Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 18.06.2019


Gesundheit

Dr. Roboter gelangt zur Spruchreife: Chirurgenkongress in Innsbruck

In 50 Jahren könnten Roboter ganze Operationen übernehmen – nur ein Thema des am Mittwoch startenden Chirurgenkongresses in Innsbruck.

Künstliche Intelligenz ist bereits bei der Diagnose ein Thema. In wenigen Jahren könnten Roboter eigenständig Operationen durchführen.

© Getty Images/iStockphotoKünstliche Intelligenz ist bereits bei der Diagnose ein Thema. In wenigen Jahren könnten Roboter eigenständig Operationen durchführen.



Von Irene Rapp

Innsbruck – Bereits jetzt sind an der Klinik „Roboter“ im Einsatz – „wir allerdings sprechen von Telemanipulator, weil schon der Mensch operiert“ erklärt Dietmar Öfner-Velano, Direktor der Inns­brucker Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie. Soll heißen: Das technische Gerät für den Eingriff wird vom Menschen ferngesteuert.

Schon in wenigen Jahren allerdings könnten Teile von Operations-Schritten von roboterähnlichen Geräten selbst übernommen werden. „Und in 50 Jahren werden wir Roboter haben, die komplett eigenständig operieren“, so Öfner-Velano. Letztlich werd­e man aber immer auf Menschen angewiesen sein, etwa wenn es darum gehe, zu entscheiden, ab wann es zum Beispiel nötig sei, eine Operation zu beenden.

Alles Themen, die beim 60. Österreichischen Chirurgenkongress vom 19. bis 21. Juni in Innsbruck 1000 anwesend­e Mediziner beschäftigen werden. Erstmals ist mit dem Direktor der Innsbrucker Univ.-Klinik für Neurochirurgie – Claudius Thomé – ein Neurochirurg Kongresspräsident. Ihm geht es vor allem darum, dass die Chirurgen unterschiedlichster Fachrichtungen voneinander lernen können. Ein Beispiel: Einen Blinddarm oder eine Gallenblase minimalinvasiv durch ein kleines Loch im Nabel zu entfernen, sei für Chirurgen Alltag. Mit einer kleineren Version dieses Geräts durch ein minimales Loch im Schädel in das Gehirn einzudringen, war allerdings bis vor Kurzem noch Neuland.

Was beiden Medizinern am Herzen liegt: die Forderung nach einer Spezialausbildung für chirurgische Intensiv­stationen. In der neuen Ausbildungsordnung fehle diese aber. „Dadurch geht Kompetenz verloren“ bringt es Öfner-­Velano auf den Punkt.