Letztes Update am Mi, 10.10.2018 13:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Fruktoseunverträglichkeit wird laut Experten häufiger

Etwa 30 bis 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung ist zumindest von einer milden Form der Fruktoseunverträglichkeit betroffen. Die Beschwerden treten häufig in Zusammenhang mit Stress und bei Reizdarm-Syndrom auf.

© istockObstsorten wie Äpfel und Birnen sowie Honig und Maissirup enthalten besonders viel Fruktose.



Tulln – Die Häufigkeit der Fruktosemalabsorption ist in den vergangenen Jahrzehnten rapide angestiegen. Eine der Ursachen liegt neben chronischer Überlastung der Menschen in einem verstärkten Zusatz von Isoglukose in Nahrungsmitteln, sagte Harald Vogelsang von der Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni Wien am Dienstag im Rahmen eines Vortrags bei der Firma Sciotec in Tulln.

30 bis 50 Prozent haben zumindest milde Form

Genaue Zahlen liegen laut Vogelsang nicht vor, geschätzt werde aber, dass 30 bis 50 Prozent der österreichischen Bevölkerung von zumindest einer milden Form der Fruktoseunverträglichkeit betroffen sind. Die Beschwerden – Magen-Darm-Probleme – treten häufig in Zusammenhang mit Stress und bei Reizdarm-Syndrom auf, denn chronische Überlastung und Stress bewirken, dass Menschen empfindlicher reagieren und vermehrt Unverträglichkeiten verspüren.

Betroffene können ihre Beschwerden durch den Verzicht auf fruktosehaltige Lebensmittel verringern. Dazu gehören vor allem Obstsorten wie Äpfel und Birnen sowie Honig und Maissirup. Süß- und Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit, Isomaltose, Mannit oder Maltit, können die Symptomatik verschlechtern. Eine hilfreiche Maßnahme bestehe darin, auf ein ausgewogenes Verhältnis von Fruktose und Glukose in der Nahrung zu achten, da Glukose die Aufnahme von Fruktose im Dünndarm unterstützt, betonte Vogelsang.

Zusätze in Nahrungsmitteln am problematischsten

Eine große Problematik sieht Vogelsang daher im unzureichend regulierten Zusatz von Isoglukose in Nahrungsmitteln. Isoglukose (HFCS – high fructose corn syrup) ist ein aus Maisstärke hergestellter Zuckersirup, der zum überwiegenden Teil aus Fruktose besteht. Aufgrund seiner geringen Herstellungskosten sei er lange vorwiegend in den USA verwendet worden. 2017 hat die EU jedoch die bis dahin geltende Höchstgrenze von fünf Prozent an Isoglukose in Lebensmitteln aufgehoben, kritisierte Vogelsang. Die Erkenntnis, dass der Konsum von isoglukosereichen Nahrungsmitteln massiv zur Entwicklung von Übergewicht beitrage, habe in den USA bereits zu einem Umdenken und zur Einführung von Obergrenzen geführt. „Es ist sehr bedauerlich, dass die EU aus rein ökonomischen Gründen dem Druck der Nahrungsmittelindustrie nach Freigabe der Isoglukose-Grenzwerte nachgegeben hat, ohne die daraus resultierenden Gesundheitsrisiken zu berücksichtigen“, sagte Vogelsang. „Das wird uns in den nächsten Jahren beschäftigen. Kalorisch ist das sowieso ein Wahnsinn. Fruktose kann unser Sättigungsgefühl nicht befriedigen.“

Die Kennzeichnung des Fruktosegehalts lasse ebenfalls zu wünschen übrig. Die Kennzeichnung von Fruktose sei gesetzlich nicht genau geregelt, meinte Vogelsang. Es existieren keine einheitlichen Bezeichnungen für verschiedene Fruchtzuckerarten, und auch die Angabe der enthaltenen Mengen sei nicht vorgeschrieben. Das erschwere es Menschen mit Fruktoseintoleranz, insbesondere bei Fertigprodukten wie Softdrinks, Süßigkeiten, und in Gastronomiebetrieben, die für sie verträglichen Speisen und Getränke auszuwählen. „Die Einführung gesetzlicher Bestimmungen wäre hier ein wichtiger Schritt, um Betroffenen den Umgang mit ihrem Leiden zu erleichtern“, sagte Vogelsang. (APA)