Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 23.05.2018


Gesundheit

Wenn die Seele Hilfe braucht

Vor 30 Jahren wurde in Tirol der Psychosoziale Pflegedienst ins Leben gerufen. Die Einrichtung betreut Klienten zu Hause.

© PantherMediaSymbolfoto.



Hall – Mitte der 1980er-Jahre setzte in Tirol im Umgang mit Menschen mit psychischen Erkrankungen ein Paradigmenwechsel ein: Weg von der dauerhaften Unterbringung in Großkrankenanstalten hin zur Begleitung in ein möglichst selbstständiges Leben. „Wer sich nämlich langfristig in einem Krankenhaus aufhält, der nimmt die Rolle des psychisch Kranken an“, erklärt Christian Haring, ärztlicher Direktor des LKH Hall, die Problematik der bis dahin jahrzehntelang gelebten Praxis. Gab es Ende der 1970er-Jahre noch über 1000 Betten auf der Haller Psychiatrie, so wurde diese Anzahl bis Mitte der 90er um die Hälfte reduziert. „Seitdem werden Menschen mit psychischen Erkrankungen meist gemeindenah integriert, in Tagesstrukturen betreut und zu Hause aufgesucht“, so Haring.

Dieses Umdenken ist gleichzeitig die Geburtsstunde des Psychosozialen Pflegedienstes (PSP) in Tirol. Als größte sozialpsychiatrische Einrichtung des Landes unterstützt der PSP seit 30 Jahren Menschen mit psychischen Erkrankungen und Beeinträchtigungen wie Depressionen, Manien, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie oder psychosomatischen Erkrankungen. „Der Schwerpunkt der Arbeit ist heute die sozialpsychiatrische Einzelbegleitung, das ist die Betreuung von Klienten in ihrem häuslichen Umfeld“, berichtet PSP-Leiter Karl-Heinz Alber. Hier werden jährlich rund 100.000 Stunden im aufsuchenden Dienst geleistet. Außerdem bietet der PSP Tirol 57 Wohnplätze und 145 tagesstrukturierende Plätze in Beschäftigungs- und Arbeitsinitiativen an.

Das Angebot richtet sich an Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren, die Beratung und Information über Hilfsangebote erfolgt anonym und kostenlos. Anlässlich seines 30-jährigen Bestehens hat der PSP für den Juni ein Jubiläumsprogramm mit einer Ausstellung und einem Freiluftkino in der Burg Hasegg zusammengestellt. Nähere Informationen zum Programm sowie zu den Leistungen des PSP-Tirol gibt es unter www.psptirol.org. (np)


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