Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 10.10.2019


Gesundheit

Heftige Grippewelle rollt an: Acht Fragen und Antworten

Vor allem ältere Personen und chronisch Kranke sollten sich gegen Influenza impfen lassen. Schon jetzt gibt es bis zu 20 Prozent mehr Krankmeldungen als im Vorjahr.

Winterzeit ist Virenzeit. Im Hinblick auf den bevorstehenden Winter ist die Impfaktion für die Influenza-Impfung bereits angelaufen.

© iStockWinterzeit ist Virenzeit. Im Hinblick auf den bevorstehenden Winter ist die Impfaktion für die Influenza-Impfung bereits angelaufen.



Von Beate Troger

Innsbruck — Sie kommt so sicher wie der erste Schnee. Die Grippewelle. In der kalten Jahreszeit zwingt die Influenza, umgangssprachlich „echte Grippe" genannt, Tausende Tiroler mit hohem Fieber, schmerzenden Gliedern und schweren Erkältungssymptomen ins Bett und in den Krankenstand. „In den vergangenen Wochen lagen die Erkrankungsraten bis zu zwanzig Prozent über dem Vorjahreszeitraum", sagt Landessanitätsdirektor Franz Katzgraber. Daher sei davon auszugehen, dass der bevorstehende Grippewinter ein heftiger wird.

1.) Warum wird die Impfung gegen Influenza empfohlen?

„Die Impfung bietet einen effektiven Schutz gegen die echte Virusgrippe", erklärt Katzgraber. „Außerdem schützt man damit nicht nur sich selbst, sondern kann auch die Ausbreitung der Viren in der Grippesaison eindämmen."

2.) Wer sollte sich unbedingt gegen Influenza impfen lassen?

Älteren Personen ab 50 Jahren, Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie Schwangeren empfiehlt der Mediziner die Schutzimpfung ebenso wie Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen. Kinder können mit dem Totimpfstoff in der Spritze ab dem sechsten Lebensmonat geimpft werden, erklärt er.

3.) Wann ist der beste Zeitpunkt für die Grippeimpfung?

Der Impfstoff, der vor den heuer erwarteten Virenstämmen schützen soll, ist bereits erhältlich. „Wir empfehlen, sich möglichst frühzeitig zu schützen", erläutert Katzgraber. In Jahren mit schweren Grippewellen sei es vorgekommen, dass es im Laufe des Winters Engpässe beim Impfstoff gegeben hat. „Es dauert etwa zehn Tage, bis sich der Schutz durch die Impfung aufgebaut hat", weiß Tirols oberster Mediziner.

4.) Übernimmt meine Krankenkasse die Kosten für die Impfung?

Die Versicherung der öffentlich Bediensteten (BVA) übernimmt die Kosten komplett, die Eisenbahner-Versicherung (VAEB) gewährt einen Zuschuss von zehn Euro. Alle anderen Versicherten müssen die Kosten selbst tragen oder im Fall mit ihrer privaten Krankenversicherung abrechnen. „In Gesundheitsbetrieben übernimmt in der Regel der Arbeitgeber die Kosten", weiß der Landessanitätsdirektor, „aber auch weitere Tiroler Unternehmen bieten für ihre Beschäftigten vergünstigte oder kostenlose Impfungen an."

5.) Wie gefährlich ist die Influenza wirklich?

Mit robustem Immunsystem sei eine Virusgrippe-Erkrankung gut zu überstehen. „Doch man fühlt sich richtig krank und fällt mindestens eine Woche aus", sagt er. Das Problem sei, dass die Infektion vor allem bei älteren Personen und chronisch Kranken einen schweren Verlauf nehmen kann. „Die Folge sind oft schwere Lungenentzündungen", sagt der Arzt. Daher betont er, dass auch das Umfeld von Risikogruppen geimpft sein sollte. Österreichweit werden jedes Jahr rund 2000 Todesfälle infolge der Influenza registriert.

6.) Kann ich selbst erkennen, ob es sich um Influenza oder einen grippalen Infekt handelt?

„Die Virusgrippe bricht plötzlich und mit sehr heftigen Symptomen wie Gliederschmerzen, Husten, Schnupfen und hohem Fieber aus", erklärt Katzgraber. Ein grippaler Infekt hingegen beginne schleichend und werde dann erst im Verlauf intensiver. Er rät, bei Verdacht auf Influenza den Arzt aufzusuchen. Dieser könne aber nur die Symptome behandeln: „Wichtig ist, sich vollständig auszukurieren", sagt der Mediziner.

7.) Warum schützt die Impfung in manchen Jahren nicht so gut?

Das Tückische: Die Influenzaviren ziehen in der kalten Jahreszeit um den Globus und mutieren ständig. Die Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO haben in den vergangenen Monaten die Virusstämme auf der Südhalbkugel analysiert und daraufhin das diesjährige Impfserum für unsere Breiten entwickelt. „Die Vierfachimpfung deckt zwei Influenza-A und zwei Influenza-B-Stämme ab", erläutert der Landessanitätsdirektor.

8.) Kann ich mich auch ohne Impfung vor der Ansteckung schützen?

Nur die Impfung bietet einen umfassenden Schutz. Katzgraber empfiehlt generell regelmäßiges Händewaschen — „mindestens 20 Sekunden lang". Wer verkühlt oder bereits erkrankt ist, sollte nie in die Hände, sondern in die Ellbogenbeuge husten oder niesen, um die Viren nicht weiterzuverbreiten.