Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 11.03.2019


TT-Ombudsmann

Zahn- und Kosmetikbehandlungen im Ausland: Komplizierte Nachwehen

Wer in Nachbarländern wie Ungarn eine kosmetische oder medizinische Behandlung in Anspruch nimmt, kann Geld sparen. Bei Nachwehen wird es aber kompliziert.

Ein beliebtes Angebot ist Microblading. Dabei werden die Augenbrauen mit Farbpigmenten verdichtet und in Form gebracht.

© iStockphotoEin beliebtes Angebot ist Microblading. Dabei werden die Augenbrauen mit Farbpigmenten verdichtet und in Form gebracht.



Von Andrea Wieser

Innsbruck — Die günstigen Angebote sind verlockend. Wer einen Blick über die Grenze im Osten wirft und sich etwa im ungarischen Sopron umschaut, sieht schnell, hier wird Geld mit Gesundheit und Schönheit verdient. Das medizinische Spektrum reicht von zahnärztlichen Behandlungen bis zu gynäkologischen Untersuchungen. Und das Angebot wird angenommen. Jährlich werden rund 47 Milliarden Euro für Medizintourismus in der EU ausgegeben.

Ungarn ist einer der großen Märkte, geworben wird mit dem Slogan: „Urlaub vom Schmerz." Zum schon bekannten Angebot der Ärzte wurde in den letzten Jahren das Beauty-Segment stark ausgebaut. Das reicht von der klassischen Nagel- und Hautpflege bis zum Microblading. Dabei werden Lidstrich, Augenbraue und Lippenkontur nachtätowiert. Die Kosten variieren stark, aber liegen weit unter den österreichischen. Und die Zufriedenheit der Kunden ist durchwegs groß, meint der Verein für Konsumenteninformation.

Aber was, wenn das Ergebnis mangelhaft ist? „Grundsätzlich gilt in Ungarn dieselbe Rechtslage wie in Österreich", sagt dazu Andreas Herrmann, der als Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum tätig ist. „Das heißt, dass es für den Kunden einen Gewährleistungsanspruch gibt." Man hat also durchaus das Anrecht, etwas nachbessern zu lassen, wenn zum Beispiel die Augenbrauen nicht so lange halten wollen wie vereinbart. Als zweiter Schritt könne auch auf die Rückerstattung der Kosten gepocht werden.

In jedem Fall rät der Verbraucherschützer dazu, die Kommunikation schriftlich zu machen. „Dokumentieren Sie alles", sagt der Jurist. Damit ist einerseits die Korrespondenz gemeint. Andererseits sei es auch wichtig, Fotos zu machen. Sinnvoll ist in jedem Fall ein selbstbewusstes Auftreten. „Es empfiehlt sich, Fristen zu setzen", meint der Jurist, also auf Formulierungen wie „Ich bitte um Antwort innerhalb von einer Woche" zu setzen.

Der Konsumentenschutz hilft

Bei juristischen Fragen können sich Kunden bzw. Patienten an das Europäische Vebraucherzentrum wenden. Infos unter der Webadresse www.europakonsument.at. Online kann ein Beschwerdeformular ausgefüllt werden. Alternativ wird unter der Hotline 01 5887781 telefonische Beratung angeboten. Das Telefon ist von Montag bis Freitag in der Zeit von 9 bis 12.30 Uhr besetzt.

Wenn Beschwerden auf diesem Weg nicht von Erfolg gekrönt sind, kann das Europäische Verbraucherzentrum kontaktiert werden. Dort ist man oft überrascht, wie schlecht Kunden in der Regel informiert sind, meint Herrmann. Deswegen ist Information die erste Aufgabe der Konsumentenschützer. Das Ziel: Im besten Fall eine außergerichtliche Einigung.

Wenn es um medizinische Fragen geht, wird die Sache heikler. Naturgemäß verhalten reagiert man auf TT-Anfrage bei der Landeszahnärztekammer Tirol. „Wir sehen zahnärztliche Versorgungen, die aus Kostenerwägungen im Ausland durchgeführt werden, kritisch", heißt es aus dem Büro von Präsident Paul Hougnon. Aus seiner Sicht habe sich das Sprichwort „Wer billig kauft, kauft teuer" leider schon öfter bewahrheitet.

Und dazu komme noch ein weiteres Problem. Umfangreiche Zahnsanierungen benötigen unter Umständen zeit- und kostenintensive Vorbehandlungen, die angesichts der langen Anfahrtswege der Patienten logischerweise häufig nicht durchgeführt werden. „Kommt es zu Komplikationen, ist in jedem Fall der Vertragspartner im Ausland zuständig", meint Hougnon. Die hauseigenen Patientenschlichtungsstellen seien nur für in Österreich tätige Zahnärzte zuständig. Für ungarische Kollegen könne man nicht sprechen. Auch in diesem Fall empfiehlt sich also der Weg zum Europäischen Verbraucherschutz.

Der TT-Ombudsmann: Behandlung im Urlaub

Von Hansjörg Jäger

Die heutige Medizin genießt einen derart hohen Stellenwert, dass der Besuch etwa beim Zahnarzt viel von seinem Schrecken verloren hat. Hervorragende Aus- und Weiterbildung und modernste Geräte sichern eine Behandlung, vor der sich niemand mehr fürchten muss. Aber diese Leistungen sind mit Kosten verbunden, die beträchtlich sein können.

Es besteht jedoch noch immer eine Hemmschwelle, Ärzte nach ihren Kosten zu fragen. Dabei ist das kein Tabu und der Arzt erstellt gerne einen Kostenvoranschlag nach den individuellen Erfordernissen. Eine Orientierung an einem Angebot aus dem Internet hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen, eine zweite Meinung einzuholen ist aber jedem unbenommen. Es liegt dann an der Entscheidung jedes Einzelnen, wem er sein Vertrauen schenkt. Gerade dieses Vertrauen ist die Grundlage für eine Beziehung zwischen Arzt und Patienten, die Patientenzufriedenheit wird niemals vom Honorar allein bestimmt.

Es mag auch verlockend sein, das Angenehme eines Kurzurlaubs mit dem Nützlichen einer Schönheitsbehandlung oder eines medizinischen Eingriffs zu verbinden. Man sollte sich aber im Klaren sein, wen man an seinen Körper heranlässt und an wen man sich wenden kann, wenn die Sache nicht ganz nach Wunsch verlaufen sein sollte.