Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 05.12.2018


Gesundheit

Unbekannter Frauenschmerz: Endometriose auch in Tirol oft unerkannt

© iStockphotoBei extremen Regelschmerzen ist das Endometriosezentrum an der Klinik erster Ansprechpartner.



„Man läuft im Kreis, fühlt sich nicht ernst genommen, alleingelassen", mit diesen Worten schildert Priska, eine Endometriose-Erkrankte, ihren jahrelangen Leidensweg. Im Oktober hat sich die von ihr initiierte Selbsthilfegruppe „Endometriose tirol" erstmals getroffen, Priska ist nicht allein — das Leiden betrifft viele, auch Teenager.

Bei einer von zehn Frauen, die unter extremen Regelschmerzen leiden, ist die Ursache Endometriose, wie bei einer Pressekonferenz des vor Kurzem zertifizierten Endometriosezentrums der Tirol Kliniken informiert wurde. Bei der Erkrankung siedeln sich Zellen der Gebärmutterschleimhaut an Stellen an, wo sie nicht hingehören, etwa an den Eierstöcken. Nicht nur sehr starke Regelschmerzen, auch ein unerfüllter Kinderwunsch können die Folge sein.

Das Wissen um die chronische Erkrankung ist jedoch beschränkt. Endometriose bleibt oft unerkannt, wird sie jedoch diagnostiziert, sei sie gut behandelbar, so die Leiterin des Endometriosezentrums Beata Seeber. Forschung und „Interdisziplinärität" würden zu den Stärken der klinisch und wissenschaftlich zertifizierten Einrichtung zählen: Mediziner — Gynäkologen, Chirurgen oder Radiologen — arbeiten dort ebenso wie Psychotherapeuten und Diätologen.

Neben der Erstellung von individuellen Behandlungskonzepten — medikamentöse Therapien oder oftmals operative Eingriffe — gehöre es auch zum Konzept des Zentrums, niedergelassene Kollegen zu schulen. Priskas Schicksal soll anderen Frauen künftig erspart bleiben. (sire)