Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.03.2018


Gesundheit

,,Woche des Gehirns“: Parkinson ist lange nicht zu spüren

Innsbrucker Neurowissenschafter nähern sich in der „Woche des Gehirns“ der Schaltzentrale des Menschen aus den verschiedensten Disziplinen und beantworten etwa die Frage: Wird Parkinson heilbar?

© iStockphoto(Symbolbild)



Von Theresa Mair

Innsbruck – Das Gehirn ist ein Faszinosum: Einerseits laufen dort alle Fäden des Körpers zusammen, andererseits hat es der Wissenschaft noch längst nicht alles von sich preisgegeben. Welche und wie viele Hirnzellen können sich regenerieren? Hilft Meditation gegen Depressionen? Warum träumt man schlecht, wenn es im Zimmer nicht gut riecht? Fragen über Fragen – von denen Innsbrucker Wissenschafter schon viele beantworten können. Kommende Woche werden sie dem Gesundheits-Interessierten im Rahmen der Woche des Gehirns in Referaten mit anschließender Fragemöglichkeit Einblicke in den aktuellen Stand der Neurowissenschaften und ihre Forschungstätigkeit geben.

Den Auftakt macht HNO-Direktor Herbert Riechelmann, der über die Eigenheiten des Geruchssinns sprechen wird. In einem gemeinsamen Projekt mit der Neurologie (Direktor: Werner Poewe) arbeiten die Hals-, Nasen- und Ohren-Experten daran, aus Riechzellen Rückschlüsse über Prionen-Erkrankungen im Gehirn zu gewinnen.

Poewe, der seinen Vortrag am Dienstag hält, geht davon aus, dass die nach Alzheimer am zweithäufigsten vorkommende neurodegenerative Erkrankung aktuell bis zu 2000 Tiroler betrifft. Jährlich erkranken 200 neu. Bisher sei Parkinson zwar die einzige neurodegenerative Krankheit, die man „wirklich gut behandeln kann“. Verhindern könne man die Verschlechterung der Symptomatik – u. a. Zittern, Muskelsteifheit, Probleme bei Alltagstätigkeiten wie Zähneputzen oder Knöpfeschließen – über die Jahre trotz guter Behandlung aber noch nicht.

Vorträge in der “Woche des Gehirns“

12.3.: Geruch und Gehirn

13.3: Wird Parkinson heilbar?

14.3.: Meditation, Yoga und Hirnforschung

15.3.: Stammzellen: Hoffnungen für Hirnerkrankungen?

16.3.: Bedeutung des Schlafs für die Gehirngesundheit

Die Vorträge finden jeweils um 18.30 Uhr im Centrum für Chemie und Biomedizin (großer Hörsaal, Innrain 80-82, Innsbruck) statt. Eintritt frei.

„Parkinson zu heilen, war bisher immer außerhalb der Reichweite der Therapien. Aber es hat Fortschritte gegeben“, sagt Poewe. Inzwischen wisse man, dass die Erkrankung im Gehirn mindestens zehn Jahre früher beginnt als die Beschwerden.

„Eine der frühesten Veränderungen betrifft z. B. die Riechstrukturen im Gehirn und wir versuchen gerade mit der HNO zu klären, ob man daraus vielleicht einen diagnostischen Test entwickeln könnte.“ Wenn man alle bekannten Risiken und auch schützenden Faktoren zusammennehme und mit genetischen Merkmalen kombiniere, könne man heute bereits das Parkinson-Risiko annähernd vorhersagen. Poewe ist zuversichtlich, dass man durch frühes Eingreifen und mit der Entwicklung entsprechender Therapien in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren den Beginn der Beschwerden um fünf Jahre nach hinten verschieben kann. „Es wäre auch denkbar, dass man Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer quasi heilt, indem man durch sehr, sehr frühe Intervention im Vorstadium den Ausbruch verhindert.“ Das Gehirn sei zu dem Zeitpunkt vielleicht nicht mehr perfekt gesund, aber man könnte es womöglich schaffen, dass keine Symptome auftreten. „Das ist natürlich die Ultra-Hoffnung, wonach alle streben.“

Versuche der Parkinsonbehandlung gibt es auch im Bereich der Stammzellenforschung. „Das ist aber wahrscheinlich eher eine der Krankheiten, wo es nicht sehr naheliegend sein wird, weil es eine Reihe sehr erfolgreicher konventioneller Therapien gibt, die mit weniger Risiken und Kosten verbunden sind“, erklärte Molekularbiologe Frank Edenhofer.

Sein Team hat ein Verfahren entwickelt, mit dem es Hautzellen eines Patienten in Gehirnstammzellen umprogrammieren kann. „Unsere Gehirnstammzellen wirken mehr wie ein Schwamm, die bei entzündlichen Prozessen im Zentralnervensystem schädliche Stoffe auffangen und deaktivieren.“

Mehr Infos: www.i-med.ac.at/event/BAW2018.html