Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 31.07.2019


Tanzen

Gut für Rücken und Gehirn: Die Gesundheit fordert zum Tanzen auf

Tanzen hilft gegen Rückenschmerzen, hält das Gehirn auf Zack und macht auch Spaß. Ferry Polai will dies ins Bewusstsein der Menschen rufen.

Harald Stummer mit Julia Polai (l.) und Ferry Polai mit Theresa Pichler (r.) werben für den Gesellschaftstanz.

© Foto TT/Rudy De MoorHarald Stummer mit Julia Polai (l.) und Ferry Polai mit Theresa Pichler (r.) werben für den Gesellschaftstanz.



Von Manuel Lutz

Innsbruck – Ein heller Parkettboden, Spiegel an den Wänden und ein wenig Hintergrundmusik. Viel mehr braucht Ferry Polai in der Tanzschule in Innsbruck nicht, damit seine Gäste Spaß haben und ihrer Gesundheit zugleich etwas Gutes tun können. Davon ist der Tanzlehrer überzeugt. „Die Tatsache, dass Tanzen gesund ist, müssen wir in die Köpfe der Menschen bringen und sie überzeugen“, ist Polais Ziel. Unter dem Motto „Tanzen hält gesund“ hat er zusammen mit seiner Familie den Verein für gesundheitsfördernden Gesellschaftstanz gegründet. In den nächsten Wochen ist Polai in ganz Tirol unterwegs und will mit Veranstaltungen die Bürger zum Tanzen motivieren (siehe Box).

Wissenschaftliche Unterstützung erhält Polai von Harald Stummer von der UMI­T Hall. „Ein Großteil der Bevölkerung, die in einem Büro arbeitet, hat Rückenbeschwerden. Die direkten und indirekten Krankheitskosten betragen in Österreich rund drei Milliarden Euro jedes Jahr. 60 Prozent der Beschwerden könnten verhindert werden. Tanzen ist eine gute Möglichkeit dafür“, so der Gesundheitsökonom. Aus Erfahrung weiß er, dass sich Menschen im Fitnessstudio anmelden und die Motivation bald pass­é ist. „Nach dreimal gehen sie nicht mehr hin. Beim Tanzen kann man seinen Partner aber nicht hängen lassen.“

Stummer ist auch davon überzeugt, dass durch regelmäßiges Tanzen und die damit verbundene Bewegung sowie Trainings die Gehirnzellen beansprucht werden. Eine drohende Demenz könne damit verzögert werden.

Tanzen trainiert nicht nur den Körper, sondern sorgt auch für Geselligkeit. Der soziale Aspekt steht für Initiator Polai im Vordergrund. „Man kann zuhause Schritte einüben, aber Tanzen ist ein gesellschaftliches Event“, sagt er. Die Tatsache, dass sich auch viele alleinstehende Erwachsene beim Tanzen kennen lernen, freut den gebürtigen Ungarn besonders. „Die Musik sprechen zu lassen, ist die schönste Art der Kommunikation. Man kann sehen, wie glücklich sich die Menschen anlachen.“ Die gute Stimmung wirkt sich positiv auf Körper und Immunsystem aus. Dass Tanzen glücklich macht, ist medizinisch und psychologisch nachgewiesen. „Es gibt Studien dazu, die erfolgversprechend sind. Beim Tanzen kann Stress gut ab- und Freude gut aufgebaut werden. Man schaltet schneller ab als bei manch anderer sportlichen Tätigkeit“, so Stummer.

Mit dem Vorhaben soll präventive Arbeit geleistet werden. Bereits ein Tanzkurs mit zwei Stunden pro Woche könne helfen. Ein besonderes Outfit sei nicht notwendig.

Zunächst soll die Initiative auch in Betrieben und mit einem eigens erstellten Zertifikat ausgeweitet werden. Stummer plant außerdem eine wissenschaftliche Studie.

Gesundes Tanzen: Im Rahmen von Tanzveranstaltungen in ganz Tirol geben Experten einen kurzen wissenschaftlichen Einblick in die gesundheitsfördernden Effekte des Tanzens. Im Anschluss wird ein Tanzkurs mit Ferry Polai stattfinden, bei dem Grundschritte erlernt werden. Die Teilnahme ist kostenlos.

Termine: Innsbruck, 31.8.19, im Haus der Musik; Reutte, 7.9.19, im VZ Breitenwang; Imst, 13.9.19, im Stadtsaal Imst; Schwaz, 14.9.19, im SZentrum. Das Event findet jeweils von 17 bis 24 Uhr statt. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Daher wird eine Voranmeldung empfohlen. Infos: www.tanzenhältgesund.at