Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.09.2019


Gesundheit

Steine im Mund: Schmerzen und Schwellungen statt Genuss

In Innsbruck wird am Dienstag die österreichweit einzige Speichelstein-Sprechstunde eingerichtet. An der HNO-Klinik entfernen die Mediziner die Steine jetzt endoskopisch.

Mit einer Kamera auf dem Endoskop und feinsten Instrumenten untersuchen die Mediziner an der HNO die Speicheldrüsengänge.

© Tirol Kliniken/Stefan WalderMit einer Kamera auf dem Endoskop und feinsten Instrumenten untersuchen die Mediziner an der HNO die Speicheldrüsengänge.



Von Theresa Mair

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Innsbruck – Wer nicht betroffen ist, kann es sich schwer vorstellen: Da steht ein Teller mit herrlich duftendem Essen vor einem. Doch anstatt dass ihm vor Appetit das Wasser im Mund zusammenläuft, bekommt er Schmerzen und Schwellungen. Das passiert dann, wenn ein Steinchen den Abfluss der Speicheldrüse verstopft und sich der Speichel in den Drüsengängen staut.

Das Phänomen tritt bei ein, zwei Prozent der Bevölkerung auf – und das ist häufiger, als es vielleicht klingen mag. „Jeden Monat kommen zwei bis vier Patienten zu uns. Sie kommen von überallher, sogar aus Wien“, sagt David Prejban, Mediziner an der Innsbrucker HNO-Universitätsklinik. Mit zwei Kollegen wird Prejban ab kommendem Dienstag, jeweils um 14 Uhr, die Speichelstein-Sprechstunde einrichten. Dabei handelt es sich um die einzige Termin-Ambulanz in Österreich. Grund dafür ist die relativ neue Behandlungsmethode, die bis dato nur in wenigen Kliniken zur Verfügung steht.

„In der Früh wird die Narkose gemacht. Am Abend kann der Patient wieder normal essen", sagt David Prejban 
(HNO-Arzt).
„In der Früh wird die Narkose gemacht. Am Abend kann der Patient wieder normal essen", sagt David Prejban 
(HNO-Arzt).
- Tirol Kliniken

Die Innsbrucker verfügen seit eineinhalb Jahren über ein spezielles Endoskop. Bei der Sialendoskopie führen sie feinste Optiken und Werkzeuge in die Ausführungsgänge der Speicheldrüsen ein, orten dort die Steinchen und entfernen diese mit Zängchen oder fischen sie mit einem Körbchen heraus. Das alles geschieht unter einer kurzen Vollnarkose.

„Der Patient muss ab Mitternacht nüchtern bleiben, in der Früh wird die Narkose gemacht und am Abend geht er heim und kann wieder normal essen“, schildert Prejban im Schnelldurchlauf. Der Prozedur gehen jedoch bei einem ersten Termin klinische und bildgebende Untersuchungen – Ultraschall, MRT oder CT – voraus, um den Speichelstein möglichst genau zu lokalisieren. Diese können dem Mediziner zufolge eine Größe von einem Millimeter bis zu über einem Zentimeter haben.

„Wenn sie zu groß sind, kriegt man sie mit dem Endoskop nicht heraus.“ Dann müssen sie zuvor mit einem Laser in Stückchen zertrümmert werden. Manchmal bleibe aber auch nichts anderes übrig, als die herkömmliche Methode anzuwenden. Dann muss der Stein operativ mit einem Schnitt am Hals herausgeholt werden. „Das möchten wir mit der neuen Methode reduzieren. Keiner will eine Narbe am Hals.“ Manchmal könnte es auch passieren, dass Keime zwar in die Speicheldrüse eindringen, aber wegen der Steine nicht mehr herauskämen. Dann entsteht eine, mitunter eitrige, Entzündung, die, bevor eine Sialendoskopie durchgeführt wird, mit Antibiotika zum Abklingen gebracht werden muss. Die Mediziner empfehlen auch, viel Saures zu essen und viel zu trinken, um den Speichel zum Fließen zu bringen. Alle Patienten werden nach einem Eingriff zur Nachuntersuchung einbestellt.

Wie die Speichelsteine entstehen, ist nicht bekannt. Sie sind kalziumhaltig und treten gleichermaßen bei Männern und Frauen, vor allem im Alter zwischen 30 und 50 Jahren, auf. Mit anderen „bekannteren“ Steinen wie Nieren- oder Gallensteinen haben sie nichts gemein. Von den drei paarig angelegten großen Speicheldrüsen ist die Unterkieferspeicheldrüse am häufigsten betroffen. „Sie produziert ein bisschen mehr Speichel als die anderen Drüsen und er ist etwas anders zusammengesetzt. Deswegen ist er etwas dickflüssiger.“ Manchmal könne man so einen Speichelstein selbst ertasten. Der Drüsengang der Unterkieferspeicheldrüse endet unterhalb der Zunge, dort, wo man zwei Falten sieht.

Nicht immer muss jedoch ein Speichelstein der Übeltäter sein. Wenn keiner entdeckt werden kann, hilft es oft auch schon, wenn die Ärzte die Ausführungsgänge spülen oder dehnen.

Speichelsteine sind wenige Millimeter bis über einen Zentimeter groß.
Speichelsteine sind wenige Millimeter bis über einen Zentimeter groß.
- Tirol Kliniken/Stefan Walder