Letztes Update am So, 07.07.2019 06:57

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Wie Schuppen von den Haaren fallen

Kopfhautschuppen sind eine Plage. Nicht jeder Mensch ist davon betroffen. Warum das so ist, was man dagegen tun kann und warum heute mehr Menschen denn je Schuppen haben, erklärt ein Tiroler Hautexperte.

Symbolbild.

© iStockphotoSymbolbild.



Von Andrea Wieser

You never have a second chance to make a first impression.“ So lauteten die griffigen Worte eines amerikanischen Antischuppen-Shampoo-Spots aus den 80er-Jahren. Gemeint war damit, dass man niemals eine zweite Chance für einen ersten Eindruck haben kann. Der Zielgruppe wollte man damit sagen: „Deine weiß berieselten Schuppenschultern wird sich dein Gegenüber für immer merken.“

Fünf schuppige Fehler

Kratzen: Wer sich bei Juckreiz kratzt, kann sich Mikroverletzungen an der Kopfhaut zuziehen.

Falsches Shampoo: Für fettige Kopfhaut müssen andere Mittel angewendet werden als für trockene.

Hitze 1: Die Haare zu heiß zu waschen, schädigt die Kopfhaut. Besser lauwarmes Wasser nehmen.

Hitze 2: Wer den Föhn zu lange nahe der Kopfhaut hält, schädigt diese. Die Folge sind Schuppen.

Falsche Hausmittel: Beliebte Mittel wie Teebaumöl oder Propolis können Kontaktallergien hervorrufen.

Seitdem hat sich viel getan. Sanft beschuppte Schultern sieht man heute weniger. „Das hat aber weniger damit zu tun, dass Kopfhautschuppen seltener geworden sind, sondern eher damit, dass Menschen Schuppen heute mehr verstecken oder verheimlichen, als sie das früher getan haben“, meint dazu Christian Kranl. Der Schwazer Hautarzt schließt sogar nicht aus, dass Menschen heute eher mehr darunter leiden. Schuld daran könnte der Anstieg des Hygienebewusstseins und die damit verbundenen häufigen Duschgänge sein.

In erster Linie sind Schuppen lästig.
In erster Linie sind Schuppen lästig.
- istock

Grundsätzlich ist die Schuppung der Haut völlig normal. Eine gesunde Haut erneuert sich innerhalb von vier Wochen komplett neu. Es fallen also permanent Partikel vom menschlichen Körper ab. Nur sind diese in der Regel schwer bis gar nicht zu erkennen. Bemerkt man sie als feine, weiße Spur auf den Schultern, dann spricht man von einem Schuppenproblem. Sichtbar werden die­se in der Regel dann, wenn die Kopfhaut sich schneller als normal abschuppt und erneuert.

Grund dafür kann zum einen zu viel Trockenheit sein. „Patienten, die zum Beispiel unter Neurodermitis oder Heuschnupfen leiden, sind dafür besonders anfällig“, erklärt Kranl. Das komplette Gegenteil ist die zu fettige Kopfhaut, diese führt ebenfalls zu stärkerer Abschuppung. Nur das Erscheinungsbild ist ein anderes. „Diese Schuppen sind meist leicht gelblich und fettig und kleben oft aneinander“, sagt der Experte. Es betrifft meist Patienten, die schon in der Kindheit mit fettiger Haut und in der Folge mit Ekzemen zu kämpfen hatten.

„Menschen verstecken oder verheimlichen ihre Schuppen heute mehr, als sie das früher getan haben.“
Christian Kranl, 
Dermatologe
„Menschen verstecken oder verheimlichen ihre Schuppen heute mehr, als sie das früher getan haben.“ Christian Kranl, 
Dermatologe
- kranl

Gegen die beiden Erscheinungsformen müssen komplett andere Mittel verwendet werden. In der Apotheke wird je nach Typus spezielles Shampoo verkauft. Die gängigen Produkte aus dem Drogeriemarkt, die man im Shampoo-Regal findet, sind in der Regel für zu trockene Kopfhaut. Grundsätzlich gilt für die Anwendung gerade bei Apotheken-Produkten, diese nicht länger als nötig fortzuführen.

Ernsthaft kranke Haut

Schuppen sind in erster Linie läs­tig, sie trüben das Erscheinungsbild, aber schmerzhaft sind sie nicht. Meistens. Aber es gibt Ausnahmen. Abseits der erwähnten üblichen Schuppungen können auch Menschen mit echter Schuppenflechte (Psoriasis) betroffen sein. „Diese Patienten haben eine ernsthafte Erkrankung und leiden sehr stark darunter“, meint Kranl. Die Ursache für die Entstehung von Psoriasis ist noch unklar. Vererbung und Autoimmunprozesse scheinen eine Rolle zu spielen. In den betroffenen Geweben entsteht ein Milieu, das Entzündungen fördert. In diesem Fall ist der Weg zum Hautarzt zur weiteren Abklärung unbedingt erforderlich.

Dasselbe gilt auch für Patienten, die vom so genannten „Pityrosporum ovale“ betroffen sind. Der Hefepilz, der Medizinern auch unter dem Namen „Malassezia furfur“ bekannt ist, gehört eigentlich zur normalen Hautbesiedelung des Menschen. Beginnt dieser sich aber stark zu vermehren, kann das in Form von Schuppen sichtbar werden. Ob es sich um einen sich vermehrt ausbreitenden Pilz handelt, muss der Experte beurteilen.

Schuppen ohne Hautarzt

Nicht zwingend notwendig ist der Besuch beim Arzt bei den gängigen Formen von Kopfhautschuppen, sei es nun bei trockener oder bei fettiger Haut. „Lässt sich das Vorkommen mit den gängigen Mitteln nicht reduzieren, sollte man aber medizinischen Rat einholen“, meint Kranl.