Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 23.12.2018


Gesundheit

Schulmedizin und Homöopathie: „Potenzial von beiden nutzen“

Jedes homöopathische Arzneimittel ist – wie es das Gesetz verlangt – geprüft und registriert. Gerade bei chronischen Erkrankungen zeigt sich oft die Wirksamkeit.

Der Tiroler Tierarzt Peter Theurl hat zur klassischen schulmedizinischen Ausbildung auch eine zweieinhalbjährige Homöopathieausbildung. Er ist Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH) wie 114 Kollegen.

© Land Tirol/Entstrasser-MüllerDer Tiroler Tierarzt Peter Theurl hat zur klassischen schulmedizinischen Ausbildung auch eine zweieinhalbjährige Homöopathieausbildung. Er ist Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH) wie 114 Kollegen.



Von Brigitte Warenski

Innsbruck, Wien – Peter Theurls Tierarztpraxis in Natters ist täglich bestens besucht. Viele Tierbesitzer schätzen am erfahrenen Veterinärmediziner vor allem, dass er sowohl mit klassischer Schulmedizin als auch mit Homöopathie arbeitet. Nach 25 Jahren Berufserfahrung, weiß Theurl, „dass man das Potenzial von beiden nutzen und auf der Klaviatur von beiden Methoden spielen sollte“.

Die jüngsten Diskussionen, dass Homöopathie wirkungslos sei, und der Ruf nach einem Verkaufsverbot von homöopathischen Arzneimitteln in Apotheken ärgern den Tiermediziner. „Natürlich arbeite ich bei lebensbedrohlichen Verletzungen mit der Schulmedizin. Aber in gewissen Bereichen hat diese ihre Grenzen oder schwere Nebenwirkungen“, weiß Theurl.

Gerade bei chronischen Erkrankungen, wo Tiere bereits ohne Erfolg schulmedizinisch austherapiert sind, kann Theurl mit komplementärmedizinischen Angeboten gute Erfolge erzielen. „Z. B. chronisch verhaltensauffällige Katzen, die in der Wohnung markieren oder ihre Notdurft verrichten. Oft zeigt sich, dass da ein psychosomatisches Problem vorliegt, weil sich irgendetwas in der Familienstruktur verändert hat. Oft ist nach dem zweiten Tag homöopathischer Behandlung das Problem gelöst“, sagt Theurl. Voraussetzung für den Einsatz der Komplementärmedizin sei aber, „dass man vorher ein ausführliches Anamnesegespräch führt, um das passende homöopathische Mittel zu finden.“ Für den Tiermediziner ist vor allem wichtig, ein „ausgewogenes Maß zwischen Schul- und Komplementärmedizin zu finden, denn von Extremen in der einen wie der anderen Richtung halte ich nichts. Und ich halte auch nichts davon, dass man beide Methoden gegeneinander ausspielt.“ Für Petra Weiermayer, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH), ist ein Verkaufsverbot von homöopathischen Arzneimitteln nicht denkbar. „Das wäre eine massive Einschränkung der freien Therapiewahl“, so Weiermayer. Immer wieder gestreute Ängste, wonach homöopathische Arzneimittel sogar gefährlich sein könnten, zu entkräften, ist ihr ein großes Anliegen zu. „Die homöopathischen Arzneimittel – hier spreche ich von u. a. Globuli oder Tropfen, mit denen wir täglich arbeiten – unterliegen wie alle anderen Medikamente dem Arzneimittelgesetz und sind gesundheitsbehördlich registriert oder zugelassen.“

Auch Weiermayer betont, wie wichtig es ist, „als Tierarzt die zusätzliche Möglichkeit der Homöopathie zu haben“. Ein aktueller Patient der Veterinärmedizinerin zeigt, was es bringt, Homöopathie ergänzend anzuwenden. „Ein Pferd hatte seit Jahren schwere epileptische Anfälle, die in den letzten Monaten täglich auftraten. Die Schulmedizin ist an ihre Grenzen gestoßen. Nach der Gabe einer homöopathischen Hochpotenz zeigten sich in den letzten Wochen lediglich zwei leichte Anfälle ohne Verletzungen. Der weitere Verlauf muss natürlich beobachtet werden“, so Weiermayer.

Auch bei der Antibiotikaresistenzproblematik gebe es sehr gute Erfolge, wie eine wissenschaftlichen Studie bei Schweinen gezeigt habe. „Einige Muttersäue wurden mit Placebos und andere homöopathisch behandelt. In der Gruppe der komplementärmedizinisch behandelten Säue erkrankten signifikant weniger Ferkel an E.coli-bedingtem Durchfall, und wenn der Durchfall auftrat, war er von kürzerer Dauer und geringerem Schweregrad.“

Homöopathische Ausbildung der Tierärzte

Gesellschaft: In Österreich wurde 1971 die Arbeitsgemeinschaft für Homöopathie und Akupunktur (AHA) gegründet, aus welcher 1994 die Österreichische Gesellschaft für Veterinärmedizinische Homöopathie (ÖGVH) hervorging.

Ausbildung: Die Ausbildung zum Diplom der Europäischen Akademie für Veterinärhomöopathie umfasst Theorie und Praxis und dauert 2,5 Jahre. Sie schließt mit einer Diplomarbeit und einer Prüfung ab. Für den homöopathischen Fachtierarzt braucht es zusätzliche Praxisjahre, eine weitere Diplomarbeit und Prüfung.

Homöopathische Arzneimittel: Sie können als Injektion gespritzt, als Flüssigkeit oder Globuli verabreicht werden.