Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.05.2018


Gesundheit

Die Herz-Lungen-Maschine: Überleben auf hohem Niveau

Bei akutem Herzinfarkt oder Lungenversagen gibt es oft nur eine Überlebenschance: die Herz-Lungen-Maschine. Die gibt es nun in mobiler Form für Patienten in ganz Tirol.

© Evelin Stark



Von Evelin Stark

Innsbruck – Akuter Herzinfarkt, Herzmuskelentzündung, Lungenversagen: Bei solchen Diagnosen können Ärzte und Krankenhäuser mitunter an ihre Grenzen geraten. Es fehlt vor allem auf dem Land oft an der nötigen technischen Ausrüstung und personellen Ressourcen.

Der Zugang zu einer Herz-Lungen-Maschine, die in so einem Fall möglicherweise Leben retten kann, war bisher nur Patienten der Innsbrucker Klinik vorbehalten. Damit ist jetzt aber Schluss: Ein Team von Experten hat eine mobile Herz-Lungen-Maschine entwickelt, die mit der ÖAMTC-Flugrettung Patienten in ganz Tirol erreichen und ihnen helfen kann, zu überleben.

„Was uns antreibt, ist hauptsächlich der Wunsch, allen Betroffenen die gleiche Überlebenschance zu bieten, egal, ob sie in der Nähe der Innsbrucker Klinik erkranken oder in einem weit entfernten Bezirk sind“, sagt Marc Kaufmann, Oberarzt für Anästhesie und Intensivmedizin der Klinik Innsbruck und Initiator des Projekts. Mit der neuen mobilen Technologie könne man die Patienten vor Ort an die Maschine anschließen, um sie dann nach Innsbruck zu transportieren und weitere Behandlungsmöglichkeiten wie etwa eine Transplantation vorzunehmen.

Im Idealfall sei das Team der Klinik – bestehend aus einem Kardiotechniker, einem Herzchirurgen und einem Anästhesisten – innerhalb von Minuten einsatzbereit, sobald der Notruf kommt: „Wir schnappen unsere Ausrüstung und werden dann am Hubschrauberlandeplatz der Klinik abgeholt“, erzählt Kaufmann.

Die von den Kardiotechnikern der Innsbrucker Klinik erdachte Herz-Lungen-Maschine ist auf das Wesentliche reduziert: „An einer Herz-Lungen-Maschine im OP hängen üblicherweise viele andere Geräte, was sie sehr groß macht. Wir haben sie im Vergleich dazu miniaturisiert und flugtauglich gemacht“, erklärt Anton Jeller, Kardiotechniker an der Innsbrucker Klinik. Ihn bezeichnet Herzchirurgie-Direktor Michael Grimm bei der Präsentation am Landeplatz des Christophorus 1 am Innsbrucker Flughafen als „Pionier“ der mobilen Herz-Lungen-Maschine.

Und wie sieht der Ernstfall aus? „Als Herzchirurgen sind wir im jeweiligen Krankenhaus für den Einbau der Maschine zuständig. Wir implantieren zwei Kanülen in zwei große Blutgefäße, meist in der Leiste“, erklärt Grimm den Vorgang. Die Herz-Lungen-Maschine könne so die Funktion von Lunge oder Herz ersetzen. So würde im besten Fall ein unnatürlicher frühzeitiger Tod verhindert, was ohne die Maschine nicht möglich wäre, so Grimm.

Allerdings werde im Vorfeld in Absprache mit den Medizinern vor Ort abgewägt, ob der Patient Überlebenschancen habe und ein Flug sinnvoll ist: „Es bedeutet schließlich für alle Beteiligten ein gewisses Risiko, mit dem Hubschrauber zu fliegen“, so Grimm.

Außerdem seien mit einem Einsatz sehr hohe Kosten verbunden – bis zu 100.000 Euro, bis ein Patient mit der mobilen Herz-Lungen-Maschine in der Klinik Innsbruck ankomme. Die bisherige Überlebensrate von über 50 Prozent spricht aber wohl für sich.