Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.05.2019


Osttirol

Mit Betreuung daheim das Lebensende erleichtern

Ein mobiles Team bietet unheilbar Kranken in Osttirol medizinische Behandlung zu Hause. Das soll Patienten und Angehörige entlasten.

Wenn Menschen dem Lebensende nahe sind, ist einfühlsame Betreuung besonders wichtig – am besten zu Hause.

© iStockphotoWenn Menschen dem Lebensende nahe sind, ist einfühlsame Betreuung besonders wichtig – am besten zu Hause.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Wenn Menschen an einer schweren Krankheit leiden und wissen, dass es keine Rettung mehr gibt, haben sie fast immer einen großen Wunsch: die letzten Wochen und Tage daheim im Kreis der Angehörigen zu verbringen, möglichst wenig an Schmerzen zu leiden und im eigenen Bett zu sterben statt im Krankenhaus.

Seit Anfang Mai gibt es in Osttirol eine neue Einrichtung, die diesen Wünschen entgegenkommt: das mobile Palliativteam. Es betreut unheilbar Kranke und Sterbende in den eigenen vier Wänden. Ärztlicher Leiter ist Clemens Skrabal, ein Allgemeinmediziner mit Zusatzausbildungen in Geriatrie (Altersmedizin) und Palliativmedizin. Mit ihm arbeiten die diplomierten Pflegekräfte Svenja Resinger, Miriam Stabinger und Christine Ganeider als Koordinatorin.

Clemens Skrabal, Svenja Resinger, Miriam Stabinger und Koordinatorin Christine Ganeider (v. l.) bilden das neue Palliativteam.
Clemens Skrabal, Svenja Resinger, Miriam Stabinger und Koordinatorin Christine Ganeider (v. l.) bilden das neue Palliativteam.
- Mobiles Palliativteam

Mit dem Hausbesuch erspart es das Palliativteam den Leidenden und ihren Angehörigen, für einfache Maßnahmen extra ins Krankenhaus zu fahren. „Blut abnehmen oder einen Katheter wechseln, das können wir ohne Weiteres zu Hause durchführen. Der Patient muss dafür nicht ins Spital oder in die Arztpraxis“, erläutert Clemens Skrabal. Zugleich entlastet die medizinische Betreuung daheim auch das Krankenhaus und die Ambulanzen.

Das Büro des neuen mobilen Teams ist im BKH Lienz angesiedelt, die Mitglieder leisten Konsiliardienst, also beratenden Dienst, auf den Stationen. „Wir lernen unsere Patienten kennen, bevor sie aus dem Krankenhaus entlassen werden, und betreuen sie dann zu Hause weiter“, beschreibt Skrabal das Prozedere. Auch in den Osttiroler Wohn- und Pflegeheimen ist das Palliativteam im Einsatz. Grundsätzlich kann sich jeder Kranke oder Angehörige auch direkt an den Arzt und die Pflegekräfte wenden. „Wir sind für alle Menschen im Bezirk da“, sagt Skrabal.

Die Vorteile eines mobilen medizinischen Teams liegen nicht nur darin, dass Ambulanzen weniger beansprucht werden und Schwerkranke sich die Fahrt ins Spital ersparen. Die Behandlung zu Hause ermöglicht es auch, in ganz besonderer Weise auf den Sterbenden und seine Familie einzugehen. „Wir stellen die Wünsche des Patienten in den Vordergrund“, beschreibt es Clemens Skrabal. „Es ist wichtig, ihm zuzuhören und zu verstehen, was er will.“ Auch die Angehörigen werden intensiv in die Betreuung mit einbezogen.

„Vom fachlichen Standpunkt ist die Arbeit in der Palliativmedizin keine Herausforderung“, fasst es der Arzt zusammen. „Aber menschlich schon, und man braucht mentale Stärke.“