Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 23.05.2019


Bezirk Landeck

„HerzMobil“ in Landeck und Imst: Neue „Herzschrittmacher“ startklar

Die Fäden des Versorgungsnetzwerks „HerzMobil“ für die Bezirke Landeck und Imst laufen im Krankenhaus St. Vinzenz zusammen. Persönliche Kontakte zum Patienten werden intensiviert und digital unterstützt.

Das „HerzMobil“-Team ist startklar – vorne v. l.: Daria Kathrein, Tanja Forsthuber, Christine Schlierenzauer und Isabella Fringer. Hinten: Bettina Fetz und Bertram Ladner koordinieren das neue Vorsorgeprogramm.

© WenzelDas „HerzMobil“-Team ist startklar – vorne v. l.: Daria Kathrein, Tanja Forsthuber, Christine Schlierenzauer und Isabella Fringer. Hinten: Bettina Fetz und Bertram Ladner koordinieren das neue Vorsorgeprogramm.



Zams – Herzinfarkt, Herzinsuffizienz, Sekundentod, Herz-Kreislauf-Probleme, plötzlicher Herzstillstand: Herzversagen ist neben Krebs die häufigste Todesursache in Österreich. Vor diesem Hintergrund hat das Tiroler Landesinstitut für integrierte Versorgung (LIV) 2017 das Vorsorgeprogramm „HerzMobil“ entwickelt.

Nach Innsbruck-Land und Schwaz ist „HerzMobil“ auch für die Bezirke Landeck und Imst aus der Taufe gehoben worden. Die Fäden des neuen Netzwerks laufen am Zammer Krankenhaus St. Vinzenz zusammen, wo „HerzMobil“ am Mittwoch vorgestellt wurde.

„Herzschwäche gibt es in unterschiedlicher Intensität, die Entwicklung ist oft schleichend“, weiß Primar Ewald Wöll. „Das Kernsymptom ist Atemnot, auch in der Nacht.“ Tirolweit sollen 15.000 Menschen an einer Herzschwäche leiden. Im Oberland soll es ein Potenzial von rund 400 Akutpatienten geben.

Im Netzwerk der „verbindlichen qualitätsgesicherten Versorgung“, wie es LR Bernhard Tilg nannte, sind vorerst vier kardiologisch ausgebildete Diplomkrankenschwestern und sieben „Netzwerkärzte“ mit Sondervertrag eingebunden. Zudem kommt der digitale „HerzMobil“-Koffer zum Einsatz. Das tägliche „telemedizinische Controlling“ umfasst u. a. Blutdruck, Pulsfrequenz, Körpergewicht sowie die Medikamenteneinnahme. Die Daten werden mit dem Handy übermittelt.

Das Zammer „HerzMobil“-Team macht auch Hausbesuche. Die Kontakte würden im Rahmen des dreimonatigen Vorsorgeprogramms intensiviert, „um Vital-Parameter besser überwachen zu können“, wie LIV-Vorstand Clemens Rissbacher erläuterte.

„Bisher sind die Patienten zu uns gekommen. Jetzt kommen wir zu den Patienten“, bringt Spitalsgeschäftsführer Bernhard Guggenbichler den neuen Weg auf den Punkt. „Der Patient wird eingeschult, damit er dann proaktiv handeln kann“, sagte Pflegedirektor Siegmar Tangl.

Im Durchschnitt verbringt ein Herzpatient neun Tage im Spital. Das Risiko einer neuerlichen stationären Aufnahme werde mit „HerzMobil“ um die Hälfte reduziert, weiß Rissbacher. Die Projektkosten liegen laut Rissbacher bei 1700 Euro pro Patient. Die Mittel würden Sozialversicherung, Bund, Land und Gemeinden beisteuern. „Tirol ist wieder Schrittmacher für ein medizinisches Versorgungsnetz, das andere Bundesländer von uns übernehmen“, freut sich Gesundheitslandesrat Tilg. Geplant sei der tirolweit flächendeckende Ausbau dieses mobilen Dienstes.

Auch Generaloberin Sr. Maria Gerlinde Kätzler begrüßt die Initiative: „Das Projekt ist eine Vertiefung unseres Grundgedankens, den Menschen eine ganzheitliche Versorgung zu bieten.“ Der Spitalsverband (54 Gemeinden in den Bezirken Imst und Landeck) sieht mit „HerzMobil“ eine Weiterentwicklung der medizinischen Versorgung, hob Obmann BM Siggi Geiger hervor. (hwe)

Stellten „HerzMobil“ für Landeck und Imst vor: Bernhard Guggenbichler, BM Siggi Geiger, Clemens Rissbacher, LR Bernhard Tilg, Sr. Maria Gerlinde Kätzler, Primar Ewald Wöll und Pflegedirektor Siegmar Tangl (v. l.).
Stellten „HerzMobil“ für Landeck und Imst vor: Bernhard Guggenbichler, BM Siggi Geiger, Clemens Rissbacher, LR Bernhard Tilg, Sr. Maria Gerlinde Kätzler, Primar Ewald Wöll und Pflegedirektor Siegmar Tangl (v. l.).
- Wenzel