Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 19.04.2018


Gesundheit

Hilfe für die stillen Helfer

Pflegenden Angehörigen fehlt es oft an Wissen und Zuspruch. Das soll sich nun ändern. Mit kurzen Kursen, in denen praktisches Know-how vermittelt, aber auch zugehört wird.

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Von Andrea Wieser

Innsbruck – Über 24.000 Pflegegeldbezieher leben in Tirol zu Hause. Nur ein kleiner Teil davon, rund 2000, erhält eine 24-Stunde-Hilfe. Der Rest ist auf die Familie angewiesen. Auch wenn mobile Dienste eine große Unterstützung sind, ist doch das private Umfeld stark gefordert.

Innsbruck: Erste Termine am 2. und 9. Mai in der Klinik Innsbruck, Chirurgie-Gebäude, 8. St. Nord von 16 bis 18.30. Reserviert für Angehörige von Krankenhauspatienten. Infos unter Tel. 050504-22231 oder lki.pdion@tirol-kliniken.at.
- tirol kliniken

Diesem Thema, das hinter verschlossenen Türen und nicht selten in der Isolation stattfindet – für Patienten wie für die pflegenden Angehörigen –, haben nun die Krankenhäuser in Innsbruck, Reutt­e und Zams eine spezielle Pflegeberatung gewidmet. „In Kursen von zweimal zweieinhalb Stunden wollen wir Angehörigen die Chance geben, sich über die grundlegenden Fragen zu informieren“, sagt Aloisia Angermaier, stellvertretende Pflegedirektorin an der Klinik Innsbruck.

Reutte: Die Schulungen starten am 24. und 29. Mai von 18 bis 20.30 im BKH Reutte, Pflegeschule, Krankenhausstraße 39. Infos unter Tel. 0676-88601500 oder per E-Mail unter pflegeberatung@bkh-reutte.at.
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Im Vorfeld wurden Befragungen in allen drei Häusern durchgeführt, um die Inhalte konkret auf die Bedürfnisse der Menschen abstimmen zu können. In den Kursen wird nun von der wichtigen Vermeidung von Stürzen bis hin zur richtigen Betreuung bei Inkontinenz gesprochen. Körperpflege ist ebenso ein Thema wie die eigenen körperlichen Herausforderungen. „Wie kann man jemanden mit einem Rollator unterstützen, damit es für mich so wenig anstrengend wie möglich ist?“, nennt David Heitzinger, Pflegedirektor im Bezirkskrankenhaus Reutte, ein ganz konkretes Beispiel.

Zams: Am 3. und 10. Mai von 16 bis 18.30 im Krankenhaus St. Vinzenz Zams, Garconnierensaal Mitarbeiterhaus, Klostergasse 35. Weitere Informationen unter Tel. 05442-6006007 oder office@krankenhaus-zams.at.
- Krankenhaus St. Vinzenz Zams

Das Ziel der Schulungen ist es nicht, die professionelle Pflege zu ersetzen. „Das ist auch so nicht möglich. Aber es geht darum, zu verhindern, dass es nach der Entlassung zu Hause schon an Banalitäten scheitert“, betont der stellvertretende Pflegedirektor aus Zams, Domini­k Siegele. Gemeinsam mit Qualitätsmanager Elmar Zormann betreut er das Projekt vor Ort. Liege der Patient etwa abgeknickt im Bett, könne es aufgrund der dauerhaften schlechten Belüftung der Bronchien zur Lungenentzündung kommen. Wer das im Vorfeld weiß, kann mit wenig Aufwand viel verhindern.

Neben praktischen Ratschlägen soll es in dem Kurs auch Raum für die psychischen Anstrengungen der Pflegenden geben. „Die sensible Situation, einen Verwandten zu Hause zu betreuen, darf nicht unterschätzt werden“, meint Heitzinger. „Es hilft, darüber zu sprechen.“ Gerade bei Demenz ist die Last besonders groß. In einer Studie gaben gerade kürzlich mehr als 70 Prozent der Angehörigen an, sich überdurchschnittlich oft überlastet zu fühlen. Gerade dann ist der Austausch wichtig, um den Pflegenden mehr Selbstbewusstsein zu geben: „Es besteht eine große Unsicherheit, dass man Fehler macht“, betont Angermaier.

Finanziert wird der Kurs von den Krankenhäusern und dem Gesundheitsfonds Tirol. Für die Teilnehmer ist das Angebot kostenlos. Am Veranstaltungsende wird den Besuchern Informationsmaterial mitgegeben, um auch zu Hause noch einmal nachschlagen zu können.