Letztes Update am Mi, 28.08.2019 16:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Gesundheit

Forscher: Epilepsie macht Menschen kooperativer

Wissenschafter fanden heraus, dass das Sozialverhalten von Menschen mit Epilepsie anders als jenes von Vergleichspersonen ist. Es gibt auch Unterschiede in der Gehirnaktivität.

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Linz, Wien – Epilepsie verändert das Verhalten der Betroffenen, berichtet ein Forscherteam mit österreichischer Beteiligung im Fachjournal „Royal Society Open Science“. Menschen, die an „Frontallappen-Epilepsie“ leiden, zeigten sich in Tests anderen Leuten gegenüber kooperativer als Normalpersonen. Für die Entscheidungsfindung wichtige Hirnregionen hatten bei ihnen andere Aktivierungsmuster.

Das Team um Andrija Javor, der während der Studie an der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Linz arbeitete, verglich die Kooperationsbereitschaft von 15 Epilepsie-Patienten und 15 Vergleichspersonen mit einem Standardtest der Verhaltensökonomie, dem sogenannten „Gefangenendilemma“. Epilepsie-Betroffene trafen dabei signifikant mehr kooperative Entscheidungen, als die anderen Testpersonen, berichten die Forscher. Dies läge vermutlich daran, dass sie negative Erfahrungen weniger stark berücksichtigen, also kooperativ bleiben, selbst wenn sie vom Gegenspieler ausgebootet wurden.

Andere Aktivierungsmuster als bei nicht-Betroffenen

Die Forscher verfolgten auch die Gehirnaktivitäten während der Entscheidungsfindung und entdeckten bei den Epilepsie-Betroffenen andere Aktivierungsmuster, als bei den Nicht-Betroffenen, und zwar in einer für das Sozialverhalten und die Entscheidungsfindung bedeutenden Region im Frontallappen (medialer präfrontaler Cortex). Dies zeuge bei den Betroffenen von Schwierigkeiten oder zumindest einer anderen Art, Entscheidungen zu treffen. (APA)