Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 09.05.2019


Nach Malaria-Fall

Infektionsrisiko durch Spenderblut: Eine Frage des Vertrauens

Wer Blut spenden will, muss davor unter anderem Fragen nach der Reisetätigkeit beantworten. Denn viele Erreger können im Labor noch gar nicht nachgewiesen werden.

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Von Theresa Mair

Innsbruck – Die Meldung schlug in Kärnten Wellen und ging dann durch ganz Österreich: Eine 86-jährige Patientin war im März infolge einer Bluttransfusion im Rahmen einer Hüftoperation gestorben. Der Blutspender hatte verschwiegen, dass er zuvor in Uganda gewesen war. Dort war er mit Malaria tropica infiziert worden, erkrankte später auch noch selbst. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

„Nun ist die Frage, was mit dem Spender passiert. Sollte er wirklich dafür haften, dann ...“ Harald Schennach, Primar der Innsbrucker Blutbank und Medizinischer Leiter des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes, spricht den Satz nicht zu Ende. Bis jetzt hat er in Bezug auf den Malaria-Fall keine Auswirkungen festgestellt. Weder seien die potenziellen Empfänger von Spenderblut besonders besorgt, noch sei die Spendefreudigkeit in der Bevölkerung zurückgegangen. Letztere sinke jedoch ohnehin stetig. Sollte nun der Spender des infizierten Blutes bestraft werden, könnte es zu einem weiteren Rückgang kommen. Aber: „Wir sind abhängig von Blutspenden, sie sind für das Gesundheitssystem enorm wichtig. Viele Operationen und auch viele moderne Therapien wie Stammzellen- und andere Tumortherapien wären ohne sie nicht möglich“, sagt Schennach. Die Blutspende basiert zum Großteil auf dem Vertrauen zum Spender. Denn das abgenommene Blut kann nicht auf alle Viren und Bakterien getestet werden, zumal auch immer wieder neue Erreger entdeckt werden oder sich weiter verbreiten. Schennach erinnert etwa an den großen Ausbruch des Zika-Virus in Südamerika Anfang 2016.

„Leute, die damals aus Südamerika zurückgekommen sind, konnten wir nicht als Spender nehmen. Das Gleiche gilt für Asien, wo das Den- gue-Virus sehr verbreitet ist.“ Selbst wer auch nur am Gardasee war, ist danach für 28 Tage von der Blutspende ausgeschlossen – so weit ist das West-Nil-Virus nämlich bereits vorgedrungen. „Das Infektionsrisiko ist nicht sehr hoch. Wenn man zwei Tage am Gardasee war, liegt es bei 1 zu 4 Millionen. Aber dieses Risiko wollen wir nicht eingehen.“ Allein durch die Frage nach der Reisetätigkeit im Fragebogen schätzt Schennach, dass in Tirol jedes Jahr bis zu 2000 Spender abhandenkommen. Manche seien verärgert, wenn sie abgewiesen werden, und kämen dann nicht mehr.

„Wir hätten nie gedacht, dass uns das mit der Malaria einmal passiert. Das Risiko ist sehr niedrig und liegt unter 1 zu 10 Millionen. Europaweit gibt es nur zwei Handvoll dokumentierte Fälle. Vielleicht sieht man jetzt aber auch, dass die Einschränkungen Sinn machen. Der Fragebogen ist unser primäres Selektionskriterium, wir müssen uns auf die Angaben verlassen.“

Grundsätzlich gebe es damit auch keine Probleme. Schennach ist überzeugt, dass sich die Blutspender Mühe beim Ausfüllen geben.

Das Blut von zugelassenen Spendern wird im Labor noch auf HIV-Antikörper und das Virus selbst untersucht, auf Hepatitis A, B und C, Syphilis und das Parvovirus B19. Zudem wird Neopterin bestimmt. Der Wert zeigt allgemein an, ob das Immunsystem aktiviert ist, also ob eine Infektion oder Entzündung im Körper besteht, die nicht spezifisch ausgetestet wird. „Zwei Prozent der Blutspenden können wegen erhöhtem Neopterin nicht verwendet werden. Es ist aber ein unspezifischer Marker, der in dem beschriebenen Fall die Malaria nicht angezeigt hat“, erklärt Schennach. Es gebe noch keinen Malaria-Test, der für das Blutspendewesen wirklich geeignet sei.

Insgesamt würden die Untersuchungen jedoch immer besser. „Wir bewegen uns in einem sehr sicheren Bereich.“ Ab sofort wird beispielsweise auch eine mögliche Infektion mit dem Westnil-Virus im Labor nachgewiesen. Weiters sei die Möglichkeit, Blut wie ein Medikament in einem so genannten pathogenen Inaktivierungsverfahren zu sterilisieren, bereits weit gereift. Dies würde dann absolute Sicherheit bieten. „Bei Plasma gelingt das schon, ebenso bei den Blutplättchen-Konzentraten. Bei den Erythrozyten-Konzentraten (rote Blutkörperchen, Anm.) geht es aber derzeit noch nicht.“

Überhaupt drehen die Verantwortlichen an der Klinik und des Roten Kreuzes gleich an mehreren Schrauben. Die Altersgrenze für regelmäßige, gesunde Spender wurde zuletzt auf 70 erhöht. Ein Vorschlag, homosexuelle Männer, die in den vergangenen zwölf Monaten keinen gleichgeschlechtlichen Verkehr hatten, zuzulassen, liegt auf dem Tisch. Mit weiteren Lockerungen sei aber nicht zu rechnen.

In Innsbruck versuche man gleichzeitig auch, mit Blutsparmaßnahmen den Verbrauch der Konserven – 38.000 Vollblutspenden im Vorjahr – weiter zu senken, und vor allem mithilfe von Werbung und der sozialen Medien neue Blutspender zu gewinnen.