Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.08.2018


Gesundheit

Gebärmutterhalskrebs: Abstrich ist nicht gleich Abstrich

Seit der PAP-Abstrich in den 1980er-Jahren eingeführt wurde, konnte das Auftreten von Gebärmutterhalskrebs deutlich verringert werden. Jetzt steht er vor der Ablöse: Der HPV-Test erkennt das Risiko noch deutlicher.

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Von Theresa Mair

Innsbruck – Was die Vorsorge gegen Gebärmutterhalskrebs betrifft, ist der PAP-Abstrich jeder Frau ein Begriff. Jeder Frau zumindest, die sich regelmäßig vom Frauenarzt untersuchen lässt. Dass es auch einen HPV-Abstrich gibt, mit dem direkt eine Infektion mit humanen Papilloma-Viren nachgewiesen wird, ist sicherlich noch weniger Patientinnen bekannt. Das wird sich in nächster Zeit wohl ändern.

Denn Studien, wie zuletzt eine kanadische Untersuchung, zeigen, dass der HPV-Test die noch zuverlässigere Methode ist, wenn es darum geht, das Risiko zu bestimmen, an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken. Die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe empfiehlt deshalb in ihren neuen Leitlinien, bei Frauen ab 30 Jahren mindestens alle drei Jahre einen HPV-Test durchzuführen.

Während der PAP-Abstrich jedoch von den Krankenkassen übernommen wird, müssen Patientinnen für den HPV-Vorsorgetest selbst bezahlen. Zum Vergleich: „In Australien gibt es schon gar keinen PAP-Abstrich mehr, nur noch den HPV-Test“, sagt Christian Marth, Direktor der Uniklinik für Gynäkologie und Geburtshilfe in Innsbruck.

Er ist überzeugt, dass die Kostenübernahme durch die Kassen früher oder später kommen wird. Schlechtreden will er den PAP-Test deswegen aber keinesfalls. „Der PAP-Abstrich ist eine Erfolgsgeschichte. Wenn man schaut, erkrankten Anfang der 80er-Jahre in Österreich rund 1000 Frauen pro Jahr an Gebärmutterhalskrebs. 2015 waren es weniger als 400. Das ist eine dramatische Veränderung in nur 30 Jahren. Die Sterblichkeit ist auf ähnliche Weise zurückgegangen. Trotzdem: 2015 sind noch 140 Frauen gestorben, das ist mehr als bei Verkehrsunfällen.“ Es brauche empfindlichere Verfahren. Der HPV-Test ist laut Marth eine solche Methode.

Der PAP-Abstrich von der Gebärmutterhalsoberfläche wird unter dem Mikroskop auf bereits veränderte Zellen hin untersucht. „Man schaut also nach, ob die Infektion bereits Veränderungen ausgelöst hat.“ Bei der großen Anzahl an negativen Tests sei es mehr oder weniger unvermeidbar, dass ein positiver Test einmal durchrutsche. Im Gegensatz dazu sei „der HPV-Test ein extrem genauer Labortest, bei dem nach der DNA von HPV gesucht wird – unabhängig davon, ob das Virus bereits etwas angerichtet hat“.

Eine Umkehrung der Vorgangsweise – zuerst der HPV-Test zur Risikobestimmung, dann der PAP-Test zur Kontrolle – wäre laut Marth die effizientere Methode. „Dann würden diejenigen schon einmal herausgefiltert, die einen positiven HPV-Test haben. Bisher hat man das umgekehrt gemacht, zuerst PAP-, dann HPV-Abstrich.“ Die Wahrscheinlichkeit für Frauen mit negativem HPV-Test, in den folgenden fünf Jahren an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken, ist annähernd null.

97 Prozent aller Gebärmutterhalskrebse werden durch HPV ausgelöst. „Sehr viele Frauen bekommen im Leben v. a. durch sexuelle Kontakte HPV. Doch bei den meisten kann das Immunsystem die Viren wieder loswerden“, sagt der Gynäkologie-Chef. Und nicht alle, die das Virus haben, erkranken an Krebs.

Anhand des HPV-Tests könne man jedoch den Virentyp genau bestimmen. Hochrisiko-Patientinnen seien etwa Trägerinnen des Typs 16 oder 18. „15 bis 20 Prozent entwickeln innerhalb von fünf Jahren eine Krebsvorstufe.“ Sie können infolge des Abstrichs engmaschig untersucht werden, mit weiteren HPV-Tests und mit dem Kolposkop. Letzteres ist ein Mikroskop, mit dem direkt auf den Gebärmutterhals geschaut wird. Hat sich das Virus einmal festgesetzt, bekommt man es schwer wieder weg. Doch Krebsvorstufen können durch einen kleinen operativen Eingriff entfernt und das Risiko damit drastisch gesenkt werden. Mit einer nachträglichen HPV-Impfung schwindet die Rückfallhäufigkeit danach zusätzlich um die Hälfte, sagt der Experte.

Die hohe Sensitivität des HPV-Tests hat allerdings auch einen Haken: Die Untersuchung macht erst bei Frauen ab 30 Jahren Sinn. „Vor 30 ist die sexuelle Aktivität der Frauen erfahrungsgemäß höher und damit die Wahrscheinlichkeit, dass sie eine frische HPV-Infektion haben, die wieder weggehen würde. Würde der Abstrich früher eingesetzt, hätten wir ziemlich viele falsch-positive Ergebnisse“, sagt Marth. Dies würde zu großer Verunsicherung bei den Patientinnen führen.

Da Vorsicht besser als Nachsicht ist und man das Virus selbst nicht behandeln kann, ist es immer noch am besten, wenn Frau die Viren gar nicht bekommt. Die HPV-Impfung von Mädchen und Buben verhindert, dass die Viren weiterverbreitet werden und sich einnisten können. „Es ist mir unverständlich, warum immer noch so viele Menschen ungeimpft sind und nur etwa 50 Prozent die kostenlose HPV-Schulimpfung annehmen“, sagt Marth. Die Impfung wirke auf „sensationelle Weise“ und schütze bereits vor Krebsvorstufen. Den HPV-Test solle man aber auch trotz Impfung machen. Sicher ist sicher.