Letztes Update am Di, 19.06.2018 12:59

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Insektengift: Viel zu wenige Allergiker lassen sich behandeln

Mit einer Immuntherapie wird der Körper gegen Insektengift tolerant gemacht. In Österreich machen nur wenige Betroffene davon Gebrauch.

© pixabay(Symbolbild)



Wien – Mit dem anbrechenden Sommer kommen die österreichischen Insektengiftallergiker in zunehmende Gefahr. 300.000 Betroffene haben das Risiko, nach einem Wespen-, Bienen-oder Hornissenstich eine sehr schwere allergische Reaktion zu entwickeln. Aber nur 20 Prozent von ihnen erhalten eine hoch wirksame Immuntherapie, hieß es am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

„Man kann davon ausgehen, dass 3,3 Prozent der Österreicher nach einem Stich (durch Biene, Wespe oder Hornisse; Anm.) eine sehr, sehr schwere allergische Reaktion haben, 4,6 Prozent eine schwere Reaktion. Das sind insgesamt rund 700.000 Personen“, sagte Wolfram Hötzenecker (Kepler Universitätsklinik/Linz).

20 Hautflügler-Insektenarten in Österreich

Weltweit gibt es rund 150.000 Hautflügler-Insektenarten. Rund 50.000 weisen Wehrstacheln auf. In Österreich existieren etwa 20 Arten. „Von praktische Relevanz für allergische Reaktionen sind nur vier Arten. Die Honigbiene ist für 25 bis 30 Prozent der Allergiefälle verantwortlich, die Wespe für rund 70 Prozent“, sagte Wolfram Hemmer, vom Allergiezentrum Floridsdorf in Wien.

Während die bloße Schwellung an der Stichstelle nur die direkte Wirkung des Insektengifts ist, deutet ein Hautausschlag am ganzen Körper bereits auf eine Insektengiftallergie hin. Starke Schwellungen, Atembeschwerden oder gar Kollaps (anaphylaktischer Schock) sind weitere Abstufungen. Letzteres ist potenziell und im Fall des Falles akut lebensgefährlich.

Detail am Rande: Bienen- oder Wespengift ist für den Menschen etwa genauso gefährlich wie das Toxin der Klapperschlangen. Doch die Menge, die man bei einem Stich abbekommt, ist eben extrem gering. Für eine allergische Reaktion reicht es jedenfalls.

Immuntherapie als beste Behandlungsform

Jedenfalls sollten alle Menschen, die schwerere Symptome nach einem Insektenstich entwickelt haben, zum Arzt gehen. Nach rund vier Wochen kann eine Allergietestung (Hauttest, Bluttest) erfolgen. Menschen mit ausgeprägter Insektengiftallergie sollten ein Notfallset (antiallergische Medikamente in Tablettenform und Adrenalin-Autoinjektionsset) bei sich führen und die Anwendung auch trainiert haben.

Die beste Behandlungsform ist aber die Immuntherapie. „Mit kleinen Insektengiftmengen (injiziert unter die Haut; Anm.) wird damit der Körper tolerant gemacht. (...) Bei Bienengiftallergien ist die Therapie bei bis zu 86 Prozent der Behandelten erfolgreich, bei Wespengiftallergien bei bis zu 96 Prozent“, betonte Gunter Sturm, Leiter des Allergieambulatoriums am Reumanplatz in Wien.

Für die Therapie ist allerdings zunächst einmal die entsprechende Diagnostik erforderlich. Dann folgt derzeit eine wöchentliche Injektion über 15 Wochen hinweg. Über drei bis fünf Jahre hinweg wird alle vier bis sechs Wochen eine Erhaltungsdosis des Insektengifts injiziert. Die Schutzwirkung tritt allerdings schon nach der Aufimpfphase ein. An kürzeren Behandlungsschemen wird gearbeitet. (APA)

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