandelt werden. Zum Einsatz kommen dabei sogenannte Nukleosid- oder Nukleotid-Analoga, welche durch den Einbau „falscher“ Bausteine bei der Replikation des Virus-Genoms zum Abbruch der Erbsubstanz-Synthese und zur Unterdrückung der Virusvermehrung führen.

Das Prinzip stammt aus der HIV-Therapie. „Wir haben drei hoch aktive Medikamente. Wir schaffen es damit, die Virusreplikation mehr oder weniger auf Null zu bringen. Das führt auch zu weniger Fällen von Leberkarzinomen“, sagte der Wiener Experte.

Hepatitic C medikamentös gut behandelbar

„Vom medizinischen Standpunkt her ist die Hepatitis C seit 2014 ‚gegessen‘. Wir haben mit den neuen Medikamenten Heilungsraten von 95 und mehr Prozent binnen acht bis zwölf Wochen mit faktisch keinen Nebenwirkungen“, sagte Laferl. Mit den Kombinationstherapien (z.B. Sofosbuvir/Velpatasvir oder Glecepravir/Pibrentasvir) kann fast jede chronische Hepatitis C zur Ausheilung gebracht werden. Das gilt auch für Patienten, bei denen Therapieversuche mit Interferon und Ribavirin wirkungslos blieben.

Ein Erfolg nach viel anfänglicher Kritik am Hauptverband der Sozialversicherungsträger und an der Pharmaindustrie, wie der Wiener Experte berichtete: „Heute können wir bereits jeden Patienten mit chronischer Hepatitis C unabhängig vom Status der Leberschädigung mit den neuen Medikamenten behandeln.“ Die Preise für eine Therapie seien von ursprünglich bis fast 80.000 Euro auf in diesem Jahr unter 10.000 Euro in Österreich gesunken. Im von der Hepatitis C besonders heimgesuchten Ägypten kostet ein Therapiezyklus von zwölf Wochen via Nachahmepräparate (Generika) überhaupt nur noch 78 US-Dollar (62,85 Euro).

Weltweit nur wenig Menschen behandelt

Freilich, der Sieg über die Hepatitis C muss zunächst über die Erkennung aller Infektionen erfolgen. Laferl sagte dazu: „Weltweit sind erst 20 Prozent der Fälle mit chronischer Hepatitis C diagnostiziert. In den USA sind es 40 bis 50 Prozent, wahrscheinlich auch in Österreich. Weltweit werden erst 1,5 Prozent der Betroffenen behandelt.“

Einer harten Diskussion in Wissenschaftskreisen wären wohl die alten epidemiologischen Daten zur Verbreitung der Hepatitis C mit zahlreichen wissenschaftlichen Studien zu unterziehen. Die Zahl der weltweit von chronischer Hepatitis C Betroffenen wurde nämlich von ehemals rund 170 Millionen auf 70 Millionen zurückgenommen. In Österreich geht man jetzt von rund 28.000 Betroffenen aus. Vor einigen Jahren sprachen Experten noch von rund 80.000 Patienten. (APA)