Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 25.07.2019


Onkologische Gesundheitsgruppe

Weg vom Krebs, hin zum guten und gesunden Leben

Ein Angebot an der Innsbrucker Uniklinik hilft onkologischen Patienten, wieder einen positiven Blick auf sich und ihren Körper zu gewinnen.

In den Gruppensitzungen geht es darum, sich Ziele zu setzen und diese – unter Einbeziehung möglicher Hürden – auch zu erreichen.

© Marion PlatterIn den Gruppensitzungen geht es darum, sich Ziele zu setzen und diese – unter Einbeziehung möglicher Hürden – auch zu erreichen.



Von Theresa Mair

Innsbruck – Es war ein langer Kampf, aber endlich ist ein Ende in Sicht. Der Krebs ist so gut wie besiegt. Schon die Worte, die häufig benutzt werden, wenn man über eine onkologische Krankheit spricht, vermitteln: Man befindet sich im Krieg gegen die Erkrankung. Mit einem neuen Angebot unterstützt die Universitätsklinik für Medizinische Psychologie in Innsbruck Betroffene dabei, wieder einen positiven Blick auf sich zu gewinnen.

Die „Onkologische Gesundheitsgruppe“ richtet sich an Patienten, die sich am Ende der Behandlung befinden bzw. die Krebstherapie – auch schon länger – abgeschlossen haben. „Dann ist das schwerwiegend emotional Belastende meist bereits hintangestellt. Man kann den Fokus auf die Gesundheit richten, nachdem er schon so lange auf der Erkrankung lag“, erklärt Marion Platter. Gemeinsam mit Alexandra Huber leitet sie die Kleingruppen mit bis zu zehn Teilnehmern.

Die beiden Gesundheits- und Klinischen Psychologinnen verfolgen dabei ein psychoedukatives Konzept. Das heißt, dass sie mit den Patienten individuelle Pläne für ein gesundes Leben entwickeln. Bewegung, Schlaf und Ernährung finden dabei besondere Berücksichtigung, genauso wie Achtsamkeits- und Entspannungsübungen.

Die Diätologin Cornelia Hölzl und die Physiotherapeutin Barbara Gindu-Ferrari stehen den Teilnehmern ebenfalls mit ihrem Fachwissen zur Seite und räumen verbreitete Mythen aus. Dazu gehört z. B. der Irrglaube, dass man Krebs „aushungern“ und deswegen auf Zucker verzichten müsse. Oder, dass körperliches Training die Chemotherapie ungünstig beeinflussen könnte.

„Die Patienten haben ein gutes Gespür dafür, was ihnen guttut. Doch die Umsetzung fällt oft schwer. Vom Wunsch, etwas zu ändern, bis zur Umsetzung geht es viel um Planung“, so Platter. In der Gruppe sprechen die Teilnehmer ihre Wünsche an, überlegen, wie sie ihre Ziele erreichen können, und erstellen Pläne dafür. Hindernisse werden dabei vorausschauend mitgedacht und Alternativen eingeplant. Huber und Platter begleiten sie dabei. In der Gruppe würden die Teilnehmer darin bestärkt, wieder aktiv sein zu dürfen und sich positiven Aspekten zur Förderung der Lebensqualität zu widmen. „Man soll wieder ins Leben hineinspringen“, ermutigt Platter. Mit den acht Sitzungen ist es aber nicht getan. Huber und Platter, die mit dem Konzept bereits gute Erfahrungen bei kardiologischen Patienten sammeln konnten, berichten, dass die Teilnehmer das Programm als durchaus fordernd empfinden. „Man muss zuhause üben, an den Plänen feilen, sie umsetzen, Achtsamkeit üben und sich mit sich selbst in positiver Weise auseinandersetzen“, sagt Huber. Das Programm wird anhand von Fragebögen, welche die Teilnehmer ausfüllen sollen, wissenschaftlich begleitet und ausgewertet.

Die nächste „Onkologische Gesundheitsgruppe“ startet am 10. Oktober. Sie umfasst acht Sitzungen zu je 90 Minuten und einen Nachbesprechungstermin. Die Kosten werden über die Krankenkasse abgerechnet (Überweisungsschein erforderlich). Interessierte werden zu einem Vorgespräch eingeladen. Info und Anmeldung: 0512/504-26117.