Letztes Update am Fr, 22.03.2019 09:11

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Faulecken: Flecken, die man nicht einreißen lassen sollte

Eingerissene Mundwinkel sind zwar nicht sexy, medizinisch aber meist eine Bagatelle. Wichtig bei den Flecken an den Mundecken sind jedoch gute Lippenpflege und rasches Eingreifen. Denn je länger die Mundwinkel wund sind, desto schwerer heilen sie ab. Zwei Experten von der Uniklinik Innsbruck erklären, was dahinterstecken kann und was hilft.

Ständiges Lecken über die Lippen ist Gift für die Mundwinkel. Sie heilen dann noch schlechter.

© iStockphotoStändiges Lecken über die Lippen ist Gift für die Mundwinkel. Sie heilen dann noch schlechter.



Von Theresa Mair

Eingerissene Mundwinkel sind lästig, die Behandlung mitunter langwierig. Deshalb betont Dermatologe Reinhard Höpfl, wie wichtig die Vorbeugung ist, wenn man zu wunden Mundwinkeln, so genannten Faulecken, neigt. Vorbeugen, das bedeutet: die empfindlichen Mundwinkel mit Vaseline schützen. Sind die typischerweise beidseitigen unschönen Flecken, oder auch schon Risse (Rhagaden), bereits da, helfe nur noch eins: Vor dem Schlafengehen konsequent eine zinkhaltige Paste auf die Mundwinkel auftragen, untertags reicht Vaseline, würden die zahncremefarbigen Tupfen die Ästhetik doch zu sehr stören. Außerdem tendieren viele Menschen gerade nachts dazu, zu speicheln – und dies sei oft die Wurzel des Übels, vor allem bei älteren, immungeschwächten Menschen und Prothesenträgern.

Dermatologe Reinhard Höpfl.
Dermatologe Reinhard Höpfl.
- Tirol Kliniken/Schlesinger

Schutzbarriere der Haut gestört

„Immer dort, wo Hautfalten sind, also Haut auf Haut reibt, und Nässe dazukommt, wird die Schutzbarriere der Haut gestört, sie wird aufgeweicht und überempfindlich wie ein Lederschuh im Schneematsch, der nicht regelmäßig mit Schuhcreme gepflegt wird“, erklärt Höpfl. Wer dies nicht rechtzeitig und richtig abfängt, finde sich bald in einem Teufelkreis wieder, die Risse verheilen immer schlechter, sie entzünden sich. Keime wie der Candidapilz lieben das feuchte Milieu, siedeln sich an und geben sich durch einen abwischbaren weißen Belag zu erkennen. Wasserhaltige Cremes aufzutragen ist daher kontraproduktiv. „Feuchtigkeit kann man nicht mit Nässe bekämpfen.“

Auch Salben mit Kortisonanteil machen die Haut nur noch dünner. „Man muss die Stellen trockenlegen und schützen“, so Höpfl. Dafür sei eine ölige Zinkpaste genau richtig. Wer wiederholt betroffen ist, sollte die Zahnstellung bzw. -prothese überprüfen und auch den Vitamin- bzw. Eisenstatus und Blutzucker kontrollieren lassen.

Oft steckt Mangel hinter dem Problem

Wenn Günter Weiss an der Uniklinik für Innere Medizin Patienten mit Mundwinkel-Rhagaden zu sehen bekommt, ist meist ein Eisenmangel oder eine Eisenmangelanämie die Ursache dafür. „Häufig steckt irgendetwas Harmloses hinter eingerissenen Mundwinkeln, wie besonders trockene Haut, die eine Rolle spielen kann“, sagt Weiss. Manche Betroffenen würde sich auch oft mit der Zunge über die Lippen lecken, was für das Abheilen nicht gerade förderlich ist.

Ist jedoch Eisenmangel der Grund für eingerissene Mundwinkel, kommen noch Symp­tome wie ein Leistungstief, Müdigkeit, weiße Punkte auf den Fingernägeln und ein Brennen auf der Zunge dazu. Dann werde wiederum auf die Suche nach der Ursache des Mangels gegangen, damit dieser nachhaltig behoben werden kann. Die Monatsblutung, Blutungen im Magen-Darm-Trakt bzw. im Urogenitalbereich, Zöliakie oder eine chronisch-entzündliche Krankheit kommen unter anderem dafür in Frage. Zirkuliert wieder genug Eisen im Blut, heilen auch die Mundwinkel.

„Entzündungen an den Mundwinkeln können auch Ausdruck von Diabetes sein“, sagt Weiss. Die Betroffenen haben dann meist zusätzlich einen Pilzbelag auf der Zunge. Allerdings seien wunde Mundwinkel auch nicht das wichtigste Alarmsignal für die Zuckerkrankheit, die sich auch mit Nachtschweiß und Heißhungerattacken bemerkbar mache.

Ein Vitaminmangel, der die Mundwinkel einreißen lässt, käme höchst selten vor, vorausgesetzt, man ernährt sich ausgewogen. „Das ist eine absolute Rarität“, sagt Weiss. Wenn Mundwinkel über lange Zeit nicht abheilen und eine lokale Infektion wie Fieberbläschen ausgeschlossen ist, sollte man abklären, ob ein Hautproblem vorliegt, und dann eventuell eine Blutuntersuchung vornehmen.

Günter Weiss von der Uniklinik für Innere Medizin.
Günter Weiss von der Uniklinik für Innere Medizin.
- MUI/D.Heidegger