Letztes Update am Do, 20.06.2019 13:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Cluster-Kopfschmerzen: Der Überfall im Kopf

Cluster-Kopfschmerzen kündigen sich nicht an. Sie kommen plötzlich und massiv. Gregor Brössner von der Uniklinik Innsbruck erklärt, was gegen die Attacke hilft.

Cluster-Attacken
 kommen häufig nachts vor und 
betreffen meist
 Männer.

© iStockphotoCluster-Attacken
 kommen häufig nachts vor und 
betreffen meist
 Männer.



Cluster-Kopfschmerz ist die mit Abstand massivste Art von Kopfschmerzen – und dabei „überraschenderweise noch ziemlich unbekannt, auch in Medizinerkreisen“, sagt Gregor Brössner, Leiter der Ambulanz für Kopf- und Gesichtsschmerzen an der Uniklinik Innsbruck. Der einseitige Schmerz im Bereich der Augenhöhle überfalle die Patienten aus dem Nichts „Eine Person von 1000 ist davon betroffen“, so der Neurologe.

Männer-Kopfschmerz

„Die Cluster-Attacke tritt bei Männern viermal häufiger auf als bei Frauen. Normalerweise zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr – bis hinauf zum 60. Lebensjahr“, erklärt der Oberarzt. Die Cluster-Phase tritt laut dem Mediziner saisonal gehäuft auf und ziehe sich meistens über rund zwei Monate. „Dann ist meistens wieder ein paar Jahre Ruhe“, so Brössner. Das Tückische an dieser Art Kopfschmerz ist, dass er sich nicht ankündigt, die Patienten „praktisch ohne Vorlaufszeit“ plötzlich heimsucht. „Die Attacke erfolgt meistens in der Nacht, in der Regel zur gleichen Uhrzeit.“ Meist haben die Patienten laut Brössner mit zwei, drei Attacken am Tag zu kämpfen, in besonders schweren Fällen seien auch bis zu acht möglich. Eine Attacke dauert zwischen einer halben und drei Stunden. „Zwischen den Attacken sind die Patienten meistens völlig beschwerdefrei.“

Im Englischen wird der Cluster-Kopfschmerz übrigens als „Suicide headache“ bezeichnet. „Es gab Patienten, die sich während der Attacke das Leben nahmen, weil es sich um einen derart heftigen Schmerz handelte.“ Bis die peinigenden Schmerzen richtig diagnostiziert sind, dauere es im Schnitt fünf Jahre. Doch es gebe Fortschritte in puncto Forschung und man könne mittlerweile mit „ganz neuen Ergebnissen“ aufwarten.

Behandlung ja, Heilung nein

„Wir wissen, dass der Hypothalamus (Abschnitt des Zwischenhirns im Bereich der Sehnervenkreuzung, Anm.) eine ganz wichtige Rolle spielt. Ein innerer Impulsgeber, ein Teil des Gehirns, funktioniert offenbar nicht richtig. Dieser wird angeschaltet und plötzlich wieder abgeschaltet. Das betroffene Areal des Gehirns ist also bekannt, der genaue Grund, weshalb es nicht richtig funktioniert, allerdings nicht.“ Nur bei einer vergleichsweise geringen Zahl an Fällen trete Cluster-Kopfschmerz nur einmalig auf. Dauerhaft heilbar sei er nicht.

Allerdings gebe es sehr gute Behandlungsstrategien. „Zum einen gibt es Substanzen, die man sich selber spritzen kann. Auch Sauerstoffinhalationen wirken sehr gut. Ebenso Medikamente zur Senkung der Attackenhäufigkeit“, erläutert Brössner. Zudem versuche man, vermehrt Antikörper einzusetzen. Diesbezüglich seien erste Studien durchgeführt worden, die positiv verliefen. (APA)