Letztes Update am Do, 11.07.2019 11:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Diät hilft nicht gegen Schwangerschaftsdiabetes bei Adipösen

Schwangerschaftsdiabetes kann bei adipösen Schwangeren nicht durch eine geringere Gewichtszunahme oder Training vermieden werden.

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Wien – Die Annahme, dass eine geringere Gewichtszunahme bei adipösen Schwangeren vorteilhaft für die Vermeidung eines Schwangerschaftsdiabetes wäre, hat sich nicht bestätigt. Das konnte jetzt eine Studie der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel der MedUni Wien im AKH zeigen. Sogar das Gegenteil könnte der Fall sein.

Möglicherweise ist es demnach sogar ungünstig für die Mutter und das ungeborene Kind, während der Schwangerschaft weniger Kohlenhydrate zu sich zu nehmen. Diese Daten wurden jetzt in der Fachzeitschrift Diabetes Care publiziert, teilte die MedUni Wien am Donnerstag mit. Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) ist eine Form der Zuckerkrankheit, die während der Schwangerschaft sichtbar wird und unmittelbar nach der Geburt meist wieder – zumindest vorübergehend – verschwindet. In Österreich nimmt man so wie in ganz Europa an, dass davon jede siebente Schwangere betroffen ist.

Einer der wichtigsten Risikofaktoren für diese Probleme ist das Übergewicht der werdenden Mutter. In der Gravidität gilt bei stark Übergewichtigen die Empfehlung von nicht mehr als fünf bis neun Kilogramm Gewichtszunahme. Um Möglichkeiten und Indikatoren für die Vermeidung von Schwangerschaftsdiabetes bei adipösen Frauen zu untersuchen, wurden im Rahmen des EU-Projektes DALI (Vitamin D And Lifestyle Intervention for Gestational Diabetes) unter wesentlicher Mitwirkung der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Stoffwechsel unter der Leitung der Endokrinologin Alexandra-Kautzky-Willer Diätmaßnahmen bei 436 Frauen ausgewertet.

Dabei wurde eine Gruppe von schwangeren adipösen Frauen im Rahmen eines Coachings angeleitet, die Ernährung umzustellen und fünf Maßnahmen zu beachten: Reduktion von Softdrinks, Reduktion schnell resorbierbarer Kohlenhydrate und Fett sowie die Erhöhung von Eiweiß und Ballaststoffen. Die Vergleichsgruppe unternahm keine Veränderungen ihrer Ernährungsgewohnheiten. Eine zweite Gruppe von Frauen übte regelmäßig Bewegung aus und wurde entsprechend beraten. Die Vergleichsgruppe unternahm keine körperlichen Aktivitäten.

Blut der Neugeborenen mit erhöhten freien Fettsäuren

Tatsächlich erfolgte eine geringere Gewichtszunahme bei jenen Frauen, welche die Ernährungsmaßnahmen befolgten. Allerdings waren auch höhere Blutzuckerwerte und erhöhte Mengen von Substanzen im Blut nachweisbar, die beim vermehrten Fettabbau entstehen, wie etwa Fettsäuren oder Ketonkörper. Dies stand auch in Zusammenhang mit einer reduzierten Kohlenhydratzufuhr. Außerdem wurden auch im Blut der neugeborenen Kinder erhöhte freie Fettsäuren festgestellt. In den Vergleichsgruppen waren keine Veränderungen dieser Stoffwechselmarker bemerkbar. Allerdings konnte laut Studie vermehrte körperliche Bewegung Schwangerschaftsdiabetes ebenso wenig verhindern wie die zusätzliche Gabe von Vitamin D.

Ernährungsinterventionen beeinflussen jedenfalls den mütterlichen und kindlichen Stoffwechsel signifikant. Der Vorteil einer geringeren Gewichtszunahme unter Kohlenhydrateinschränkung bei adipösen Schwangeren führt aber gleichzeitig zu erhöhtem Fettabbau und damit verbunden der Freisetzung von freien Fettsäuren im Blut von Mutter und Kind. Die Folgen davon sind noch unklar und werden weiter erforscht. (APA)