Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 26.09.2019


Gesundheit

Mediziner bereitet niedrige HPV-Impfrate Sorgen

Seit fünf Jahren wird die HPV-Impfung im Gratis-Kinderimpfprogramm an Schulen angeboten. Familien sind aber oft zurückhaltend.

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© APA/HELMUT FOHRINGER(Symbolfoto)



Von Sabine Strobl-Auckenthaler

Innsbruck – Von der WHO abwärts empfehlen Gesundheitseinrichtungen die Impfung gegen das Humane Papilloma-Virus (HPV). Ziel der Weltgesundheitsorganisation ist es, Gebärmutterhalskrebs bei Frauen auszulöschen. „Das Vorhaben scheint realistisch, wenn Impf- und Früherkennungsprogramme umgesetzt werden“, erklärt Christian Marth, Direktor für Gynäkologie und Geburtshilfe an der Uniklinik in Innsbruck, der an dem Projekt der WHO als Vertreter Österreichs mitarbeitet.

In Österreich wird die Impfung seit fünf Jahren (in Tirol in der 5. Schulstufe) gratis angeboten, aber von den Familien nicht immer angenommen. Die Durchimpfrate der jungen Zielgruppe beträgt in Tirol wie in anderen Bundesländern etwa 60 Prozent. Damit bleibt Österreich hinter Deutschland und Großbritannien sowie Vorreiter Australien, das die Impfung schon 2007 einführte, aber auch Ruanda zurück.

„Dabei ist die HPV-Impfung die einzige wirkliche Impfung gegen Krebs“, bedauert Marth die geringe Impfrate und spricht auch das Thema Aufklärungsarbeit an. Wie eine Untersuchung gezeigt habe, sind junge Mädchen wenig über HPV informiert. HP-Viren, von denen es viele Sub-Typen gibt, werden meist durch sexuellen Kontakt übertragen. Eine Infektion mit Niedrigrisiko-­Typen kann zu Genitalwarzen führen. Hochrisiko-Typen können für Krebsvorstufen und Krebs an Gebärmutterhals, Scheide, Schamlippen, After, Penis, aber auch am Hals und im Rachen verantwortlich sein. Marth: „Wir führen in Innsbruck pro Jahr etwa 3500 gynäkologische Operationen durch, 10 Prozent sind HPV-assoziiert.“ Auch Frauen, die wegen einer Krebsvorstufe am Gebärmutterhals operiert wurden, rät der Mediziner, sich impfen zu lassen.

„Die Impfung wurde weltweit über 100 Millionen Mal an Mädchen und Buben angewendet. Sie ist hoch effizient und harmlos, da nur eine ,Eiweißhülle‘ verabreicht wird“, fasst Marth zusammen.

Nebenwirkungen beschränken sich auf Hautirritationen oder Schwäche nach dem Nadelstich. Die Impfung gegen mittlerweile neun HP-Viren kann bis zum Alter von 15 Jahren gratis, bis 18 mit einem Selbstbehalt in den Gesundheitsämtern nachgeholt werden. Generell ist die Impfung Frauen bis 45 empfohlen.




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