Letztes Update am So, 04.08.2019 07:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


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Superfood Apfel: Das ganz persönliche Küchengeheimnis

Nährstoffe als Therapie? Das hat weniger mit Superfood und nichts mit Nahrungsergänzungsmitteln zu tun, sondern mit dem bewussten Einsatz von gewissen Nahrungsmitteln, die Körper und Psyche guttun. Welche Rolle der Apfel dabei einnimmt, erklärt der Allgemeinmediziner und Buchautor Carsten Lekutat.

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Text: Sabine Strobl

Die Ernährungsmedizin ist ein weites Feld, das noch oft beackert werden muss. Von Steinzeitdiät bis Superfood aus Asien, von wissenschaftlichen Studien über das Trendthema Darmbakterien bis zu diversen Ernährungsmythen – man verliert leicht den Überblick.

Ein Hauptgrund, warum sich Menschen in unseren Breiten mit Ernährung beschäftigen, liegt in der Gewichtskontrolle, bestätigt der deutsche Allgemeinmediziner und TV-Moderator Carsten Lekutat, der in seinem aktuellen Buch „Ein Apfel macht gesund, drei Äpfel machen eine Fettleber“ über die gesunde und krankmachende Wirkung von Nährstoffen informiert. „Heute geht es immer mehr darum, sich möglichst gesund zu ernähren. Doch es hakt daran, wie man zu soliden Erkenntnissen kommt. Selbst die Wissenschaft ist sich darin nicht einig, was gesund ist und was nicht“, so Lekutat. Abgesehen davon reagieren Menschen höchst individuell auf Nährstoffe. Was dem einen bekommt, kann für den anderen ungesund sein.

Kalorienverbrauch und Gewicht

Auch die „Ausbeute“ von Kalorien ist, anders, als der Mythos sagt, sehr unterschiedlich. Sie hängt unter anderem von der Art der Lebensmittel ab, von der Zubereitung, von der Reihenfolge der Einnahme und weiters vom persönlichen Stoffwechsel, bei dem Kalorien für Wärme, Bewegung, Immunsystem und Denk­leistungen verbrannt werden. Trotzdem, betont Lekutat, werden Menschen, die mehr Kalorien zuführen, als sie brauchen, an Gewicht zulegen.

Wer die Nahrungsmittel für seine Gesundheit nützen will bzw. eine langfristige Gewichtskontrolle anstrebt, wird drei Punkte beachten müssen: Zwei, drei Monate Zeit soll man die eigenen Ernährungsgewohnheiten beachten, im Falle ernährungsmedizinische Beratung in Anspruch nehmen und ein Ernährungstagebuch führen. Wie Lekutat ausführt, erweist sich auch die moderne Labordiagnostik als hilfreich. So kann etwa der Zuckerstoffwechsel über einen Hautsensor gemessen werden. Nach der Beobachtungsphase wird man die Ernährung anpassen. Ein Beispiel aus der Praxis: Ein Patient spricht gewichtsmäßig stark auf das Bier zum Feierabend an. Sein Blutzucker schnellte jedes Mal in die Höhe, die Fettzellen wurden bestens versorgt. Dann hat er das Bier durch ein Glas Wein ersetzt und ohne weiteres Zutun einige Kilo abgenommen. Anderen Menschen kann dagegen das Glas Wein nicht bekommen.

Und wie mischt sich jetzt der Apfel in die Ernährungsmedizin? Wie Lekutat in seinem Buch ausführt, geht man heute davon aus, dass 50 Gramm Fruchtzucker pro Tag die Gefahr einer Fettleber bergen. Ein Apfel hat ca. 10 Gramm Fruchtzucker und ist somit für Menschen ohne Intoleranz gesund. Fünf Äpfel wären aber schon ungesund, zumal der Apfel nicht die einzige Zuckerquelle ist.

Ein geschickter Einsatz der Nahrungsmittel, die unser reich gedeckter Tisch bietet, ist einen Versuch wert, um bei leichten Beschwerden Medikamente zu vermeiden oder deren Gebrauch zu verringern (Letzteres aber nur nach ärztlicher Absprache).

Von Gurkenwasser und Gewürz

Ab in die Küche: Gurkenwasser, das bei der Zubereitung von Salat entsteht, bewährt sich gegen Wadenkrämpfe. Gewürze wie Kurkuma sind kleine Helferlein bei Beschwerden von Gelenksabnützungen. Die guten Fettsäuren von Paranuss und Walnuss können den Cholesterinspiegel senken. Zwei Nüsse am Tag reichen schon. Auch das Volksleiden Sodbrennen muss man nicht gleich mit Säureblockern bekämpfen. Kartoffeln, Kohlrabi, Mandeln und Bananen oder Kartoffelsaft besänftigen den Magen. „Rezepte“ für die Gesundheit gibt es viele. Man muss sich, wie gesagt, aber die Zeit nehmen und testen, worauf man anspricht. „Die Nährstofftherapie findet in der Küche statt“, sagt Lekutat. Nahrungsergänzungsmittel und Fertigprodukte kommen hier aber nicht zum Einsatz.

4 Tipps

Versteckter Zucker. In der Lebensmittelindustrie sorgt zugefügter Zucker bei Fertigprodukten für Geschmack. Auf den Zutatenlisten finden sich etwa 70 verschiedene Begriffe für Süßes. Süßstoffe haben zwar keine Kalorien, können aber Heißhunger auslösen.

Mäßiger Fleischverzehr.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, nicht mehr als 300 bis 600 Gramm Fleisch pro Woche zu essen. Frauen erreichen derzeit gerade den oberen Grenzwert, Männer essen ein Kilo Fleisch und Wurst.

Trend Vitamin D.

Vitamin D gilt als leistungssteigerndes Multitalent. Es ist auf alle Fälle wichtig für den Knochenaufbau. Eine Vitamin-D-Prophylaxe wird für Säuglinge und ältere Menschen angeraten.

Medikamente und Ernährung.

Grapefruit zum Beispiel kann die Konzentration von gewissen Cholesterinsenkern erhöhen. Milch verträgt sich nicht mit manchen Antibiotika. Im Beipackzettel erfährt man mehr über Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Nahrungsmitteln.