Letztes Update am Fr, 12.07.2019 12:56

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bericht

Mehr neue Syphilis- als HIV-Fälle in Europa

Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren infizieren sich im Verhältnis zu Frauen und anderen Altersgruppen besonders häufig mit der sexuell übertragbaren Krankheit Syphilis.

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Stockholm – Die Zahl der bestätigten Syphilis-Fälle in Europa hat sich in den vergangenen Jahren stark erhöht. Männer im Alter von 25 bis 34 Jahren infizierten sich im Verhältnis zu Frauen und anderen Altersgruppen besonders häufig mit der sexuell übertragbaren Krankheit, wie aus einem am Freitag veröffentlichten Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) hervorgeht.

Dies gelte vor allem für Männer, die Sex mit anderen Männern hätten und in städtischen Gebieten lebten. Für den Bericht hat sich das ECDC die europäische Entwicklung der überwiegend bei Männern auftretenden Syphilis von 2007 bis 2017 angeschaut. Die Zahl der pro Jahr bestätigten Fälle stieg demnach seit 2010 um knapp 70 Prozent auf ein Maximum von 33.189. Dies bedeute, dass es erstmals seit Anfang der 2000er-Jahre mehr bestätigte Syphilis- als HIV-Fälle in Europa gebe, erklärte das in Stockholm ansässige Zentrum.

Gründe: Sex ohne Kondom und geringere Angst vor HIV

„Die Zuwächse bei den Syphilis-Infektionen, die wir in Europa sowie in anderen Ländern in aller Welt sehen, sind ein Ergebnis mehrerer Faktoren wie Sex ohne Kondom und mit mehreren Sexualpartnern, kombiniert mit einer geringeren Angst, HIV zu bekommen“, stellte der Leiter des ECDC-Programms für HIV- und Geschlechtskrankheiten, Andrew Amato-Gauci, fest.

Vor allem in den 1980er-Jahren war die bakterielle Infektion mit der Ausbreitung von HIV/Aids und Safer Sex zurückgedrängt worden. Oftmals verläuft Syphilis ohne Symptome. In anderen Fällen tritt meist wenige Tage oder Wochen nach der Ansteckung ein Geschwür zum Beispiel am Penis auf, das keine Schmerzen verursacht. Wird die Krankheit nicht mit Antibiotika behandelt, können weitere Anzeichen wie Fieber, Müdigkeit, Kopf-, Gelenk- oder Muskelschmerzen und geschwollenen Lymphknoten folgen. Jahre nach der Infektion sind Schädigungen des Gehirns und der Blutgefäße möglich.

In Deutschland gab es von 2007 bis 2017 eine starke Zunahme der Erkrankungen von vier auf 9,1 Fälle pro 100.000 Personen, verglichen mit einer gesamteuropäischen Rate von 7,1 pro 100 000. Das entspricht 7473 Infektionen im Bundesgebiet. Damit zählte Deutschland neben Island, Irland, Großbritannien und Malta zu den fünf Ländern, in denen sich die Rate seit 2010 mehr als verdoppelt hat. Während des Zeitraums 2007 bis 2017 erfasste das ECDC insgesamt 260.505 bestätigte Syphilis-Fälle in den EU-Staaten sowie in Norwegen und Island.

Anstieg der Fälle auch in Österreich

In Österreich besteht nach dem Geschlechtskrankheitengesetz eine beschränkte Meldepflicht. Das bedeutet, dass Personen, die den Anordnungen des behandelnden Arztes nicht Folge leisten, dem Gesundheitsamt gemeldet werden müssen. In Österreich gab es laut ECDC-Report im Jahr 2013 538 bestätigte Fälle, für die darauffolgenden Jahre wurden laut dem Bericht keine Daten mehr zur Verfügung gestellt. Auch hierzulande wurde ein Anstieg verzeichnet – 2007 waren es noch 58 bestätigte Fälle. (APA/dpa)