Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 11.04.2019


Osttirol

Jeder Vierte ist einmal im Leben von psychischer Erkrankung betroffen

Pro mente tirol unterstützt, wenn das Leben durch eine psychische Erkrankung aus den Fugen gerät. Das Lienzer Zentrum ist übersiedelt.

Tamara Egger und Irmgard Fasching haben stellvertretend für die Klienten des Lienzer Zentrums für psychische Gesundheit von ihren Schwierigkeiten im Alltag berichtet (v.?l.)

© Christoph BlassnigTamara Egger und Irmgard Fasching haben stellvertretend für die Klienten des Lienzer Zentrums für psychische Gesundheit von ihren Schwierigkeiten im Alltag berichtet (v.?l.)



Von Christoph Blassnig

Lienz – Das Zentrum für psychische Gesundheit war lang­e Zeit in der Schweizergasse untergebracht. Die Osttiroler Niederlassung der gemeinnützigen Gesellschaft „pro mente tirol“ ist umgezogen, und zwar in neue Räumlichkeiten in der Beda-Weber-­Gasse 6a. Zur offiziellen Eröffnung waren auch Präsident Hartmann Hinterhuber, Präsident von pro mente tiro­l, sowie deren Geschäftsführer Markus Walpoth und Rainhold Scharf nach Lienz gekommen.

Wolfgang Jaritz leitet die bekannte Einrichtung vor Ort, die Betroffenen eine mobile Begleitung (Psycho­sozialer Dienst), ein Case-Management, eine Initiative für Tagesstruktur und Beschäftigung sowie eine therapeutische Wohngemeinschaft zur Verfügung stellt. Elf Mitarbeiter teilen sich die Arbeit.

„Jeder Vierte ist einmal im Leben selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen“, erklärt die Gesellschaft auf ihrer Homepage. Präsident Hinterhuber mahnte in seinen Worten Solidarität ein: „Wir sind vor Ort und stellen uns gegen Stigmatisierung und Ausgrenzung. Es ist höchste Zeit, offen zu sprechen. Wir alle kennen Ängstlichkeit und Hoffnungslosigkeit, die die Betroffenen in den Rückzug treiben.“ Umso mehr gelte es, die seelische Gesundheit als Teil unserer Gesellschaft anzunehmen.

Martin Schmidt, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses und Leiter der psychiatrischen Abteilung, sieht großen Bedarf an einer dauerbetreuten Wohngemeinschaft. „Das macht den Schritt aus der Klinik schneller möglich.“ Schmidt wünscht sich zur Ent-Tabuisierung eine Ent-Institutionalisierung hin zu einer integrierten Versorgung mit niedergelassenen Medizinern. „Die Arbeit muss sich nach den Menschen richten, nicht die Menschen nach der Einrichtung.“ Bürgermeisterin Elisabeth Blanik unterstützte Schmidts Vorschlag für eine 24-Stunden-Wohngemeinschaft. Landesrätin Gabriele Fischer erklärte, nach einem Jahr in ihrer Funktion stimme sie die gesellschaft­liche Entsolidarisierung nachdenklich und traurig. „Wenn ich nicht mehr leisten kann, bekomme ich noch Hilfe?“

Betroffene wie Angehörige finden Beratung unter 04852/62679 oder lienz@promente-tirol.at.