Letztes Update am Di, 03.09.2019 08:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Pilotstudie

Forscher fanden bei acht von acht Menschen Mikroplastik im Stuhl

Forscher vom Umweltbundesamt und MedUni Wien konnten im Stuhl aller Probanden kleinste Plastikpartikel im Stuhl nachweisen. Zu den möglichen Auswirkungen gibt es bisher kaum gesicherte Erkenntnisse.

Als Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Größe kleiner als fünf Millimeter bezeichnet. Es wird als Zusatz in Kosmetikprodukten verwendet, entsteht aber vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung größerer Plastikteile.

© iStockAls Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Größe kleiner als fünf Millimeter bezeichnet. Es wird als Zusatz in Kosmetikprodukten verwendet, entsteht aber vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung größerer Plastikteile.



Wien – Bei der Suche nach Mikroplastik im menschlichen Stuhl sind vergangenes Jahr Forscher vom Umweltbundesamt (UBA) und MedUni Wien im Rahmen einer Pilotstudie bei allen acht Probanden fündig geworden. Es sei das erste Mal, das Mikroplastik im Menschen nachgewiesen wurde, hieß es im Oktober 2018 beim UEG-Gastroenterologie-Kongress in Wien. Jetzt erschien die komplette Studie in den „Annals of Internal Medicine“.

Bei den Probanden handelte es sich um fünf Frauen und drei Männer im Alter von 33 bis 65 Jahren, die in Finnland, den Niederlanden, Großbritannien, Italien, Polen, Russland, Japan und Österreich lebten. Sie führten eine Woche lang ein Ernährungstagebuch und gaben anschließend eine Stuhlprobe ab. Alle Probanden konsumierten in Plastik verpackte Lebensmittel oder Getränke aus PET-Flaschen, die Mehrzahl von ihnen verzehrte Fisch bzw. Meeresfrüchte, niemand ernährte sich ausschließlich vegetarisch.

Im Schnitt 20 Teilchen pro zehn Gramm Stuhl

Im Mittel wurden 20 Mikroplastik-Teilchen pro zehn Gramm Stuhl gefunden. „In unserem Labor konnten wir neun verschiedene Kunststoffarten in der Größe von 50 bis 500 Mikrometer nachweisen“, berichtete anlässlich der Erstpräsentation Bettina Liebmann, die für Mikroplastik-Analysen zuständige Expertin im UBA. Am häufigsten fanden sich PP (Polypropylen) und PET (Polyethylenterephthalat). Analysiert wurde hinsichtlich zehn der weltweit meist verbreiteten Kunststoffe.

Zusammenhänge zwischen Ernährungsverhalten und einer Belastung mit Mikroplastik konnten aufgrund der kleinen Zahl von Proben und Probanden nicht hergestellt werden. Auch zu den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen der Aufnahme solcher Partikel gibt es bisher kaum gesicherte Erkenntnisse.

Kleinstpartikel können in Körperkreisläufe wandern

Erst vor kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Bericht zu Mikroplastik im Trinkwasser veröffentlicht, demzufolge scheine „Mikroplastik im Trinkwasser nach heutigem Stand kein Gesundheitsrisiko darzustellen“. Aus der Forschung an Tiermodellen ist bisher bekannt, dass Partikel von einer Größe bis zu 130 Mikrometern durch Lücken im Darmepithel (Persorption) in die Körperkreisläufe wandern können. Wie sich das auf die Gesundheit auswirkt, ist jedoch weiterhin klar.

Als Mikroplastik werden Plastikteilchen mit einer Größe kleiner als fünf Millimeter bezeichnet. Es wird als Zusatz in Kosmetikprodukten verwendet, entsteht aber vor allem ungewollt durch Zerkleinerung, Abrieb oder Zersetzung größerer Plastikteile in der Umwelt. Die globale Plastikproduktion liegt aktuell bei über 400 Millionen Tonnen pro Jahr, erläuterten UBA und MedUni im Oktober vergangenen Jahres. (APA)