Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.10.2019


Gesundheit

Einzigartige Forschung zu Schlaganfällen in Innsbruck

Das neue Forschungszentrum VASCage befasst sich mit Schlaganfällen in Kombination mit der Alterung des Gefäßsystems.

Jeder vierte Österreicher erleidet einen Schlaganfall.

© Getty Images/iStockphotoJeder vierte Österreicher erleidet einen Schlaganfall.



Von Judith Sam

Innsbruck – Mehr als die Hälfte aller Todesfälle in den westlichen Industrieländern sind auf krankhafte Veränderungen der Gefäßsysteme zurückzuführen. Grund genug für das neue Innsbrucker Forschungszentrum VASCage, Gefäßalterung und Schlaganfall gemeinsam unter die Lupe zu nehmen. Diese Kombination ist weltweit einzigartig.

Stefan Kiechl, Direktor der Universitätsklinik für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck, ist wissenschaftlicher Leiter des Forschungszentrums: „Jeder vierte Österreicher erleidet einen Schlaganfall. Wir befassen uns etwa bei einem der Projekte mit Gefäßalterung bei Jugendlichen. Schon bei Fünfjährigen weisen wir mitunter Verdickungen der Gefäßwände nach, die zwar rückbildungsfähig sind, doch auch zur Gefahr werden können.“

Für das Forschungsprogramm, das als eigenständige GmbH unter der Federführung der Medizinischen und der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck agieren wird, stehen während der ersten vier Jahre 17 Millionen Euro zur Verfügung. „Die Hälfte kommt aus öffentlicher Hand, die andere übernehmen Industriepartner“, sagt Geschäftsführer Matthias Ullrich. So werden künftig unter der Beteiligung von 30 Firmenpartnern und 15 wissenschaftlichen Institutionen Strategien zur Vorbeugung, Diagnose, Therapie und Rehabilitation entwickelt.

Wolfgang Fleischhacker, Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, begrüßt das Forschungsprogramm: „Für klinische Forschung gibt es in Österreich nämlich keine guten spezifischen Förderschienen. Auch erschweren unzählige Regeln kleinen Zentren die Durchführung klinischer Studien. Umso wichtiger ist VASCage, um einen Forschungsschwerpunkt auszubauen und unseren wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.“

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Passend zum Start von VASCage fand gestern ein Kick-off-Meeting statt, bei dem unter anderem Michael Brainin, Präsident der Welt-Schlaganfall-Organisation, sprach: „Als ich mich vor Jahrzehnten erstmals dem Schlaganfall gewidmet habe, gab es schlichtweg nichts, um effektiv zu helfen. Ich bin überzeugt, dass unter der Leitung des Weltexperten Stefan Kiechl in den nächsten Jahren nicht nur Verbesserungen im Ablauf der Behandlung und Diagnose, sondern auch pharmakologische Innovationen zu erwarten sind.“

Davon ist auch Geschäftsführer Ullrich überzeugt, der schon in den nächsten Jahren „Produkte, etwa aus dem Bereich der Prävention und Rehabilitation, auf die Straße bekommen“ will.