Letztes Update am Mi, 31.07.2019 10:38

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Magenschutz-Medikamente erhöhen Allergie-Risiko merklich

Forscher der MedUni Wien berichten im Fachblatt „Nature Communications“, dass nach der Einnahme von Magenschutz-Präparaten die Wahrscheinlichkeit für eine nachfolgende Behandlung mit Allergiemedikamenten deutlich höher ist.

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Wien – Magenschutzmedikamente können Allergien verstärken oder sogar auslösen. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern der Medizinischen Universität (MedUni) Wien im Fachmagazin Nature Communications. Die Wissenschafter analysierten dafür die Datensätze fast aller österreichischer Krankenversicherten. Sie plädieren angesichts der Erkenntnisse für einen sensiblen Umgang im Einsatz der Mittel.

Das Team um Erika Jensen-Jarolim vom Institut für Pathophysiologie und Allergieforschung der MedUni Wien arbeitete im Rahmen der Untersuchung mit den Sozialversicherungsträgern zusammen, wie es am Mittwoch in einer Aussendung der Uni heißt. Magensäureblocker dienen zur Reduktion von Säure, was die Belastung durch Sodbrennen verringert und das Abheilen einer geschädigten Magenschleimhaut unterstützt. Breit eingesetzt werden die Mittel als Magenschutz, etwa wenn im Rahmen einer Therapie andere Medikamente eingenommen werden, wenn es gilt ein Magengeschwür zu verhindern oder etwa Völlegefühl abzumildern. Im Jahr 2013 wurde alleine in Österreich 1.540.505 Menschen auf Krankenkassenkosten zumindest eine Packung mit sogenannten Protonenpumpenhemmern (PPI) verschrieben.

Bereits frühere epidemische und experimentelle Studien hätten darauf hingedeutet, dass es einen Zusammenhang zwischen der Einnahme solcher Mittel und Allergien gibt. Erstmals könne das nun anhand von Daten belegt werden, die nahezu die gesamte Bevölkerung abdecken. Immerhin konnte im Rahmen der nunmehrigen Studie auf Verschreibungsdaten von 97 Prozent der Österreicher zwischen den Jahren 2009 und 2013 zurückgegriffen werden.

Risiko verdoppelt bis verdreifacht

Zentrales Ergebnis: Das Risiko, dass Reaktionen auf potenzielle Allergieauslöser auftreten, die auch eine Therapie mit Allergiemedikamenten nach sich ziehen, wird verdoppelt bis verdreifacht, wenn Personen zuvor Rezepte für Magenschoner ausgestellt wurden. Dieser Zusammenhang lasse sich deutlich ablesen, so die Erstautorin der Studie, Galateja Jordakieva.

Der Grund liege darin, dass größere Proteine, die als Allergene fungieren können, das durch die Medikamente weniger saure Milieu im Magen leichter unbeschadet passieren können. Die Magensäure und die darin enthaltenen säureabhängigen Enzyme bilden eigentlich eine Barriere gegen Bakterien und Krankheitserreger, indem sie diese zerlegen. Dieser Prozess wird durch die Mittel gestört und auch Allergene können leichter bis in den Darm vordringen.

„Magenschoner“ nicht länger als nötig einnehmen

„Die sogenannten ‚Magenschoner‘ sollte man nicht länger als nötig einsetzen. Sie verhindern die Proteinverdauung, verändern das Mikrobiom im Magen-Darm-Trakt und erhöhen das Risiko für allergische Reaktionen. Sobald sie ihre medizinisch verordnete Aufgabe erfüllt haben, sollte man sie rasch wieder absetzen“, so Jensen-Jarolim. Man sollte nicht vergessen, dass diese Medikamente lediglich die Symptome lindern und die Ursache des Leidens nicht bekämpfen. „Bei der Behandlung von Stressreaktionen wie Sodbrennen empfiehlt sich eher eine Änderung des Lebensstils bzw. der Work-Life-Balance“, sagte die Studienleiterin. (APA)