Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 27.06.2019


Tirol

Die Kinder-Krebs-Hilfe macht einen Traum in Innsbruck wahr

Lange hat sich die Kinderklinik einen Professor für Kinderonkologie gewünscht. Roman Crazzolara hat vor allem in der Nachsorge viel vor.

80 Prozent der Kinder können von ihrer Krebskrankheit geheilt werden. Sie sind dann Survivors.

© iStock80 Prozent der Kinder können von ihrer Krebskrankheit geheilt werden. Sie sind dann Survivors.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Survivor. Das englische Wort klingt wie der Nam­e eines Superhelden. Damit liegt man gar nicht so weit daneben. Survivor heißt Überlebender. Kinder und Jugendliche, die eine Krebserkrankung dauerhaft überstanden haben, nennen sich Survivors. Es gibt inzwischen viele davon.

Während vor 30 Jahren nur 20 Prozent der Kinder eine Tumorerkrankung überlebten, werden mittlerweile über 80 Prozent dauerhaft geheilt. Bei den Betroffenen von akuter lymphatischer Leukämie, die rund ein Viertel der Krebserkrankungen von Kindern ausmacht, liegt die Heilungs­rate sogar bei über 90 Prozent. „Österreich ist hier international an der ersten Stelle. Das liegt an der guten Zusammenarbeit zwischen den Kliniken, modernster Diagnostik und wir sind auch an der Front bei neuen Medikamenten“, sagt Roman Crazzolara. Der Kinder­onkologe blickt stolz auf diesen Erfolg und nutzt ihn auch, um betroffenen Familien Mut zu machen.

Gestern wurde der gebürtige Südtiroler als erster Stiftungsprofessor für Kinderonkologie an der Innsbrucker Kinderklinik vorgestellt. Möglich gemacht hat dies die erstmalige Zusammenarbeit der Medizinischen Universität Innsbruck mit der Kinder-Krebs-Hilfe Tirol und Vorarlberg. Der Verein finanziert die Professur Crazzolaras mit 500.000 Euro verteilt auf fünf Jahre. Es ist sein bisher einziges Projekt in dieser Größenordnung. „Es ist uns ein Anliegen, dass aktuelle Forschungsergebnisse unmittelbar unseren Kindern zugutekommen und auch die Nachsorge soll weiter ausgebaut werden“, sagte Ursula Mattersberger. Die Vizepräsidentin der Kinder-Krebs-Hilfe Österreich bedankte sich wie auch die Vertreter von Med-Uni und Tirol Kliniken bei den Spendern. Daran knüpfte sie auch die Bitte an die Bevölkerung, die Kinder-Krebs-Hilfe weiterhin zu unterstützen.

70 bis 80 Kinder erkranken jährlich im Einzugsgebiet der Innsbrucker Kinderklinik neu an Krebs. Allerdings betont Crazzolara, dass das Risiko einer Tumorerkrankung mit 1:270 bei Kindern eher gering ist. Seine Aufgabe ist es nun, Wissenschaft, Lehre und Patientenversorgung weiter voran­zubringen. Denn trotz der vielen Errungenschaften sind manche kindlichen Krebs­formen, wie z. B. einige Hirntumore, noch schwierig zu bekämpfen.

Vor allem die individualisierte Patientenversorgung mit neuen Ansätzen (Immun-, Anti­körper-, Zelltherapie) sowie die Kurz- sowie Langzeitnachsorge sind dem 45-Jährigen ein Anliegen. Es geht ihm um ein verbessertes Management bei der Schmerzbekämpfung und darum Nebenwirkungen in Schach zu halten. Diese gestalten sich bei Kindern anders als bei Erwachsenen. Sie können Wachstum und hormonell­e Entwicklung betreffen, z. B. die Pubertät verzögern oder die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Mit einer App könnten Kinder zuhause medizinisch überwacht werden und somit sowohl die Kommunikation als auch die Diagnostik verbessert werden.

Nicht zuletzt plant Crazzolar­a auch eine Sprechstunde zusammen mit Erwachsenenonkologen. Damit soll ein sanfter Übergang zu den großen Patienten geschaffen werden.