Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 04.06.2019


Tirol

Immer mehr Jüngere auch in Tirol von Demenz betroffen

Der Verein VAGET bietet in Innsbruck eine Tagesbetreuung u. a. für Demenz-Kranke an. Nur ein Teil der Kosten wird von der öffentlichen Hand gezahlt.

Wenn immer mehr Puzzle-Teile im Gedächtnis fehlen: Demenz ist nicht nur eine Krankheit der Alten

© iStockWenn immer mehr Puzzle-Teile im Gedächtnis fehlen: Demenz ist nicht nur eine Krankheit der Alten



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Seit fünf Jahren gibt es das VAGET-TagesTherapieZentrum in der Pradler Straße in Innsbruck. Die Einrichtung ist für psychisch erkrankte Menschen und deren Angehörige gedacht. Bislang wurden rund 100 Personen dort betreut – von einem Tag bis zu mehreren Tagen pro Woche. Dabei ist Demenz ein zentrales Thema – 50 Prozent der Patienten sind betroffen.

Tragisches Detail: „Die Tendenz geht dahin, dass immer jüngere Menschen daran erkranken und aus dem Beruf ausscheiden“, weiß VAGET-Geschäftsführerin Gertrud Geisler-Devich. Mit ein Grund, warum man 2020 ein zweites Therapie-Zentrum speziell für diese Patienten-Gruppe in Innsbruck eröffnen will. Die intensive Beschäftigung mit den Menschen und Angehörigen zeige Wirkung: „Es ist die beste Möglichkeit, Patienten so lange wie möglich im häuslichen Umfeld zu lassen.“ Nach wie vor ist die Krankheit aber ein Tabu. „Die Behandlung erfolgt oft zu spät“, so die Leiterin des Zentrums Elisabeth Schöpf.

Und auch das Finanziell­e bereitet Kopfzerbrechen: Während in anderen Ländern die Betreuung zu 100 Prozent von der öffentlichen Hand übernommen wird, müssen in Tirol durchschnittlich 42 Prozent der Leistungen – bei einem Tagsatz von 90 Euro – selbst bezahlt werden. „Es wäre wünschenswert, wenn Betroffene nichts zahlen müssten“, sagt Geisler-Devich.