Letztes Update am Di, 02.04.2019 12:35

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Zucker raus: Ärzte, Handel und Hersteller tun sich zusammen

Unter anderem die Ärztekammer, Spar, Rauch Fruchtsäfte und Berglandmilch beteiligen sich an der Zucker-raus-Initiative. Einerseits sollen Handel und Hersteller den Zuckergehalt ihrer Produkte reduzieren, andererseits sind Informationsangebote geplant. Das Ziel: Auf erhöhten Konsum aufmerksam machen und den Körper an weniger Süße gewöhnen.

In den Räumlichkeiten der Österreichischen Ärztekammer wurde am Dienstag die geplante "Allianz gegen zu viel Zucker" vorgestellt.

© Spar/Johannes BrunnbauerIn den Räumlichkeiten der Österreichischen Ärztekammer wurde am Dienstag die geplante "Allianz gegen zu viel Zucker" vorgestellt.



Innsbruck – Acht von zehn Österreichern nehmen mehr Zucker zu sich als von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegeben. In der Folge drohen Übergewicht, Diabetes oder Herz-Kreislauferkrankungen. Grund genug für Spar, Ärzte und Lebensmittelproduzenten wie Berglandmilch, die Zucker-raus-Initivative ins Leben zu rufen. Erklärtes Ziel der Zusammenarbeit ist es, auf den erhörten Zuckerkonsum aufmerksam zu machen, Produkte zuckerärmer zu machen und damit den Körper an weniger Süße zu gewöhnen. Denn: „Zuckerreduktion passiert nicht von selbst“, bentont Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel.

33,4 Kilogramm Zucker pro Jahr

„In den letzten fünf Minuten der Menschheitsgeschichte haben wir verlernt, uns bewusst, gesund und richtig zu ernähren“, meint Markus Metka, Gynäkologe und Präsident der österreichischen Anti-Aging-Gesellschaft. Satte 33,4 Kilogramm Zucker – sei es in Rohform, in verarbeiteten Lebensmitteln oder Getränken – nehmen Österreicher jährlich zu sich. Die WHO empfiehlt, weniger als zehn Prozent der täglichen Kalorien als Zucker aufzunehmen, noch besser wären nur fünf Prozent. Das sind 18,3 Kilogramm beziehungsweise 9,1 Kilogramm Zucker pro Person pro Jahr.

Grund dafür ist häufig versteckter Zucker, der in verarbeiteten Lebensmitteln lauert und unbewusst konsumiert wird. Hier kommt die Industrie ins Spiel. „Egal ob jung oder alt, jeder Mensch soll eine ehrliche Chance haben, sich an weniger Süße gewöhnen zu können. Im Speziellen aber unsere Kinder, denn gerade im Kindesalter manifestieren sich Ernährungsmuster“, erklärt Friedrich Hoppichler, Vorstand des vorsorgemedizinsichen Instituts SIPCAN.

Mit an Bord sind:

- Spar

- die Österreichische Ärztekammer

- die Österreichische Adipositasgesellschaft

- das vorsorgemedizinische Institut SIPCAN

- die Österreichische Anti-Aging-Gesellschaft

- Rauch Fruchtsäfte

- Berglandmilch

Handel und Hersteller wollen zusammenarbeiten

Um diese Chance zu gewährleisten, wollen Handel und Hersteller nun zusammenarbeiten. Laut eigener Aussage hat Spar bereits Anfang 2017 begonnen, Zucker nach und nach aus den Produkten der Eigenmarken zu entfernen. Damit sich die Geschmacksnerven an weniger Süßes gewöhnen, sollen auch keine Zuckerersatzstoffe zum Einsatz kommen. In die gleiche Richtung wollen sich künftig die Lebensmittelhersteller Rauch und Berglandmilch bewegen. Als positives Beispiel nennt Rauch-Geschäftsführer Wolfgang Schwald die Juice Bar Tees, die ganz ohne Zuckerzusatz auskommen.

Neben den genannten Plänen zur Zuckerreduktion soll die Zucker-raus-Initiative auch aufklären. Dabei wird beispielsweise an Schulen angesetzt, wo einerseits Bildungsangebote und andererseits ein genauer Blick auf Schulbüffets geplant sind. (kla)