Letztes Update am Sa, 13.04.2019 20:31

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Schönheitschirurg Worseg: „Sich schön zu denken ist schwer“

Artur Worseg ist der wohl bekannteste Schönheitschirurg im ganzen Land. Nun legt er ein Buch vor, in dem er gegen den Schönheitswahn antritt. Ein Gespräch über Unzufriedenheit und heilsame Ablenkung.

Der gebürtige Villacher Artur Worseg (59) ist Gründer der PW-Privatklinik Währing in Wien. Dem Publikum ist er aus der ATV-Serie "Alles für die Schönheit" bekannt. Zuletzt ist sein Buch "Deine Nase kann nichts dafür" (edition a) erschienen.

© Artur WorsegDer gebürtige Villacher Artur Worseg (59) ist Gründer der PW-Privatklinik Währing in Wien. Dem Publikum ist er aus der ATV-Serie "Alles für die Schönheit" bekannt. Zuletzt ist sein Buch "Deine Nase kann nichts dafür" (edition a) erschienen.



Wann sind Sie draufgekommen, dass Schönheits-OPs nicht die Lösung aller Probleme mit dem Äußeren sind? Waren Sie früher auch schon so gewissenhaft?

Intuitiv schon. Also, ich hab’ schon sehr oft ein komisches Gefühl gehabt und die Psyche der Patienten beschäftigt uns als Schönheitschirurgen, schon seit es die Chirurgie gibt. Aber eher in Hinblick darauf, dass man aufgepasst hat, dass uns nicht völlig Verrückte unterkommen, die uns dann später Probleme machen. Wir haben uns dann gar nicht weiter mit ihnen beschäftigt und geschaut, dass die schnell wieder draußen sind. Es gab keinen konkreten Moment, aber ich rede jetzt sicher ein bisschen mehr mit den Leuten als früher. Nicht nur über den Busen, sondern auch über den Grund, warum sie sich operieren lassen wollen. Ich habe auch das Gefühl, dass diese Fixierung auf das Äußere und der Glaube, dass wenn man das Äußere ändert, alles wieder gut wird, extrem zunehmen.

Auf ATV führen Sie die Rundum­erneuerung von Menschen durch. Im Buch schreiben Sie, dass das von den Medien verbreitete Schönheitsdiktat ein Grund für unsere Unzufriedenheit mit dem Körper ist. Passt das zusammen?

Die Gründe für die Unzufriedenheit mit dem Körper sind andere Sachen, das sind psychische Themen, irgendwelche Krisen, in denen man sehr häufig ist, z. B. nach einer Trennung. Durch die Sendungen beschäftigt man sich sicherlich mehr mit der Thematik. Da geht es aber mehr um die­se Fixierung auf das Äußere, sicher nicht um den eigenen Körper. Das sind ja nicht alles Leute mit einem superschönen Körper, die da gezeigt werden. Was ich gemeint habe, sind idealisierte Darstellungen und Selfies, die meis­tens nachbearbeitet sind. Das macht unzufrieden. Wenn man jemandem im Fernsehen operiert, wird das nicht Unzufriedenheit auslösen. Eher das Gegenteil, dass man sich sagt: Eigentlich schau’ ich besser aus als die.

Artur Worseg ist Society-Doktor, Vater und Autor.
Artur Worseg ist Society-Doktor, Vater und Autor.
- Artur Worseg

Unterscheiden sich die Wünsche Ihrer Promi-Patienten von jenen der „normalen“ Leute?

Ja, die Promi-Patienten wollen nie was zahlen. Die sind ja ach so prominent, dass ich ja stolz sein muss, dass ich sie angreifen darf. Halb Spaß, halb Ernst – es ist auch wirklich so. Das ist halt so, sie sind die Aushängeschilder. Es sind ja auch viele Möchtegern-Promis dabei. Sonst unterscheiden sie sich nicht. Menschen sind Menschen. Jeder hat seine eigenen Ängste und Vorstellungen.

Sie empfehlen bei Unzufriedenheit mit dem Äußeren die Beschäftigung mit der Natur, Sport und soziales Engagement. Wie kommt das bei Ihren Patienten an?

Ich habe zu den meisten Patienten mit der Zeit ein persönliches Verhältnis, da kann man schon offen reden. „Mach halt a bissl etwas, um dich von dir abzulenken“, sage ich immer. Der eine hat Sport, der andere das Lesen, Musik oder soziale Sachen. Wann immer man sich von seinem Äußeren ablenkt und nicht glaubt, dass das der Mittelpunkt der Welt ist, wird man sich leichter tun. Sich schön zu denken ist schwer, aber ablenken von sich, das geht schon, das kann man machen.

Wem würden Sie zu einer Schönheits-OP raten?

Dem, der sich das gut überlegt hat und der genau weiß, warum er das macht. Es gibt ja viele Studien, dass diese Operationen, wenn Sie bei dem Richtigen oder richtig gemacht werden, das Selbstwertgefühl und die Lebensfreude verbessern. Das trifft halt die, die etwas Körperliches, aber nicht das Leben mit dieser Operation ändern wollen. Menschen, die realistisch an die Sache herangehen, sind auch sehr zufrieden.

Sie haben eine junge Frau und kleine Kinder. Halten die Sie jung oder hadern Sie mit dem Alter?

Es hält mich eher jung. Man rechnet halt: Wie alt bin ich, wenn die Kinder 20 sind? Rein rechnerisch hadere ich vielleicht manchmal damit. Rein äußerlich hält Familie eher jung. Eine stabile Beziehung ist immer ein Jungbrunnen, glaube ich.

Haben Sie schon einen nahestehenden Menschen operiert?

Ja schon, immer wieder. Jetzt überhaupt, wo meine Freunde älter werden, kommen zunehmend Leute, die mir seit 30 Jahren sagen: „Zu dir komm’ ich nie.“ Schön langsam wackeln s’ herein. Aber natürlich, bei Leuten, die man kennt, sieht man das Äußere nicht. Da siehst einfach das Gesamtkunstwerk Freund oder Verwandter. Da sind die spontanen Reaktionen natürlich immer: „Geh, lass’ des! Bist verrückt?“ So wie jeder innerhalb der Familie oder zu einem Freund sagen würde, wenn er sich outet.

Könnten Sie sich heute noch etwas anderes vorstellen als Schönheitschirurg zu sein?

Ich kokettiere mein Leben lang damit, zurück in die Gastro zu gehen und ein kleines Lokal zu haben. Einfach mit Menschen zu kommunizieren und zu plaudern. Das ist mein Traum.

Das Interview führte Theresa Mair.