Letztes Update am So, 09.12.2018 08:00

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Diagnose Brustkrebs: Die neue Brust — so schön wie die alte?

Die Therapie bei Brustkrebs setzt sich aus vielen Bausteinen zusammen. Das Krankenhaus Zams bietet erfolgreich eine innovative Methode der Brustrekonstruktion mit Eigengewebe an.

Diagnose Brustkrebs: Der ästhetische Anspruch beim Wiederaufbau der Brust ist heute selbstverständlich.

© Ilka NogglerDiagnose Brustkrebs: Der ästhetische Anspruch beim Wiederaufbau der Brust ist heute selbstverständlich.



Von Sabine Strobl

Frauen, die an Brustkrebs erkranken, erhalten heute eine auf sie zugeschnittene Therapie. Das gilt auch für die damit einhergehende Operation der Brust. Zwischen 70 und 80 Prozent der Operationen werden brusterhaltend durchgeführt. In manchen Fällen muss aber die Brust oder ein Teil davon „entfernt“ werden. Der Wiederaufbau fällt meist ins Aufgabengebiet der plastischen Chirurgie. Ziel ist auf alle Fälle, die jeweilige Kontur der Brust und damit auch die Lebensqualität zu erhalten.

Ergänzung zum Repertoire

Bei der Rekonstruktion der Brust kommen zahlreiche Verfahren zum Einsatz, Silikon-Implantate oder Eigengewebe in Form von Muskellappen des Oberschenkels oder Gesäßes sind Beispiele dafür.

Das Krankenhaus St. Vinzenz Zams bietet seit geraumer Zeit eine innovative Operationsmethode an, bei der die Brust mit Körperfett aus dem Bauchraum (Omentum majus) aufgefüllt wird, erklärt Peter Sandbichler, ärztlicher Leiter der Chirurgie in Zams. Brustkrebs-Patientinnen können mit dieser Methode ortsnah betreut werden. „Das ist eine gute Ergänzung im Spektrum der Rekonstruktion. Wir haben bereits über 70 Operationen durchgeführt und sehr gute Ergebnisse erzielt. Frauen, die für unser Verfahren nicht in Frage kommen, müssen wir aber weiterhin auf die Plastische Chirurgie nach Innsbruck überweisen“, erläutert der Chirurg. Die Frauen waren bei der Operation zwischen 26 und 72 Jahre alt. Auch Schwaz bietet das Verfahren an, international gesehen kommt diese Operationsvariante vor allem im asiatischen Raum zur Anwendung.

Unsichtbare Narbe

Für welche Brustkrebs-Patientinnen ist die Operation interessant und wo liegen die Vorteile? Wie erwähnt, kommen dafür Patientinnen in Frage, bei denen ein größerer Teil des Brustdrüsenkörpers oder der gesamte Brustdrüsenkörper entfernt werden muss. Sandbichler: „Dadurch entsteht ein Defekt, den wir mit Eigenfett aus dem Bauch, das laparoskopisch minimal invasiv präpariert wird, auffüllen. Dieser Eingriff ist insgesamt wenig belastend und nicht aufwändiger als eine Gallenoperation.“

Umgekehrt ist der Entnahmedefekt im Bauchraum gering. Das Chirurgenteam führt die Brustentfernung und Auffüllung in einer simultanen Operation durch. Das heißt, parallel zur Gewebeentnahme im Bauchraum wird der Tumor nach allen Kriterien der Tumorchirurgie entfernt.

Da die Brust zum Großteil aus Fettgewebe besteht, ist das verwendete Fettimplantat ideal. „In vielen Fällen sieht man nicht mehr, welche Brust operiert wurde. Das ist das Faszinierende an der Methode“, sagt Sandbichler. Auf eine Einschränkung weist er allerdings hin: Das Transplantat, das große Bauchnetz, ist nicht unbegrenzt vorhanden, es reicht nur für die Auffüllung einer Brust.

In drei bis vier Monaten sind die Folgen der Operation bereits überwunden. Die operierten Frauen werden nicht jeden Tag an ihre Krebserkrankung erinnert, da auch die Narben im unteren Bereich der Brust praktisch unsichtbar bleiben.

Fakten: Brustkrebs

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. In Österreich erkranken daran jährlich ca. 5500 Frauen und 75 Männer.

Die Behandlung von Brustkrebs, von der Strahlen- bis zur Antikörpertherapie, ist heute maßgeschneidert. Die Operation ist ein Teil davon.

In den industrialisierten Ländern verlaufen heute 70 bis 80 Prozent der Tumoroperationen brusterhaltend. Der Trend bei der Brustrekonstruktion: Brustentfernung und -auffüllung werden in einer Operation vorgenommen.

Die Mammographie dient der Früherkennung. 35 Prozent der Frauen nehmen das hierzulande angebotene Screeningprogramm in Anspruch.