Letztes Update am Do, 26.04.2018 12:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Muskelpakete, mit Gesundheit prall gefüllt

Muskeln schützen und stützen das Skelett, geben Kraft und spielen eine wichtige Rolle im Stoffwechsel. Der niederösterreichische Orthopäde Andreas Stippler rückt die versteckten Vorzüge der Muskelpakete ins Scheinwerferlicht.

© PantherStock(Symbolfoto)



Von Theresa Mair

Muskeln haben allen Grund zum Protzen, findet der Kremser Orthopäde Andreas Stippler. Und es ist ja auch so: In Muckibuden wird der große Bizeps gern zur Schau gestellt. Doch abgesehen von der Optik bleibt das, was unsere Muskeln für die Gesundheit leisten, oft hinter dem Vorhang verborgen. Stippler will den „klugen Muskeln“ eine Bühne geben.

Mit dem Wissenschaftsautor Norbert Regitnig-Tillian hat er das Buch „Kluge Muskeln – Wie Muskeln unsere Gesundheit fördern und Sie um 20 Jahre verjüngen“ (Delta X-Verlag, 171 S., 17,90 Euro) geschrieben.

Muskeln als Hausapotheke

Wenn Muskeln bewegt werden – und nur wenn sie bewegt werden –, setzen die Muskelzellen so genannte Myokine (gr. Myo = Muskel, kines = Bewegung) frei. Diese Botenstoffe wurden erst in den 1990er-Jahren entdeckt. „Mittlerweile sind über 300 Myokine bekannt und alle paar Wochen kommen neue dazu“, sagt Stippler. Zu den bekannteren zählt Interleukin-6 (IL-6). Es stärkt die Immunabwehr, bekämpft Arthrose und feuert gegen Krebs. „Deshalb wird heute nach einer Tumorerkrankung in Reha-Einrichtungen leichtes Muskeltraining gefördert“, weiß der Experte. Vieles deute darauf hin, dass Myokine vor Demenz schützen, indem sie verhindern, dass sich Eiweiß im Hirn einlagert.

Es gibt exzentrische Muskeln

Gleich vorweg, um Missverständnissen vorzubeugen: Exzentrische Muskeln haben kein besonderes Geltungsbedürfnis. Im Gegenteil. Die dicken Muskeln wie der Bizeps gehören zu den Muskeln, die konzentrisch z. B. mit Klimmzügen aufgebaut werden. Medizinisch interessant sind die exzentrischen Muskeln, die gelenks- und wirbelsäulennah verortet sind. „Sie schützen und stützen die Bandscheiben, die kleinen Wirbelgelenke, Hüfte und Knie“, sagt Stippler.

Am besten fördere man sie mit Übungen, die das Zusammenspiel der Muskeln verlangen: Gleichgewichtstraining auf wackeligen Brettern, dem Stehen auf einem Bein beim Zähneputzen, Jonglieren oder auch Tempelhupfen. Positiver Effekt: Eine gute Balance beugt im Alter gefährlichen Stürzen vor.

Sitzen ist das neue Rauchen

„Sitzen ist eine Strafe“, sagt Stippler. Nicht umsonst sage man, dass einer im Gefängnis „einsitzt“. Die Durchblutung des Gewebes werde gestört, die Halswirbelsäule verkrümmt und bei Stress stellt es uns auch noch die Nackenhaare auf. Verspannungen drohen. „Am Arbeitsplatz sollte man alle eineinhalb Stunden aufstehen und sich zehn Minuten lang bewegen.“

Dazu kommt aber noch unsere neue Freizeit-Sitzkultur, in der wir über dem Smartphone hängen. Auf Dauer werde die Wirbelsäule unsere neue Freizeit-Sitzkultur nicht aushalten, ist Stippler besorgt. Vorbeugen kann man mit dem Training von Nackenmuskulatur und Schultergürtel. Dafür eignen sich eigene Trainings­systeme und das dehnbare Theraband.

Muskel-Jungbrunnen

Muskeln verjüngen die Haut, denn sie straffen das Lederhautgewebe und halten damit die Alterung auf. Der Wermutstropfen: Auf Orangenhaut haben die Muskelpakete keinen Einfluss. „Cellulite kann man mit Training nicht wegbringen. Die ist hormongesteuert.“

Abgesehen davon wirkt die Muskelkraft natürlich nicht nur auf die Haut: „Ein 71-Jähriger, der regelmäßiges Training macht, kann genauso stark sein wie ein untrainierter 17-Jähriger“, sagt Stippler. Und auch, wenn sich einer, der als Junger bereits trainiert hat, leichter tut, Bewegungen abzurufen: „Es geht um die Regelmäßigkeit. Es ist nie zu spät, anzufangen.“

Teamarbeit

Verbrennungsfabrik

Quergestreift

Schwund

Manche Menschen verlieren ab 50 Jahren ungewöhnlich schnell an Muskelmasse und rutschen in den Muskelschwund (Sarkopenie). Um dem vorzubeugen, sollte man mit 40–45 Jahren mit gezieltem Krafttraining, ein- bis zweimal wöchentlich beginnen.




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