Letztes Update am Mi, 24.10.2018 06:38

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Mikroplastik in Stuhlproben nachgewiesen

Erstmals fanden Forscher bei einer Studie kleine Plastikteilchen im Menschen – und das bei allen Probanden.

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Wien – 400 Millionen Tonnen Plastik werden jedes Jahr produziert – mikroskopisch kleine Teile werden in Kosmetikartikeln verarbeitet, man reibt es sich auf die Haut oder nimmt es durch die Zahnpasta auf. Plastikmüll landet auch oft im Meer, das Plastik zersetzt sich, wird von Fischen gegessen und gelangt so in die Nahrungskette des Menschen. Verwundert braucht man also eigentlich nicht sein über das, was Forscher von Umweltbundesamt (UBA) und MedUni Wien entdeckt haben. Erstmals konnten sie Mikroplastik im menschlichen Stuhl nachweisen.

Im Rahmen einer Pilotstudie ist man bei allen acht Probanden fündig geworden. Bei den Teilnehmern handelte es sich um fünf Frauen und drei Männer im Alter von 33 bis 65 Jahren, die in Finnland, den Niederlanden, Großbritannien, Italien, Polen, Russland, Japan und Österreich leben. Sie führten eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend eine Stuhlprobe ab. Alle Probanden konsumierten in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen, die Mehrzahl verzehrte Fisch.

Im Mittel wurden 20 Mikroplastik-Teilchen pro zehn Gramm Stuhl gefunden. „In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen“, berichtete Bettina Liebmann, am UAB für Mikroplastik-Analysen zuständig. Am häufigsten fanden sich PP (Polypropylen) und PET (Polyethylenterephthalat).

Analysiert wurden zehn der meist verbreiteten Kunststoffe. „Die Auswirkungen der Mikroplastikpartikel auf den menschlichen Organismus – insbesondere auf den Verdauungstrakt – können erst im Rahmen einer größer angelegten Studie erforscht werden“, so Philipp Schwabl von der Klinischen Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie der MedUni. Bei früheren Studien wurden in Tieren Mikroplastikkonzentrationen im Magendarmtrakt nachgewiesen, jedoch waren kleinste Plastikteilchen auch im Blut, in der Lymphe und der Leber nachweisbar. „Obwohl es erste Anzeichen gibt, dass Mikroplastik durch die Begünstigung von Entzündungsreaktionen oder Aufnahme schädigender Begleitstoffe den Magendarmtrakt schädigen kann“, seien weitere Studien notwendig, erklärte Schwabl.

Als Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Größe kleiner als fünf Millimeter bezeichnet. (TT, APA)