Letztes Update am So, 02.12.2018 07:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Schnelle Hilfe für Wunden

Das Knie aufgeschürft? Beim Kochen geschnitten? Mit dem Bügeleisen verbrannt? Wundmanager in der Privatklinik Hochrum geben Tipps für die richtige Wundversorgung.

© iStockDas gehört zur Grundausstattung, um Wunden rasch versorgen zu können.



Wundreinigung geht vor: Wundreinigung ist das Um und Auf, wenn man sich verletzt hat. Für den Hausgebrauch ist es im Normalfall ausreichend, die Wunde etwas zu spreizen und mit klarem Leitungswasser zu spülen und von Schmutz zu reinigen. Blut selbst reinigt auch: Die Wundränder leicht zusammendrücken, damit etwas Blut herausrinnt.

Es schadet aber nicht, wenn man Desinfektionsmittel zuhause hat. Jodfreie Pumpsprays brennen nicht und sind besonders für tiefe Wunden gut geeignet. Liegt die letzte Tetanusimpfung mehr als zehn Jahre zurück, sollte man unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Absolut nicht zur Wundreinigung geeignet sind Handdesinfektionsmittel. Diese enthalten rückfettende Inhaltsstoffe, die nichts in einer Verletzung verloren haben. Einen Fremdkörper, wie z. B. einen Holzschiefer, zieht man am besten mit einer Pinzette aus der Haut.

Man kann die Haut zuvor auch etwas mit einer mit Apotheken-Alkohol desinfizierten Nadel anritzen, damit sich der Spieß leichter entfernen lässt. Bei einem tiefliegendem hartnäckigen Schiefer trägt man über Nacht Zugsalbe auf. Die Haut quillt auf und am Morgen wandert der Fremdkörper leichter heraus.

Blasen belassen: Egal, ob Blasen an den Füßen und Fingern oder Brandblasen: Nicht aufstechen! Die darüberliegende Haut schützt die Wunde vor dem Eindringen von Schmutz.

Bei Verbrennungen gilt es, die betroffene Stelle unter laufendem Wasser mindestens zehn Minuten zu kühlen. Bitte kein Eis direkt auf die Haut legen! Das kann zu Erfrierungen führen.

Bei eher ausgeprägter Verbrennung oder Verbrühung empfiehlt es sich, sofort einen Arzt aufsuchen. Streift man nur leicht am Bügeleisen oder an einem heißen Backblech, ist dies meist nicht notwendig. Platzt die Wunde auf, verhindert eine silberhältige Salbe eine Infektion. Die Wunde ist mit einem Pflaster oder einer Gaze-Binde abdecken.

Gut gewickelt: Nach der gründlichen Wundreinigung ist das Verbinden der nächste Schritt. Dabei kommt es auf die Art der Wunde an. Hängt bei einer Schürf- oder Risswunde noch ein Hautfetzen weg, legt man diesen säuberlich auf die offene Stelle, bevor das Pflaster draufkommt. Auf diese Weise verkleinert man die Wundfläche, beschleunigt die Heilung und verhindert eine übermäßige Narbenbildung.

Bei Schnitt- oder Platzwunden an knöchernen Stellen sind so genannte Butterfly-Strips nützlich. Mit diesen schmalen Pflastern kann man die Wunde so zusammenheften, dass sie nicht mehr aufklaffen kann. Gegebenenfalls gibt man darüber noch ein normales Pflaster. Größere Schnitt- oder Platzwunden müssen eventuell vom Arzt genäht werden.

Blutet die Wunde stark, sollte man einen Druckverband anlegen, um die Wunde zu stillen. Dafür gibt man auf die gereinig­te Wunde einen sterilen Gaze-Tupfer, umwickelt alles mit einer elas­tischen Mullbinde und befestigt sie mit einem Pflaster. Darüber kommt noch eine feste Bandage. Diese entfernt man wieder, sobald das Bluten aufgehört hat, damit der Blutfluss nicht weiter abgesperrt wird. Bei Verletzungen an Armen oder Beinen ist es zudem ratsam, den betreffenden Körperteil hochzulagern. Bis alles wieder heil ist – die Wundheilung dauert 21 bis 25 Tage –, wechselt man den Verband natürlich häufiger.

Ein Tipp: Pflaster, sofern sie sich nicht von selbst lösen, bringt man am einfachsten von der Haut, indem man sie nass macht.

Ab zum Doktor: Falls die Schwellung nicht nach kurzer Zeit zurückgeht oder wird die Wundregion rot, gehärtet, heiß oder eitrig sowie bei Schmerzen, Fieber oder Unwohlsein sollte man einen Arzt aufsuchen. Wie bereits erwähnt, gilt dasselbe bei schwereren Verbrennungen und bei Wunden, die eventuell genäht werden müssen und bei Fleischwunden. Da kann man mit Hausmittelchen sowieso nichts mehr ausrichten. Ein Fall für den Arzt sind zudem Bisswunden. Vor allem dolchartige, tiefe Bisse und Stiche sind nicht zu unterschätzen. (Theresa Mair)

Ein gut gefüllter Verbandskasten

- Jodfreies Desinfektionsmittel (brennt nicht),

- eine Pinzette zum Entfernen von Fremdkörpern,

- reiner Alkohol aus der Apotheke oder

- Alkoholtupfer zum Desinfizieren von Pinzette, Nadeln,...,

- Wundauflagen, Pflaster,

- spezielle Butterfly-Strips, um Platz- oder Schnittwunden zu verkleben,

- elastische Mullbinden zum Verbinden der Wunde,

- eine feste Bandage für stark blutende Wunden,

- eine Pflasterrolle zum Abreißen,

- eine Schere