Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.05.2018


Bezirk Kitzbühel

Wenn die Nacht zum Tag wird

Im Bezirk Kitzbühel leidet gut jeder Vierte an teilweise schwerwiegenden Schlafstörungen.

© iStockSymbolbild.



Von Harald Angerer

Kirchberg – Ein gesunder Schlaf ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse. Doch ein solcher ist bei Weitem nicht selbstverständlich. Mehr als jeder Vierte im Bezirk Kitzbühel hat mit schweren Schlafstörungen zu kämpfen. „Schlafstörungen sind extrem verbreitet und es gibt einen starken Anstieg. Auch bei Kindern und Jugendlichen sind sie in der Zunahme begriffen. Dieses Problem müssen wir sehr ernst nehmen“, sagt Barbara Haid, Vorsitzende des Tiroler Landesverbandes für Psychotherapie (TLP) im Rahmen einer Pressekonferenz in Kirchberg.

Es seien vor allem sehr pflichtbewusste und leistungsstarke Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Durch den Schlafmangel beginne sich eine Spirale zu drehen, die in Alkohol- oder Medikamentensucht enden kann. „Das Einschlafbier hat sicher eine kurze Zeit seine Wirkung, ist aber keine Lösung für das Problem, sondern führt zum nächsten Problem“, schildert Haid.

Es dauere aber meist sehr lange, bis die Betroffenen Hilfe suchen, weiß TLP-Bezirksvorsitzende Maria Erler zu berichten. „Wichtig ist zuerst die Suche nach der Ursache für die Schlafstörung“, erklärt Erler. Sehr oft sei Stress, Zeit- und Leistungsdruck ein großes Problem. Alles Zeiterscheinungen. Natürlich habe auch der Tourismus im Bezirk einen Einfluss auf die Schlafprobleme der Menschen.

Wann es sich um eine schwere Schlafstörung handelt, ist nicht pauschal zu sagen, aber es gebe Warnsignale. „Wenn der Leidensdruck da ist, sollte man auf jeden Fall Hilfe suchen“, schildert die Landesvorsitzende Haid. Weitere Kennzeichen sind, wenn man länger als eine Stunde durchgehend nicht einschlafen kann, öfter als dreimal aufwacht oder weniger als vier Stunden pro Nacht durchschläft.

Eine Behandlung wird aber nicht immer von den Krankenkassen übernommen. Die Kassen würden erst bei wirklich schweren Fällen die Kosten übernehmen, zudem gebe es für den Bezirk Kitzbühel eine zu geringe Anzahl an zugeteilten Therapiestunden, welche die Krankenkassen übernehmen. Oft leistet die Krankenkasse lediglich einen Zuschuss von 21,80 Euro, im Bezirk betragen die Kosten für eine Psychotherapiestunde aber zwischen 80 und 100 Euro.

Um Betroffenen im Bezirk zu helfen, führt der Tiroler Landesverband für Psychotherapie am 9. Mai eine Telefonsprechstunde unter 0512/561734 durch, bei der Maria Erler Fragen beantwortet.


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