Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.05.2018


Gesundheit

Gemeinsames Wirken für Körper, Geist und Seele

Ärzte, Psychotherapeuten und Heiler kümmern sich um verschiedene Aspekte des Mensch-Seins. Zusammenarbeit gibt es – noch – wenig.

© iStockphotoWas braucht der kranke Mensch? Nur ärztliche Hilfe oder vielleicht auch psychotherapeutische Unterstützung und Heiler, die sich um die energetische Ebene kümmern? Dazu gab es jüngst eine Expertentagung.



Von Carmen Baumgartner-Pötz

Dürnstein – Es war ein gefundenes Fressen für die Wiener Boulevardzeitungen. Im März wurde bekannt, dass beim ohnehin nicht gerade von positiven Schwingungen gesegneten Wiener Krankenhaus Nord im Zuge des Baus ein „Bewusstseinsforscher“ engagiert worden war. Für 95.000 Euro hatte er unter anderem am Grundstück „Energieflüsse gereinigt“. Öffentliche Häme und Empörung waren groß, Suspendierungen, Disziplinarverfahren und Rücktritte die Folge. Selbst die Erzdiözese Wien konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: „Ein einfacher Segen wäre günstiger gewesen“, postete sie auf Twitter.

Dass es auch anders – nämlich ohne Spott, aber mit Respekt vor den Methoden des jeweils anderen – geht, hat vergangene Woche eine interdisziplinäre Tagung von Ärzten, Psychotherapeuten und Heilern in Stift Dürnstein in der Wachau zu zeigen versucht. Die Wiener Psychotherapeutin Anneliese Fuchs, Obfrau von IDEE (Initiative für dynamische Persönlichkeitsentwicklung), hatte das „im deutsch-österreichischen Sprachraum einzigartige Treffen“ initiiert, weil es „meinem Menschenbild entspricht“, wie sie in ihrem einleitenden Vortrag erklärte. Während in Großbritannien und den USA die drei Disziplinen seit Jahrzehnten zusammenarbeiten, steht eine Kooperation aller drei hierzulande „noch nicht einmal am Anfang“, wie Fuchs gegenüber der TT erläutert. Dabei habe ein „Miteinander, nicht gegeneinander“ – so auch der Titel der Tagung – viele Vorteile, sagt Fuchs: Heilung werde wahrscheinlicher, wenn für Klienten möglichst viele Aspekte ihrer Person berücksichtigt werden: neben dem Körper eben auch die Seele/Emotion sowie Geist/Spiritualität/Energie. Während die Kooperation von Ärzten und Psychotherapeuten gesellschaftlich bereits akzeptiert ist – vor allem bei schweren Erkrankungen wie Krebs funktioniert sie sehr gut – gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Heilern im deutschen Sprachraum noch problematisch. Zu groß ist die Skepsis gegenüber wissenschaftlich schwer greifbaren Methoden und die Angst vor Scharlatanen, die auf schnelles Geld aus sind.

Das bestätigt auch Thomas Gruber, Dozent der „Schule der Geistheilung“ nach Horst Krohne. Er warnt vor Anbietern, die kranken Menschen versprechen, sie zu heilen: „Heilung bedeutet immer Selbstheilung, und wir vermitteln nur, bleiben Hilfesteller mit Respekt“, sagt er. Zu ihm kommen etwa Patienten mit austherapierten Krankheitsmustern, die in ihm ihre letzte Hoffnung sehen. Gruber kooperiert auch mit Psychotherapeuten und Ärzten. Ein Drittel der Ärzteschaft, so Gruber, ist laut einer deutschen Studie offen für eine Zusammenarbeit über ihre eigene Disziplin hinaus. Das ist ein Grundstock, auf dem die Teilnehmer der Tagung aufbauen können. In drei Arbeitsgruppen, geleitet von je einem Arzt, Psychotherapeuten und Heiler, wurden mögliche Kooperationen besprochen. Im Herbst will Anneliese Fuchs mit den Ergebnissen und weiteren Plänen in die Öffentlichkeit gehen.


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