Letztes Update am Di, 13.08.2019 16:23

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Die eigenen Zähne bis ins hohe Alter? Ja, das geht

Immer mehr ältere Menschen sind stolz auf ihre eigenen Zähne. Der Aufwand für Zahnpflege und Zahnarztbesuche lohnt sich. Aufholbedarf besteht bei Menschen in Pflege.

Hier lachen die strahlend weißen Zähne auch noch im Alter.

© iStockHier lachen die strahlend weißen Zähne auch noch im Alter.



Von Sabine Strobl

So sieht Zähneputzen heute aus. Der Enkel umkreist geduldig Zahn für Zahn seines mit Brackets gestählten Gebisses. Seine Oma nimmt sich mit ihrem Spezialbürstchen nicht weniger geduldig die Zahnzwischenräume vor. Danach fletschen beide zufrieden die Zähne. Tatsächlich behalten immer mehr Menschen ihre eigenen Zähne bis ins hohe Alter. Die Disziplin bei der häuslichen Mundhygiene ist eine wichtige Sache. Hinzu kommt: „Je früher und präventionsorientierter die zahnärztliche Versorgung stattfindet, desto langfristiger kann die Mundgesundheit im Alter erhalten bleiben“, erklärt Dagmar Schnabl, Oberärztin an der Inns­brucker Universitätsklinik für Zahnerhaltung/Zahnersatz.

Vor allem bei den jüngeren Senioren hat sich in der Zahngesundheit viel getan. Orientierung geben Daten der Deutschen Mundgesundheitsstudie von 2013

14. Demnach ist jeder Achte der 65- bis 74-Jährigen heute zahnlos, 1997 war es noch jeder Vierte. Sie besitzen durchschnittlich noch fast 17 Zähne gegenüber 10 Zähnen im Jahr 1997.

Zahngesundheit

In den vergangenen Jahren hat sich die Zahngesundheit im Alter stark verbessert. Bei den jüngeren Senioren (65- bis 74-Jährige) und Seniorinnen ist jeder Achte zahnlos, so eine Studie der Deutschen Mundgesundheit von 2013/14. Vor 20 Jahren war jeder Vierte zahnlos.

Bei den 75- bis 100-Jährigen ist laut der Studie jeder Dritte zahnlos.

Bei älteren Menschen mit Pflegebedarf hat jeder Zweite keine eigenen Zähne.

Weltweit weniger Zahnverlust

Wie eine andere Untersuchung zeigt, hat sich weltweit der Anteil von Menschen mit schwerem Zahnverlust im Zeitraum von 1990 bis 2010 von 4,4, Prozent auf 2,4 fast halbiert. Österreich und Deutschland liegen mit einem Anteil von 2,5 Prozent gleich auf, in den USA waren es 2,3 Prozent, China liegt mit 1,5 Prozent voran. Die positive Entwicklung ist auf die bessere Gesundheit allgemein, auf medizinische und zahnmedizinische Betreuung zurückzuführen.

Doch zurück zum Zähneputzen zu Hause: Eine optimale Pflege bedeutet zweimal täglich Zähneputzen. Die Zeit richtet sich nach der eigenen Geschicklichkeit. Wie Schnabl betont, ist es wichtig, systematisch vorzugehen. Vor dem Spiegel werden eventuell mit Lesebrille zuerst die Kauflächen, dann die Innen- und die Außenflächen geputzt.

Je nach Vorlieben kommt dafür eine elektrische oder normale Zahnbürste zum Einsatz. Unerlässlich für die Pflege sind Zahnseide und

oder Zahnzwischenraumbürste. Mit Einbüschelbürstchen sind schwer zugängliche Nischen erreichbar.

Öfter im Jahr zum Zahnarzt

Mit zunehmendem Alter kann man auch öfter als zweimal pro Jahr zur zahnärztlichen Kontrolle gehen. Je nach Bedarf stehen professionelle Mundhygiene, eine Paradontalbehandlung, Zahnfüllungen oder Zahnersatz, eventuell mithilfe von Implantaten an.

Wie die Zahnärztin erinnert, sind Karies und entzündliche Erkrankungen des Zahnhalteapparates (Parodontitis) die häufigsten Ursachen von Zahnverlust. Insgesamt trägt eine gesunde Lebensweise auch zur Zahngesundheit bei. Also eine ausgewogene Ernährung, Förderung der körperlichen Fitness, Meiden von Nikotin und zu viel Alkohol sowie eine allgemeinmedizinische und internis­tische Betreuung.

Gesunde Zähne haben einen entscheidenden Vorteil. „Sie erfüllen in der Regel in optimaler Weise ihre Funktionen wie Nahrungszerkleinerung, Kauen, Sprache, Ästhetik und Stressverarbeitung“, erklärt Schnabl. Und sie unterstützen das soziale Leben. „‚Dritte Zähne‘ im Sinne von herausnehmbarem Zahnersatz stellen einen Behelf dar, der diese Aufgaben möglichst gut erfüllen soll.“ Ein optimaler Prothesenhalt, eine gute Ästhetik und Phonetik seien manchmal nur mit hohem Aufwand möglich. Außerdem sind die dritten Zähne nicht weniger pflegeintensiv als die eigenen Zähne. Sie müssen zu Hause und zahnärztlich „gewartet“ werden.

Pflegebedürftige unterstützen

Schwieriger zu managen ist die Zahngesundheit von Menschen mit Pflegebedarf. Von dieser Gruppe ist in etwa jede zweite Person zahnlos. Die Zahnärztin rät den pflegenden Angehörigen, sich beim behandelnden Zahnarzt darüber zu informieren, wie sie bei der Mundhygiene helfen können.

Eine jüngere Studie, an der die Inns­brucker Uniklinik für Zahnerhaltung

Zahnersatz beteiligt war, hält die Mängel bei der Versorgung von Prothesepatienten in Pflegeheimen fest.

Über die Hälfte der untersuchten Patienten hatten Probleme mit dem Halt der Prothese, ein Viertel mit der Kaufunktion und ein Fünftel mit Druckstellen. Umso wichtiger ist für sie die tägliche Pflege und regelmäßige zahnmedizinische Betreuung.