Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 30.04.2019


Gesundheit

Allergie oder Intoleranz: Wenn Lebensmittel gefährlich werden

Der Bauch zwickt? Viele Menschen glauben, an einer Nahrungsmittelallergie zu leiden. Doch allzu oft steckt eine harmlosere Unverträglichkeit dahinter. Dennoch: Beides nimmt zu.

Milch, Nüsse, Brot: Allergiker reagieren extrem auf bestimmte Lebensmittel. Das kann lebensbedrohend sein.

© iStockphotoMilch, Nüsse, Brot: Allergiker reagieren extrem auf bestimmte Lebensmittel. Das kann lebensbedrohend sein.



Von Deborah Darnhofer

Innsbruck – Die Liste ist mitunter lang: keine Milch, keine Nüsse, kein Weißbrot, keine Früchte, kein Käse, kein Wein. Tatsächlich vertragen immer mehr Menschen bestimmte Lebensmittel schlecht. Deshalb von einer Nahrungsmittelallergie zu sprechen, ist beim Großteil der Betroffenen jedoch voreilig. Darauf verweist eine aktuelle US-Studie.

Forscher des „Ann & Robert H. Lurie“-Kinderkrankenhauses in Chicago und der „Northwestern“-Universität hatten eine Umfrage unter mehr als 40.000 erwachsenen US-Amerikanern ausgewerte­t. Demnach glaubten 19 Prozen­t der Befragten (fast jeder Zweite), sie litten unter einer Lebensmittelallergie. Doch stimmten die von ihnen angegebenen Symptome häufig nicht mit den Kriterien für eine echte allergische Reaktion überein. Nur bei der Hälfte lagen überzeugende Hinweise vor. Doch auch bei diesen hatte wiederum nur rund die Hälfte eine ärztliche Diagnose.

Zu schnell wird laut der Studie, die im Jänner im Fachblatt JAMA veröffentlicht wurde, von einer Allergie gesprochen. Jede zweite Selbstdiagnos­e entpuppt sich nämlich als falsch. Unverträglichkeiten (Intoleranzen) treten zehnmal häufiger auf. Ein Drittel der Weltbevölkerung soll davon betroffen sein, Allergien betreffen hingegen ein bis drei Prozent. Worin sich beide unterscheiden, darüber klärt der Innsbrucker Gastroenterologe Herbert Tilg, Leiter der Universitätsklinik Innere Medizin I, auf.

Weitere Information

Österr. Interessengemeinschaft Allergenvermeidung: www.allergenvermeidung.org

Deutscher Allergieinformationsdienst: www.allergieinformationsdienst.de

Allergie-Sprechstunde der Uniklinik Innsbruck: 0512/504-22978 (Mo—Fr 8.30—12 Uhr, Mo u. Mi 13.30—15 Uhr)