Letztes Update am Di, 21.05.2019 13:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Studie

Übergewicht erhöht Gebärmutterhals- und Brustkrebsrisiko nicht

Innsbrucker Forscher konnten nachweisen, dass der bei Übergewicht erhöhte und für Insulinresistenz maßgebliche TyG (Triglyzerid-Glukose)-Index zwar das Risiko für Tumoren im Verdauungstrakt, nicht aber das Risiko für gynäkologische Krebsformen erklärt.

Gynäkologische Krebsarten wie Brustkrebs sind nicht mit dem TyG-Index erklärbar. (Symbolfoto)

© APA/GindlGynäkologische Krebsarten wie Brustkrebs sind nicht mit dem TyG-Index erklärbar. (Symbolfoto)



Innsbruck – Übergewicht erhöht das Risiko für fast alle Krebsarten – so die landläufige Meinung bisher. Nach einer neuen Studie der Medizinischen Universität Innsbruck muss dieser Zusammenhang nun unter neuen Vorzeichen gesehen werden. Das Team um die Medizin-Statistiker Hanno Ulmer und Josef Fritz konnte nachweisen, dass der bei Übergewicht erhöhte und für die Insulinresistenz maßgebliche TyG (Triglyzerid-Glukose)-Index zwar das Risiko für Tumoren im Verdauungstrakt, nicht aber das Risiko für gynäkologische Krebsformen erklärt.

„Endometriumkrebs hat nichts mit hohen Blutfett- und Zuckerwerten zu tun“, so Ulmers Erkenntnis nach der Innsbrucker Studie, die gerade im International Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde. Die Daten von über 500.000 Probanden aus sechs europäischen Kohorten wurden dafür zusammengefasst und analysiert. Durchschnittlich wurden diese 17 Jahre lang im Hinblick auf ihren Lebensstil und auftretende Krebserkrankungen beobachtet. In diesem Zeitraum kam es zu 16.000 bekanntermaßen mit Übergewicht assoziierten Krebsfällen, wie Darm-, Leber-, Nieren-, Pankreas- und Gallenblasenkrebs (gastrointestinale Tumoren) sowie Gebärmutter- und Eierstockkrebs und post-menopausalem Brustkrebs (gynäkologische Tumoren).

Stoffwechsel-Marker TyG-Index als Kennzahl

„Um mögliche kausale Zusammenhänge darstellen zu können, haben wir uns einer neuen Kennzahl bedient, dem TyG-Index. Dieser spezielle Stoffwechsel-Marker ist das Produkt aus Triglyzeriden und Glukose und somit ein einfach verfügbares Maß für die Insulinresistenz, das auch in hohem Maß mit dem Goldstandard zur Bestimmung der Insulinresistenz, dem Clamp-Test, übereinstimmt“, erklären die Studienautoren.

Die Insulinresistenz, also die verminderte Sensitivität der Körperzellen auf das Hormon Insulin und damit Vorstufe von Diabetes Typ II, wird in Fachkreisen als Erklärung für die Verbindung von Übergewicht und Krebs diskutiert. Das wachstumsstimulierende Hormon Insulin regt nämlich die Zellteilung an und kann somit auch das Tumorwachstum begünstigen.

Übergewicht werde häufig mit erhöhten Triglyzerid- und Glukosewerten assoziiert. „Die Ergebnisse unserer multizentrischen Kohortenstudie belegen“, so Ulmer, „dass ein hoher TyG-Index signifikant mit einem erhöhten Risiko für gastrointestinale Tumoren korreliert. Dazu kommt, dass der TyG-Index auch zu circa 25 Prozent den Einfluss von Übergewicht auf die Krebsentstehung erklärt.“

Insulinresistenz erhöht Gebärmutterhalskrebs-Risiko nicht

Die Innsbrucker Forscher können somit eine nachdrückliche Bestätigung für den krebsfördernden Einfluss von Übergewicht auf Leber-, Nieren-, Pankreas- und Dickdarmkrebs erbringen.

Die zweite Erkenntnis aus der Studie überrascht jedoch. Dass die Wahrscheinlichkeit, ein Endometriumkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) oder post-menopausalen Brustkrebs zu entwickeln, bei Frauen mit einer Insulinresistenz erhöht ist, konnte das Team um Ulmer nicht bestätigen. „Gynäkologische Krebsarten sind zwar mit Übergewicht assoziiert, jedoch nicht mit dem TyG-Index erklärbar. Das heißt: Erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte stehen in keinem kausalen Zusammenhang mit der Entstehung gynäkologischer Tumoren. Der Einfluss der Östrogene auf das Krebsgeschehen dürfte also doch größer sein, als angenommen“, schließt Ulmer. (TT.com)