Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.04.2018


Gesundheit

Krawatte lockern gegen den Krebs

Die Krebshilfe ruft mit der „Loose Tie“-Tour – morgen beim Fußballspiel in Wattens – zur Prostatakrebs-Vorsorge auf. Urologie-Chef Wolfgang Horninger erklärt, wann der PSA-Test trotz aller Verunsicherung sinnvoll ist.

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Von Theresa Mair

Innsbruck – PSA-Test, ja oder nein? Die richtige Antwort lautet: „Ja, aber.“ Denn viel war in letzter Zeit zu lesen über Sinn oder Unsinn dieser Basisuntersuchung für die Prostatakrebs-Früherkennung, über die Senkung der Sterblichkeit auf der einen Seite und folgenschwere Übertherapie – Inkontinenz und Impotenz – aufgrund verfälschter Testergebnisse auf der anderen Seite.

Nun hat die Krebshilfe zusammen mit der Österreichischen Gesellschaft für Urologie den April zum Prostatakrebs-Vorsorge-Monat ausgerufen und tourt mit der „Loose Tie“-Kampagne durch die Lande.

Männer ab 45 sollten die Krawatte lockern, sich sinngemäß also vom Alltagsstress freischaufeln und sich Zeit für die Krebs-Vorsorge nehmen. Einer von sieben Männern erkrankt im Laufe seines Lebens an Prostatakrebs.

„Ziel der Aktion ist es, das Bewusstsein zu schärfen, dass es eine Möglichkeit der Früherkennung gibt“, sagt Wolfgang Horninger, Direktor der Innsbrucker Uniklinik für Urologie, Leiter des Europäischen Prostatazentrums an der Klinik und Vorstand der Krebshilfe.

Dabei könne man den Tiroler Männern bei der Prostatakrebs-Früherkennung nicht vorhalten, dass sie Vorsorge-Muffel seien. „Gut 80 Prozent der Männer des entsprechenden Alters lassen sich testen“, sagt Horninger. Weit mehr als im Osten Österreichs.

Die Screeningdichte schlägt sich daher in der Zahl der Todesfälle zugunsten der Tiroler nieder: Im Jahr 2015 sind 10,7 Tiroler pro 100.000 Einwohner an Prostatakrebs gestorben, im Burgenland waren es 17,3. „PSA hat die Sterblichkeit gesenkt, mit dem Preis der Überdiagnose und Übertherapie“, sagt Horninger.

Hunderte neue Marker seien entwickelt worden. „Aber keiner ist besser als das PSA. Das muss aber richtig interpretiert und der Patient gut aufgeklärt werden“, betont Horninger. Er gibt ein grobes Rechenbeispiel: Wenn 200 Männer das PSA kontrollieren lassen, haben 100 davon ein tumorverdächtiges PSA. Würde diesen 100 Patienten eine Gewebeprobe entnommen werden, dann fände man 30 Karzinome, von denen 15 therapiebedürftig sind, 15 nicht.

So läuft es aber nicht. „Wir biopsieren nicht nach nur einem auffälligen PSA-Test, wir haben immer mehrere Werte“, schränkt Horninger ein. Auch, weil das Ergebnis der Blutuntersuchung eine Momentaufnahme sei. Eine Entzündung der Prostata oder Blase, Sex in den 48 Stunden vor dem Test und stundenlange Radtouren würden das Ergebnis verfälschen. Durch neue diagnostische Mittel könne man das PSA mittlerweile viel besser interpretieren. Bevor eine softwaregesteuerte, gezielte Gewebeprobe angeordnet wird, komme seit vier Jahren eine Kernspintomografie sowie Ultraschalluntersuchung zum Einsatz – die Tastuntersuchung nicht zu vergessen.

Ein erhöhtes PSA allein bringt einen also nicht unweigerlich unter das Messer. Denn wenn ein Tumor vorliegt, treffen Arzt und Patient die Therapie-Entscheidung gemeinsam, wobei Therapie ein dehnbarer Begriff ist. Active Surveillance – aktives Beobachten – gehört auch dazu. Das beinhaltet bei langsam wachsenden Tumoren regelmäßige Kontrollen. Die Abstände hängen vom Alter und der Höhe des Werts ab. Erst, wenn sich etwas ändert, muss eingegriffen werden.

PSA und Fußball

PSA (Prostataspezifisches Antigen) ist ein Eiweiß, welches das Ejakulat verflüssigt, damit sich die Spermien darin bewegen können. Bei Prostatakrebs ist das PSA im Blut erhöht. Der PSA-Test gibt an, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein Tumor vorliegt.

Prostatakrebs ist die dritthäufigste Krebs-Todesursache beim Mann. Auf die Prostata beschränkte Tumoren sind durch Operation oder Strahlentherapie heilbar. Fortgeschrittener oder metastasierter Prostatakrebs ist nicht heilbar. Dank Therapien, u. a. mit neuen Hormon-Medikamenten, überleben diese Patienten bis zu 15 Jahre.

Die „Loose Tie“-Tour stoppt morgen beim Match von WSG Swarovski Wattens – FAC Wien. Männer im Vorsorgealter, die sich vor dem Fußballspiel ab 17 Uhr das PSA bestimmen lassen, erhalten mit einer Begleitperson freien Eintritt.