Letztes Update am Fr, 31.05.2019 14:01

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Weltnichtrauchertag

Lungenerkrankung COPD weltweit dritthäufigste Todesursache

Rauchen ist Hauptursache für COPD. Häufig wird die Krankheit nicht oder zu spät erkannt.

Auch in Tirol ist die Zahl der Todesfälle durch COPD besorgniserregend angestieben.

© Med-Uni InnsbruckAuch in Tirol ist die Zahl der Todesfälle durch COPD besorgniserregend angestieben.



Innsbruck – Kaum bekannt, aber tödlich – so könnte das Urteil über die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) lauten, die weltweit bereits die dritthäufigste Todesursache ist. Eine Untersuchung zum öffentlichen Interesse an COPD durch ein Ärzte-Team der Medizin Uni Innsbruck bestätigt diesen Befund: Beim Vergleich der Suchanfragen unter den zehn, nach WHO-Klassifikation häufigsten Todesursachen rangiert COPD nur auf Platz 8. Das mangelnde Bewusstsein hat fatale Folgen.

Obwohl die Prävalenz und die Sterblichkeitsrate von COPD weltweit kontinuierlich ansteigen, bleibe die Chronisch obstruktive Lungenerkrankung oft unerkannt und nicht diagnostiziert. „COPD ist in den Köpfen der Menschen viel zu wenig verankert“, erklärt Alex Pizzini, Facharzt an der Innsbrucker Univ.-Klinik für Innere Medizin, der zusammen mit Anna Böhm und Studienleiter Ivan Tancevski die Analyse durchführte.  

Stagnierendes Interesse trotz steigender Todesraten

Die Studie zeige, dass COPD viel seltener gesucht wird, als Menschen daran erkranken. Im zeitlichen Verlauf lässt sich seit 2004 gar ein stagnierendes Suchveralten feststellen – ein Trend, der der Neuerkrankungsrate zuwider läuft. In Österreich leide jeder Zehnte an COPD, nach dem 70. Lebensjahr schon jeder Vierte. Den Daten von Statistik-Austria zufolge wurde von 2002 bis 2016 in Österreich ein Anstieg der Todesraten von COPD Patienten von über 60 Prozent registriert –  ein Trend, der mit einem Anstieg von 130 Prozent vor allem auch Tirol betrifft.

Um das mangelnde Bewusstsein für die Erkrankung quantifizieren zu können, hat das Pneumologie-Team um Böhm, Pizzini und Tancevski mithilfe der Analyse-Applikation Google Trends die Frequenz der globalen Suchanfragen nach COPD im Zeitraum von 2004 bis 2018 untersucht. Dabei wurde das relative Suchvolumen für COPD mit neun weiteren, aus der von der WHO in einer jährlichen Statistik veröffentlichten Liste der weltweit häufigsten Todesursachen verglichen. Um die Analyse nicht zu verzerren, beschränkten sich die Forscher in ihrer Internetsuche auf Industrienationen, also auf Länder, in denen rund 80 Prozent der Bevölkerung das Internet nutzen.

„Wir konnten zeigen dass medizinische Themen grundsätzlich ein geringeres Suchvolumen aufweisen, am häufigsten aber nach Diabetes, Schlaganfall und Brustkrebs gegoogelt wird“ “, so Pizzini,. COPD finde sich erst auf dem achten Platz, saisonal bedingt würden sich Nutzer der Suchmaschine Google im ersten und vierten Jahresquartal, also in den Wintermonaten, ein bisschen mehr als sonst für COPD interessieren.

Unerkannt mit tödlichen Folgen

Dabei sei COPD als systemische Entzündung mit zahlreichen Begleiterkrankungen und sich stetig verschlechternder Lebensqualität verbunden, so die Mediziner in ihrer Aussendung. Schon eine geringe Abnahme der Lungenfunktion steigere das Herzinfarktrisiko. Das Risiko, eine Herzinsuffizienz zu entwickeln sei bei COPD sechsmal erhöht, das Schlaganfallrisiko zehn Mal höher. Sogenannte Exazerbationen (akute Verschlimmerung der Erkrankung), die in der dritten und vierten Krankheitsstufe zunehmend auftreten und in schweren Fällen eine Aufnahme in der Intensivstation notwendig machen, würden in zehn Prozent der Fälle zum Tod führen, das Sterblichkeitsrisiko bleibe bis zu einem Jahr danach noch um bis zu 40 Prozent erhöht. Mit einem höheren Bewusstsein und einer rechtzeitigen Diagnose könnten jedoch Risikofaktoren wie etwa das Rauchen eliminiert, Exazerbationen verhindert und Begleit- bzw. Folgeerkrankungen entsprechend behandelt werden.

Über 90 Prozent aller COPD Patienten würden rauchen oder haben über lange Zeit geraucht. Symptome wie erhöhte Schleimbildung und chronischer Husten sollten deshalb vor allem für Rauchern Grund genug sein, Atemwege und Lunge untersuchen zu lassen. „Vor dem Hintergrund des fehlenden Krankheitsbewusstseins wird der Raucherhusten allzu oft bagatellisiert. Rauchen, auch das Passiv-Rauchen, steht jedoch an erster Stelle der Risikofaktoren für COPD“, warnt Studienleiter Ivan Tancevsk. (TT.com) 

Hintergrundinformation

Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung geht von einer chronischen Entzündung der unteren Atemwege aus. Diese andauernde Entzündungsreaktion bewirkt Veränderungen und Umbauprozesse, die eine bleibende Verengung der Bronchien und Bronchiolen bedingen. Chronische Symptome wie Husten, Auswurf und Atemnot sind möglich, fortgeschrittene Stadien sind häufig mit Lungenemphysem assoziiert, betroffene Patient*innen benötigen häufig eine chronische Sauerstoffversorgung.