Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.10.2019


Gesundheit

HIV-Selbsttests kommen in Tirol gut an

Seit gut einem Jahr gibt es HIV-Selbsttests in der Apotheke. Die Tiroler nützen das neue Angebot. Im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit ist es ein weiterer Puzzlestein.

Die Selbsttests können drei Monate nach einer möglichen Ansteckung durchgeführt werden. Ein Tropfen Blut genügt, nach 15 Minunten steht das Ergebnis fest. Eine Hotline beantwortet alle Fragen zum Heimtest.

© APA/DPADie Selbsttests können drei Monate nach einer möglichen Ansteckung durchgeführt werden. Ein Tropfen Blut genügt, nach 15 Minunten steht das Ergebnis fest. Eine Hotline beantwortet alle Fragen zum Heimtest.



Von Nina Werlberger

Innsbruck – Wer wissen möchte, ob er sich mit HIV infiziert haben könnte, kann das seit gut einem Jahr auch zuhause testen. Seit vergangenem Sommer sind mehrere Selbsttests in Apotheken erhältlich. Eine erste Bilanz fällt gut aus. Psychologe Fritz Aull ist Berater bei der Aids-Hilfe Tirol und auch in der Prävention tätig. Er sieht in den Selbsttests eine wichtige und sinnvolle Ergänzung zu den Tests bei Ärzten oder den Aids-Hilfe-Stellen. Die Tirolerinnen und Tiroler würden die neuen Heimtests durchaus in Anspruch nehmen. „Es ist ein Angebot, selbst tätig zu werden. Das ist ein Novum bei HIV-Tests“, bemerkt Aull. Genützt würden die Tests aus der Apotheke eher von Leuten in ländlichen Regionen, in denen es keine Teststellen gibt. Aber auch Menschen, bei denen die Hemmschwelle groß ist, zu einem Arzt oder Aids-Berater zu gehen, greifen vermehrt zu den Selbsttests, weiß Aull. „Manche wollen den Test im stillen Kämmerlein machen.“

Zu den Beratern der Aids-Hilfe kommen jedoch auch Männer und Frauen, die Fragen zum Heimtest haben oder ihr Testergebnis ein zweites Mal absichern lassen wollen. Oder auch einfach nur darüber reden wollen: „Oft ist die Anlass-Situation für den Test noch nicht kommuniziert. Die Menschen möchten dann die Risiko-Situation nachbesprechen“, erzählt Aull.

Wie viele Tests bislang verkauft wurden, dazu gibt es bei der Apothekerkammer keine Zahlen. In Deutschland, wo es die Selbsttests ebenfalls seit rund einem Jahr gibt, wurden sie laut Schätzungen der dortigen Aids-Hilfe rund 30.000-mal verkauft. Auf Österreich heruntergebrochen entspräche das rund 3000 Stück.

Verkauft werden hierzulande drei Produkte: Ein „Autotest VIH“ kostet 29,50 Euro, ein Test mit Namen „Insti“ ist um rund 30 Euro erhältlich und ein „Exacto HIV Selbsttest“ kostet 27,95 Euro. Der niederschwellige Zugang zu den derzeit auf dem Markt befindlichen HIV-Tests werde von der Kundschaft begrüßt, sagt Apothekerkammer-Sprecherin Nives Sardi. Auch die Beratung in den Apotheken werde gerne in Anspruch genommen. Vor dem Start der Selbsttests im Vorjahr wurden Schulungen und Betreuungsleitfäden für Apotheker erarbeitet. Regelmäßig werden auch Fortbildungen und Online-Schulungen angeboten. Vom Test-Kauf im Internet rät die Aids-Hilfe ab.

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Wie funktioniert der Heimtest? Wer sich selbst auf eine HIV-Infektion hin testen möchte, muss sich kurz in die Fingerkuppe piksen und einen Tropfen Blut in ein Teströhrchen geben, wo es mit verschiedenen Reagenzien vermischt wird. Nach 15 Minuten ist das Ergebnis da. Bei den Tests handelt es sich um Antikörpersuchtests.

Wichtig ist, diese nicht zu früh zu machen. HIV-Heimtests liefern erst zwölf Wochen nach einer möglichen Ansteckung ein zuverlässiges Ergebnis. Wer schneller Gewissheit möchte, kann bereits nach sechs Wochen einen Labortest beim Arzt machen. Bei einem positiven Heimtest-Ergebnis sollte jedenfalls gleich ein Arzt aufgesucht werden, empfehlen die Experten.

Die Aids-Hilfe betreibt eine Hotline für alle Fragen zum Selbsttest. Sie ist von Montag bis Freitag von 10 bis 17 Uhr unter der Nummer 0800 25 22 89 erreichbar. In der Kaiser-Josef-Str. 13 in Innsbruck berät und informiert sie auch persönlich über die HIV-Heimtests. Darüber hinaus kann man sich dort in einem betreuten Umfeld kostenlos und anonym auf HIV testen lassen.

In Österreich leben geschätzte 8000 bis 9000 Menschen mit HIV/Aids. Täglich werden ein bis zwei Neudiagnosen gestellt. Fritz Aull weist darauf hin, dass HIV heute sehr gut therapierbar ist. Eine frühzeitige Diagnose verbunden mit einer rasch eingeleiteten Behandlung sei für den Therapieerfolg von großer Bedeutung. Dabei können die Selbsttests helfen.