Letztes Update am So, 19.05.2019 07:43

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Schlupflider ade: Faltenfreie Sicht aus dem Auge

Schlupflider sind in erster Linie eine Frage der Schönheit. Die Straffung des Oberlids kann aber auch medizinisch nötig sein. Augenexperte Mathias Zirm erklärt den Eingriff.

Ein Schlupflid kann man mit Humor nehmen – solange der „Lid-Vorhang“ die Sicht nicht stört.

© iStockEin Schlupflid kann man mit Humor nehmen – solange der „Lid-Vorhang“ die Sicht nicht stört.



Von Theresa Mair

Wenn man mit zunehmendem Alter an seinem Spiegelbild verzweifelt, ist meist das Gesetz der Schwerkraft an der Misere beteiligt: Schlaffer werdende Haut, hängende Brüste, „Fledermausarme“ und: ein dauermüder Blick. Wenn die Augen auf Halbmast stehen, hängt das meist mit einer erschlafften Lidhaut zusammen, die – vor allem bei Frauen – mit den Jahren über das Auge klappt und sogar das Gesichtsfeld erheblich einschränken kann.

Nicht immer bloße Kosmetik

Am besten überprüfen kann man dies beim Blick in den Spiegel: „Wenn man beim Aufblicken die Stirn runzeln muss, damit man etwas sieht, dann korrigiert man besser die Lidfalte, als sich Botox in die Stirn spritzen zu lassen“, ist die humorvolle Erklärung von Mathias Zirm. Denn wenn man die geglättete Stirn nicht mehr in Falten legen kann, dann ist es auf diese Weise auch nicht mehr möglich das Lid hochzuziehen, so der Augenarzt mit Ordinationen in Innsbruck und Wien.

Es ist also klar: Bei Schlupflidern handelt es sich nicht nur um ein kosmetisches Problem, es kann ab einem bestimmten Ausmaß auch die Sicht einengen. „Sobald das Gesichtsfeld nach oben um mehr als 25 Grad eingeschränkt ist, besteht eine medizinische Indikation. Dann bezahlt die Versicherung die Lidkorrektur“, erklärt Zirm. Die meisten Betroffenen würden allerdings nicht so lange warten wollen und den Eingriff früher machen lassen.

Jahreszeitlich empfiehlt Zirm, der bereits seit 35 Jahren Lidkorrekturen vornimmt, die Operation auf den Frühling oder den Herbst zu legen. Sauna, Schwimmen und Solarium sind danach nämlich erst einmal für 14 Tage tabu. Auch auf das Schminken bzw. Abschminken sollte man in der Heilungsphase verzichten. Der Eingriff an sich dauert laut dem Mediziner pro Auge etwa eine Stunde und sollte nur von erfahrenen Augenärzten oder plastischen Chirurgen mit Augen-Expertise durchgeführt werden, denn eine OP in der Augengegend sei nicht ohne. Das beginne bereits beim korrekten Anzeichnen der Schnittlinie, das immer im Sitzen – nie im Liegen – erfolgen müsse.

Der erste Schnitt dürfe zudem nie in einem geringeren Abstand als acht Millimeter vom Wimpernkranz entfernt erfolgen. Er wird ähnlich einem geschminkten Lidstrich nach außen gezogen und mit einem darüberliegenden Schnitt verbunden. Die dazwischenliegende Haut kann dann entfernt werden. „Bei Frauen kann man genau an die Acht-Millimeter-Grenze herangehen. Bei Männern muss man vorsichtiger sein“, betont Zirm. Denn bei Frauen sei es aus hormonellen Gründen durchaus möglich, dass die Lidhaut nach dem Eingriff wieder ausleiert.

Die Schnitte selbst setzt der Arzt mit Radiowellen. „Dabei wird hochfrequenter Strom auf eine Nadel übertragen. Durch die entstehende Hitze wird die Wunde bereits etwas zusammengezogen.“ Genäht werden muss aber trotzdem. Zirm rät zur Vorsicht bei Eingriffen mit CO2-Laser oder mit dem althergebrachten Skalpell. Während der eine ohne Druck „höllisch gut“ schneidet und eine Augapfelverletzung dabei nicht ausgeschlossen ist, müsse mit dem Skalpell Druck ausgeübt werden, was einen sauberen Schnitt erschwere. Um einer übermäßigen Schwellung vorzubeugen, empfiehlt Zirm seinen Patienten zu Lymphdrainagen bereits am Vortag des Eingriffs.

Viele Betroffene möchten sich laut Zirm im selben Zug auch die vermeintlichen Tränensäcke glätten lassen. Vermeintlich deshalb, weil es sich bei der Innenwölbung tatsächlich nicht um den Tränensack, sondern um den Ansatz der Augenhöhle handelt, der mit der Zeit Falten wirft. Allerdings sei die Chirurgie am Unterlid mit gewaltigen Risiken verbunden. „Bei Eingriffen von außen kann passieren, dass das Unterlid danach absteht. Entfernt man von innen Fett, kann es zu Einblutungen kommen, die auf den Sehnerv drücken. Das kann zur Erblindung führen.“

Glattes Unterlid durch Eigenblut

Seit wenigen Jahren injiziert Zirm daher in zwei Sitzungen mit kleinen Nadelstichen Wachstumsfaktoren aus Eigenblut in die fraglichen Stellen. Diese so genannte PRP-Therapie sei wissenschaftlich gut untersucht und unbedenklich. Die Wachstumsfaktoren regen die körpereigene Kollagenbildung an, wodurch die Haut glatter erscheint. Die Wirkung der „OP ohne Skalpell“ hält dem Experten zufolge bis zu einem Jahr.




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