Letztes Update am Di, 21.08.2018 14:22

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Alpbacher Gesundheitsgespräche

Bundesländer-Analyse: Tiroler leben am längsten gesund

Erstmals wurde Regio-Analyse zu Gesundheitszustand, Kosten, Lebenserwartung und vielen anderen Rahmenbedingungen und Faktoren veröffentlicht. Das Ergebnis zeigt große Unterschiede in den Bundesländern,

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Alpbach – Gesundheitspolitisch beschäftigt sich die Bundesregierung derzeit mit Strukturänderungen bei AUVA und den übrigen Sozialversicherungsträgern. Weiterhin klaffen aber – je nach Bundesland – Gesundheitszustand, Kosten und Ergebnisse der Gesundheitsversorgung weit auseinander. Das hat die erste derartige Studie der Ökonominnen Maria Hofmarcher-Holzhacker und Zuzana Molnarova ergeben.

Die im Auftrag des Philips-Konzerns erstellte Untersuchung, die am Dienstag bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen präsentiert worden ist, hat erstmals auf der Basis von 28 Indikatoren Leistungen, Leistungskraft und Rahmenbedingungen des Gesundheitswesens in jedem einzelnen österreichischen Bundesland analysiert. Immerhin ist „Gesundheit“ gemäß der österreichischen Verfassung und dem ASVG primär „Ländersache“.

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„Die (Gesundheits-)Ausgaben in den Bundesländern sind sehr unterschiedlich. Während Oberösterreich, Tirol, Salzburg und die Steiermark unter dem Durchschnitt von 4002 Euro pro Kopf liegen, sind Wien, Vorarlberg und Niederösterreich deutlich darüber. Diese Ausgaben stehen im Zusammenhang mit dem Gesundheitszustand, denn: Menschen in Tirol und Salzburg können erwarten, dass sie über 70 Jahre in guter Gesundheit leben können, jene in Wien und im Burgenland nur 65 Jahre. Diese Zahlen müssen aber sorgfältig interpretiert werden, denn in Niederösterreich und Oberösterreich ist die Lebenserwartung ähnlich hoch, während die Kosten pro Kopf in Oberösterreich wesentlich niedriger sind“, betonte dazu Maria Hofmarcher-Holzhacker.

Die Expertin nannte ein Beispiel: „Eine Frau in Tirol kann damit rechnen, zehn Jahre länger gesund zu leben als eine Frau im Burgenland.“ Über die Geschlechter hinweg zeigen sich bei der Lebenserwartung in gutem Gesundheitszustand in Österreich Unterschiede von bis zu sieben Jahren.

Hier die Daten im Einzelnen: In Österreich beträgt die „gesunde“ Lebenserwartung im Durchschnitt 66,3 Jahre. Im Burgenland (schlechtester Wert) sind es 63,2 Jahre, in Kärnten liegt der Wert bei 66,5 Jahren, in Niederösterreich bei 65,8 Jahren, in Oberösterreich sind es 66,3 Jahre. Salzburg liegt mit 70,2 Jahren an zweiter Stelle. Den Spitzenwert weisen die Tiroler mit 70,5 Jahren auf. In der Steiermark beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei guter Gesundheit 65,1 Jahre, in Vorarlberg 69,5 Jahre und in Wien 64,8 Jahre.

In Tirol am wenigsten Übergewichtige

Immer bedeutender bei den Rahmenbedingungen für Gesundheit bzw. chronische Erkrankungen werden in faktisch allen westlichen Industrieländern Übergewicht und Adipositas: In Österreich trifft das im Durchschnitt auf 47 Prozent der Menschen zu. Im Burgenland leiden daran 54 Prozent (schlechtester Wert), in Kärnten 47 Prozent, in Niederösterreich 51 Prozent, in Oberösterreich 48 Prozent, in Salzburg 42 Prozent, in der Steiermark 46 Prozent, in Tirol (bester Wert) nur 39 Prozent der Menschen, in Vorarlberg 44 Prozent und in Wien 45 Prozent.

Während die schwarz-blaue Bundesregierung das geplante Gastro-Rauchverbot „gekillt“ hat, zeigt sich laut den Ökonominnen ganz klar: „Wo viel geraucht wird, ist Lungenkrebs am häufigsten. Laut dem Bericht ‚Global Burden of Disease 2016‘ ist Lungenkrebs allein die zweithäufigste Ursache für vorzeitige Mortalität in Österreich (GBD 2016).“

„Wo viel geraucht wird, ist Lungenkrebs am häufigsten“

Maria Hofmarcher-Holzhacker und Zuzana Molnarova stellen dazu in ihrer Bundesländer-Analyse fest: „Im Jahr 2014 war die (Lungenkrebs-)Inzidenz (Neudiagnosen pro Jahr und 100.000 Einwohner; Anm.) am höchsten in Wien (73 Fälle pro 100.000 Einwohner) und Vorarlberg (65 Fälle). Die niedrigste Inzidenz war in OÖ (42 Fälle). (...) Die stabile Inzidenz von Lungenkrebs in Österreich verbirgt unterschiedliche Entwicklungen zwischen den Geschlechtern. Während die Inzidenzrate für Männer sinkt, steigt die Inzidenz von Lungenkrebs bei Frauen, was auch den wachsenden Anteil rauchender Frauen widerspiegelt.“

Wie sehr die Gesundheit sozial bedingt ist – wozu auch Effekte auf das Körpergewicht und den Tabakkonsum gehören – zeigt sich, wenn man die „gesunden Lebensjahre“ beispielsweise den Arbeitslosenraten in den einzelnen Bundesländern im Jahr 2016 gegenüberstellt: In Österreich waren es im Durchschnitt sechs Prozent. In Wien betrug die Arbeitslosenrate hingegen 11,3 Prozent, in Salzburg beispielsweise gar nur 3,4 Prozent (Tirol: 3,5 Prozent). In Tirol und Salzburg haben die Menschen in Österreich ja die längste Lebenserwartung in Gesundheit.

4002 Euro pro Kopf und Jahr für Gesundheit

An den sozialen, wirtschaftlichen und durch das Verhalten der Menschen bedingten Grundfaktoren für den Gesundheitszustand können auch alle Investitionen in das Gesundheitswesen in einem der reichsten Staaten der Erde nur bedingt etwas ändern. In Österreich wurden zum Zeitpunkt der Analyse im Durchschnitt 4002 Euro pro Kopf und Jahr für Gesundheit ausgegeben.

In Wien mit seinem „Großstadtfaktor“, Patientenzuzug aus den umgebenden Bundesländern, größter Universitätsklinik sowie seinen sozialen Rahmenbedingungen waren es 4295 Euro. Dem standen Werte von 3890 Euro im Burgenland, 3911 Euro in Kärnten, 4139 Euro in Niederösterreich, 3714 Euro in Oberösterreich, 3953 Euro in Salzburg sowie 3.885 Euro in der Steiermark, 3812 Euro in Tirol und 4249 Euro pro Kopf in Vorarlberg gegenüber.

„Während das Gesundheitswesen beispielsweise in Oberösterreich kostengünstig ist, ist der Gesundheitszustand der Bevölkerung mittelmäßig“, erklärte Studienautorin Maria Hofmarcher-Holzhacker. Etwa ein Viertel der Ausgaben für Gesundheit werden in Österreich privat geleistet. Hier schwanken die Anteile je nach Bundesland zwischen 21 und 27 Prozent.

Deutliche Unterschiede wurden auch bei einem wichtigen Indikator für die Leistungsfähigkeit des Gesundheitswesens beobachtet: bei den durchschnittlichen Wartezeiten für eine geplante Aufnahme in einem Krankenhaus. Hier schwankten die Werte zwischen 18 (Kärnten) Tagen und 27 Tagen (Wien).