Letztes Update am Di, 15.05.2018 11:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Mikroben auf Haut schützen vor Infekten und fördern Heilung

Mikroben besiedeln vor allem die Haut und Schleimhäute und helfen dem Körper etwa Nährstoffe aufzunehmen, Vitamine herzustellen, Hormone zu verstoffwechseln und spielen bei der Fettleibigkeit eine Rolle.

© iStockSymbolfoto.



Wien – Das Immunsystem bekommt von der Mikrobenwelt auf der Haut, mit der Menschen quasi geboren werden, Unterstützung gegen Krankheitserreger und bei der Wundheilung, berichtete die US-Forscherin Yasmine Belkaid Montag Abend bei einem Vortrag in Wien. Sie erforscht das Zusammenspiel des Körpers mit Bakterien, höheren Einzellern und Viren, gegen die er nicht kämpft, sondern mit denen er kooperiert.

Diese Mikroben besiedeln vor allem die Haut und Schleimhäute und helfen dem Körper etwa Nährstoffe aufzunehmen, Vitamine herzustellen, Hormone zu verstoffwechseln und spielen bei der Fettleibigkeit (Adipositas) eine Rolle, sagte Belkaid, die am National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) in Bethesda, Maryland (USA) forscht, bei einer „Landsteiner Lecture“ des Forschungszentrums für Molekulare Medizin (CeMM) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW). Ein gutes Mikrobiom sei auch förderlich für den Erfolg von Impfungen und Immuntherapien gegen Krebs, wie Forscher kürzlich herausgefunden haben.

Wichtig beim Kampf gegen Krankheiten

Wichtig ist die Mikrobenwelt am und im Körper auch beim Kampf gegen Krankheitserreger. Diese kommen in der Regel zunächst etwa mit der Haut, Lunge oder dem Darmtrakt in Berührung, also Organen, die von einer sehr vielfältigen Mikrobengemeinschaft bewohnt sind, so die Immunologin. Dort müssen sich Eindringlinge, seien es Bakterien, Viren, höhere Einzeller oder Pilze, einem Wettkampf mit ihresgleichen um Ressourcen wie Nahrung und Platz stellen, bevor sie den Körper bedrohen können, erklärte sie. Oft ziehen die Angreifer hier schon den Kürzeren, bevor noch das menschliche Immunsystem eingreifen muss.

Die „guten“ Mikroben helfen dem Körper auch direkt. Manche von ihnen scheiden gezielt Stoffwechselprodukte aus, die das Immunsystem anregen und somit quasi die bösen Jungs an den Wirt verpfeifen. Andere produzieren Botenstoffe, die Immunzellen (CD8-positive T-Zellen) bei einer kleinen Hautverletzung dazu bringen, einen Ring am Wundrand zu bilden und den Schaden reparieren zu helfen.

„Schläfer“ als potenzielle Krankheitserreger

Es gibt in der natürlichen Mikrobenwelt des Körpers aber auch „Schläfer“, die potenzielle Krankheitserreger sind. Sie werden normalerweise intern von anderen Mikroben in Schach gehalten, können aber etwa bei einer Ernährungsumstellung des Wirts auf die schiefe Bahn gelangen. Bei anhaltend fettreicher Nahrung werden zum Beispiel ansonsten friedliche Corynebakterien, die oft sogar den Wirt gegen Pathogene (Krankheitserreger) unterstützen, zu ebensolchen, berichtete Belkaid. (APA)


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